1. März 2010

Josephstöckl Teil II.

Ich habe euch schon im Oktober 2008 über die kleinen Schlösser der großen Fürsten berichtet. Das Josephstöckl von Kaiser Joseph II., Bruder von Marie Antoinette, habe ich besonders vorgestellt, da es fast keine guten Fotografien von diesen Schloß im Web zu finden sind.
Leider ist mir bei der damaligen Recherche ein Fauxpas unterlaufen. Ich habe das falsche Schloß abgebildet. Die Aufnahmen von dem alten Artikel zeigen ein Nebengebäude auf dem Areal des Augarten und die ehemalige Augarten Porzellan-Manufaktur, zeigen aber nicht das wirkliche Josephstöckl. Das ist öffentlich nicht zugänglich und ist von einer hohen Mauer umgeben.
Ich habe heute das schöne Wetter in Wien aus genutzt und die Wiener Sängerknaben die das Schloß für ihre Zwecke nutzen, gebeten, ein paar Aufnahmen für euch zu machen zu dürfen.








14. Februar 2010

Audienz bei Marie Antoinette

1775 bis 1776 er war Lauzun wieder regelmäßig in Versailles an zu treffen. Er besuchte oft seine Schwägerin Madame Guéménée und auch die Gräfin Gramont, zu der ihm eine enge Freundschaft verband. Weiters versah er in dieser Zeit seinen Dienst bei der Hofgarde in Versailles.
Marie Antoinette war von diesen verdienstvollen Soldaten sehr angetan. Sie hatte eine Vorliebe für galante und vornehme Offiziere mit einen gewissen Ruf bei Frauen. Eine Beschreibung, die auf duc de lauzun zutraf. In dem Sog der Köngin folgte der junge duc de artois, der ebenfalls die Nähe des erfahrenen Lauzun suchte. Ludwig der XVI. sah das und hatte ein gewisses Vertrauen dem Herzog gegenüber, so weit das sein Charakter zuließ. Lauzun wußte, daß die Bevorzugung der Königin in das Gegenteil umkehren konnte und spürte die Gefahr in der er schwebte. Seine enge Freundschaft und auch das familiären Band zu Herzog de Choiseul, den er oft in seiner Verbannung in Canteloup besuchte erregte Aufsehen bei Hofe. Lauzun stand auch im engen Kontakt mit der russischen Kaiserin Katharina. In dieser Zeit stand er nur knapp davor verhaftet und in die Bastielle gebracht zu werden.


Eines Tages machte mir die Prinzessin von Bouillon bei Frau Guéménée den Vorwurf, daß ich traurig und zerstreut sei und fügte lachend hinzu, ich hätte gewiß eine große Leidenschaft im Herzen.
„Wenn dem so ist,“ erwiderte ich scherzend, „so muß es eine unglückliche sein, denn ich sehe den Gegenstand dieser Leidenschaft selten.“
„So sagen Sie mir doch wenigstens den Namen meiner Liebe. Es ist ja nur recht und billig, daß ich ihn auch weiß.“
„Es handelt sich um eine hohe Persönlichkeit, als daß man es wagen könnte, ihren Namen zu nennen. Da jedoch sehr wenig Leute in diesem Zimmer anwesend sind, will ich Ihnen anvertrauen, daß es die Königin ist.“
Frau von Guéménée wurde rot und verlegen. – „Von dieser Neuigkeit muß ich die Königin sofort benachrichtigen,“ sagte ich so kalt wie möglich, „ich werde sogleich zu ihr gehen und es ihr sagen, ohne selbstverständlich jemand zu nennen“. Dabei sah ich die Prinzessin von Bouillon scharf an, die mir vollkommen außer Fassung schien. Nach diesen Worten verließ ich das Zimmer.
Ich ging zur Königin hinauf, der ich begegnete, als sie sich zur Abendandacht begab. Ich bat sie dringend, mir nach der Andacht eine halbe Stunde Audienz zu gewähren. Sie antwortete, ich möchte auf sie warten und ließ mich in ihr Zimmer eintreten.
Als sie zurück kam sagte sie: „Nun was gibt´s Neues!“
„Ich halte es für meine Pflicht, Eure Majestät davon zu unterrichten, daß man gewagt hat, meine grenzenlose Ergebenheit für Sie schlechte auszulegen, ja daß man die Kühnheit so weit treibt, die Güte, mit der Eure Majestät mich auszeichnet, zu tadeln. Ich wage Sie daher flehentlich zu bitten, die allzusehr ins Auge springenden Beweise etwas zu vermindern und mir zu gestatten, daß ich etwas weniger oft meine Aufwartung bei Eurer Majestät mache.“
„Wie können sie so etwas denken?“ entgegnete sie zornig; „sollen wir uns frechen Reden fügen, die ich nicht zu fürchten brauche? Und würde man es mir verzeihen können, diesem Geschwätz den Mann geopfert zu haben, zu dem ich das größte Vertrauen auf der Welt habe, und dessen Anhänglichkeit am meisten bedarf?“
„Ja Eure Majestät müssen es, und ich bin darauf gefaßt gewesen. Wie furchtbar es auch für mich ist, auf die Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, Eure Majestät mein Leben und meine Dienste zu weihen, so muß ich mich doch darein fügen und die Gelegenheit benutzen, - weil die Umstände mir ermöglichen – das Angebot einer großen Herrscherin anzunehmen und den Verfolgungen zu entgehen, die man mir in meinem Vaterland allenthalben bereitet.“
„Sie glauben also, ich würde Sie nicht beschützen und verteidigen?“
„Ich wage Eure Majestät flehentlich zu bitten, ja, ich wage sogar als einzigen Lohn meiner völligen Ergebenheit zu fordern, daß Eure Majestät sich nicht meinetwillen Kompromittieren: ich bin mir selbst genug, um mich zu verteidigen ...“
Wie , Sie wollen, daß ich die Feigheit hätte ... Nein, Herr von Lauzun unser Geschick ist unzertrennlich: man wird Sie nicht ins Verderben stürzen ohne mich ...“
„Oh, Madame, kann das persönliche Interesse eines Untertanen in Betracht kommen, wenn es sich um die hohen Interessen einer Königin handelt?“
„Ein Untertan wie Sie Lauzun? Verlassen Sie mich nicht, ich beschwöre Sie. Was soll aus mir werden, wenn Sie mich verlassen?“
Ihre Augen füllen sich mit Tränen. - Im tiefsten Grunde meines Herzens gerührt, stürzte ich mich ihr zu Füßen und rief: „Könnte ich mit meinem Leben so viel Güte bezahlen! Ein so hochherziges Gemüt!“
Sie reichte mir die Hand. Ich küsste sie mehrmals leidenschaftlich, ohne meine Stellung zu verändern. Mit unendlicher Zärtlichkeit beugte sie sich zu mir herab; als ich mich erhob, lag sie in meinen Armen, und ich drückte sie an mein stark bewegtes Herz. Sie errötete, aber ich sah keinen Zorn in ihren Augen.
„Nun,“ begann sie und entfernte sich ein wenig, „werde ich nichts erreichen?“
„Glauben Sie mir, Madame,“ antwortete ich mit großer Wärme, „ es kommt nicht allein auf mich an. Sind Sie nicht alles für mich? Ihenn allein will ich dienen, Sie sind meine einzige Herrscherin! Ja,“ fuhr ich trauiger fort, Sie sind meine Königin, Sie sind die Köngin von Frankreich!“
„Ihre Augen schienen mich noch um einen anderen Titel zu bitten, und ich war versucht, das Glück zu erfassen, das sich mir zu bieten schien, aber zwei Gründe hielten mich davon ab: Niemals habe ich gewünscht, den Besitz einer Frau einem Augenblick zu verdanken, den sie einst bereuen könnte, und dann wäre mir der Gedanke unerträglich gewesen, das Madame Czartoryska sich dem Ehrgeiz geopfert glaubte. Daher faßte ich mich sehr bald wieder und sagte ernst: Ich werde ohne die Befehle Eurer Majestät keinen Entschluß fassen. Eure Majestät mögen über mein Schicksal verfügen.“
„Gehen sie jetzt,“ sagte sie „diese Unterhaltung hat lange genug gedauert und wahrscheinlich schon allzusehr bemerkt worden.“- Darauf machte ich eine sehr tiefe Verbeugung und zog mich zurück.

Aus den Memoiren des Duc de Lauzun Seiten 199 -203


Das nachstehende Bild zeigt Étienne-François de Choiseul, Herzog von Amboise

4. Februar 2010

Malettke und die Bourbonen




Heute will ich euch das Werk von Klaus Malettke über Louis XV. und Louis XVI. näher vorstellen.
Ich werde eine Buchbeschreibung aus meiner persönlichen Sicht abgeben, und entscheidet selbst ob sich die Lektüre für euch lohnt.

Zur Person von Klaus Malettke *1936 ist zu sagen, daß er bis 2001 als Professor für neuere Geschichte an der Philipps Universität Marburg tätig war. 1992/93 unterrichtete er zwei Semester an der Universität IV-Sorbonne und hatte Gastprofessuren in Paris Nanterre, Poznan (Posen), und Versailles-Saint-Quentin.
1998 Wurde er Ritter und 2005 Offizier der französischen Ehrenlegion.
Er verfaßte auch Werke wie: „Ämterkäuflichkeit; Aspekte sozialer Mobilität im europäischen Vergleich“ und "Ludwig XIV. von Frankreich: Leben, Politik und Leistung".


Der chronologische Aufbau des Buches mit dem Literaturverzeichnis und dem Personenregister ist vorbildlich und Malettke nutzt die Möglichkeiten sofort im Text Personen und Quellen anzuführen. Der Lesefluß wird dadurch gestört, aber daher ist es nicht nötig Fußnoten zu lesen. Malettke ist ein Freund der Klammer, der kursiven Textkmarkierung und langer Schachtelsätze, wie ihr aus dem folgenden Satzbeispiel ersehen könnt:

Im Jahre 1785 faßte eine Gaunerbande und der Führung von La Motte (Jeanne de Luz de Saint-Rémy de Valois, comtesse de La Motte, 1756-1791), eine Nachfahrin eines illegitimen Sohnes König Heinrich II. (1547 – 1559) und wahrscheinlich Geliebte des Kardinals und Erzbischofs von Straßburg, Ludwig von Rohan (Louis René Eduard, prince de Rohan-Guémenée, 1734-1803, der es dank ihrer Verbindungen gelungen war, Zugang zur Versailler Hofgesellschaft zu erlangen, den Entschluß, mit Hilfe eines Tricks das Kollier in ihren Besitz zu bringen und danach dessen Diamanten und sonstige Einzelteile zur veräußern.

Malettke Klaus, Bourbonen Teil 2, Seite 198


Madame La Motte war nicht die alleinige Anführerin, die so eine riskanten Schwindel durchführen konnte und mit ihren angeblichen Verbindungen zur Hofgesellschaft war sie in Versailles so gut wie unbekannt. Auch der "frühe" Tod Heinrich II. fällt aufmerksamen Lesern auf. Ein illegitimer Sohn mit 12 - Respekt, wenn das richtige Geburtsjahr Heinrichs nicht 1519 wäre.;)

Die Biographie von den beiden Bourbonen sind auf 260 Seiten zusammen gefaßt. Genau 100 Seiten sind der 51jährigen Regentschaft Louis XV. gewidmet. Für Louis XVI. bleiben da nur 89 Seiten bis zum Ausbruch der Revolution. Die restlichen 60 Seiten begleiten Louis Auguste auf seinen langen Weg auf das Schafott.
Seine Quellen, Zitate, Personen und Fußnoten sind korrekt geschrieben, sobald Malettke den engen Pfad des Historiker verläßt, fällt auf, wie er eine stille Verbeugung vor der „Grand Nation“ andeutet. Zum Charakter Louis XV. bemerkt Melettke, „er sei ein sehr komplexer Mensch mit einem schwierigen Charakter“
Das Verhältnis zu Preußen, die Verdienste der Madame Pompadour in der Politik von Louis XV. und andere wichtige Persönlichkeiten wie Kardinal de Bernis und Moritz von Sachsen werden nur am Rande erwähnt.
Die kritische Rolle der Parlamentsgerichtshöfe, die im vorigen Beitrag beschrieben wurde, umschreibt Malettke diplomatisch mit:

„Die meisten Historiker stimmen in dem Urteil überein, daß die Rückberufung und Wiederherstellung, der „alten“ Parlamente ein „entscheidender Fehler des Monarchen, die zentrale Weichenstellung für das Ende des Ancien Régime war; denn diese Restauration „der negativen Macht der Privilegierten“ machte das Regime unfähig zu jeglicher Reform, da die Parlamente, die aus Räten bestanden, welche die Privilegien verteidigten, „jeden ernsthaften Versuch einer Reform der politisch-sozialen Strukturen, jede Anstrengung, den monarchistischen Staat den neuen wirtschaftlichen und finanziellen Notwendigkeiten anzupassen, verhinderten“ (Méthivier)“.

Malettke Klaus, Bourbonen Teil 2, Seite 136




Geschickt schafft es Malettke seine eigene Meinung mit der von Hubert Méthivier in ein und dem selben Satz zu verbinden. So viele Gänsefüßchen , hinterlassen beim interessierten Leser bloß ein
(„...“-)?

Alles in Allem muß man die Trilogie als Gesamtwerk betrachtet werden. Wenn man sich von komplizierten Satzgebilden nicht verwirren läßt, ist die jüngere Geschichte Frankreichs von Henri IV. bis Louis XVIII. kompakt in wenigen Tagen durch zu lesen.

24. Januar 2010

Das Pariser Parlament


Da wir hier schon vor einiger Zeit einen Aufsatz von Jaques Levron über das Pariser Parlament gelesen haben, möchte ich euch die Meinung von Rochetrie vorlegen, die etwas unterschiedlich zu der von Levron klingt.

Das Pariser Parlament konnte als der oberste Gerichtshof in Frankreich betrachtet werden. Es hatte sich aus dem von den Pairs gebildeten Hofgerichtshof der Könige des früheren Mittelalters gebildet und bestand in der der Revolution unmittelbar vorangehenden Periode aus fünf Kammern: Der „Grand Chambre“ und zehn Präsidenten, 25 weltlichen und 12 geistlichen Räten , den drei „Chambres des Enquêtes, jede mit zwei Präsidenten und 23 Räten, und der „Chambre des requêtes“ mit zwei Präsidenten 14 Räten. Die Kriminalsachen wurden in der der Reihe nach aus Mitgliedern aller Kammern gebildeten „Chambre de la Tournelle“ behandelt. Außerdem gehörten zum Parlament die königlichen Anwälte, mehr als 500 Juristen und eine große Zahl subalterner Beamten. Obwohl das Parlament eigentlich bloß ein Gerichtshof war, so erlangte es doch dadurch politische Bedeutung, daß es ihm oblag, die königlichen Verordnungen in seine Protokolle einzutragen und den unteren Gerichten mitzuteilen. Das Parlament stellte später die Behauptung auf, es hätte das Recht, dem König Vorstellungen gegen seine Verordnungen zu machen, ja die Eintragung derselben zu verweigern. Dadurch kam es öfters zu den heftigsten Zwisten zwischen Hof und Regierung einer- und den Parlament andererseits, und letzteres wurde mehrmals scharf gemaßregelt. So wurde das Parlament zu einem Herde der Opposition gegen die königliche Autorität, und die ersten Revolutionären Äußerungen finden sich in Parlamentssitzungen. Andere aber minder bedeutsame Parlamente befanden sich in Nancy, Metz, Douay, Remes, Pau, Besancon, Dijon, Aix, Bordeaux und Toulouse.
Gegen das Parlament konnte der König nur durch einen „Lit de justice“, eine feierliche Parlamentsitzung, in der der König, umgeben von den Prinzen des königlichen Hauses und von den Pairs und Marschällen Frankreichs, den Vorsitz führte. Der Name lit (vom Lateinischen lectus – Bett) hergeleitet, kam ursprünglich dem bei dieser Gelegenheit verwendeten Thron zu, da derselbe aus fünf Kissen, einem auf dem Sitze, einem im Rücken, zwei unter den Armen und einen unter den Füssen bestand. Das Lit de justice war ein Mittel, den Widerstand des Parlaments gegen eine königliche Verordnung zu beseitigen oder hintanzuhalten, indem hiebei keinerlei Entgegnungen oder Diskussionen gestattet war, sondern der König einfach befahl, die betreffende Verordnung einzutragen.

20. Januar 2010

Marie Antoinette auf dem Weg in die Conciergerie

Am 1. August 1793 beschloß der Konvent auf einen Bericht Barrères hin, daß Marie Antoinette vor das Revolutionstribunal gewiesen und sofort in die Conciergerie gebracht werden solle.

Marie Therese, die Tochter der Königin beschreibt die letzen Augenblicke mit Ihrer Mutter wie folgt:

„Am 2. August um 2 Uhr morgens“ erzählt die Prinzessin, „weckte man uns, um meine Mutter den Beschluß des Konvents vorzulesen, der anordnete, sie solle in die Conciergerie gebracht werden, damit man ihr den Prozeß mach. Sie hörte diesen Beschluß an, ohne sich zu rühren und ohne ein Wort zu sagen; meine Tante und ich baten sofort, meiner Mutter folgen zu dürfen, aber man gewährte uns diese Gnade nicht. Während sie ihre Kleider zusammenpackte, wichen die Muncipialbeamten nicht von ihr; sie war sogar genötigt, sich vor ihnen anzukleiden. Sie verlangten ihre Taschen zu sehen, sie wies sie ihnen vor; sie durchsuchten dieselben und nahmen alles heraus, obwohl nicht Bedeutendes darin war. Sie machten daraus ein Paket und sagten, sie würden es an das Revolutionstribunal schicken, wo man es vor ihr öffnen werde. Sie ließen ihr nur ein Sacktuch und ein Richfläschchen, aus Furcht sie könnte ohnmächtig werden.
Nachdem mich meine Mutter zärtlich umarmt hatte, empfahl sie mir, Mut zu fassen, meine Tante zu pflegen, und ihr wie einer zweiten Mutter zu gehorchen und erteilte mir dieselben Lehren wie mein Vater; dann warf sie sich meiner Tante in die Arme und empfahl ihr ihre Kinder. Ich antwortete ihr nichts, so war ich von dem Gedanken betroffen, sie das letzte mal zu sehen; meine Tante sagte einige ganz leise Worte zu ihr. Hierauf ging meine Mutter fort, ohne die Augen auf uns zu richten, jedenfalls aus Furcht, es könnte sie ihre Festigkeit im Stich lassen.
Unten im Turm fand noch ein kurzer Aufenthalt statt, weil die Municipalbeamten ein Protokoll aufnehmen mußten, um den Türwächter der Verantwortlichkeit für ihre Person zu entheben. Als sie hinausging, stieß sie mit dem Kopf an ein Pförtchen, da sie vergaß sich zu bücken; man fragte sie, ob sie sich weh getan hätte. „Oh nein!“ antwortete sie, „nichts kann mir jetzt noch weht tun.“


„Récit des événements arrivés au Temple“ p.46 - 49

14. Januar 2010

Die Gärten der Marie Antoinette




Petit Trianon und die botanischen Gärten Ludwig XV. war das Rückzugsgebiet des alternden Königs, der in den letzten Jahren hier einige Glashäuser mit seltenen botanischen Pflanzen unterhielt. Mit seinen Freund den Gardekapitän Herzog von Ahen botanisierte er von 1771 – 1774. Linné der bekannte Botaniker sagte über Louis XV., "Er sei der geschickteste Gärtner Europas - ".
Nach dem Tod des Königs wurde das Petit Trianon von Marie Antoinette ab 6. Juni 1774 in Besitz genommen, bald sollte kein Strauch und kein Baum mehr an seinem Platz bleiben. Die Glashäuser wurden abgerissen und die strenge französische Gartengestaltung wurde durch die moderne englische Architektur ersetzt.
Vorbilder in dieser Zeit waren die Gärten von Horace Walpole in England, der Prinz von Ligne in Belgien, in Frankreich hohe Persönlichkeiten wie Bontin in Tivoli, Laborde in Marseille, der Herzog von Orléans in Monceau.
Die Königin beschloß, den ihrigen in Trianon zu haben, der botanische Garten von Louis XV. wurde geopfert, die Pflanzen und Heilkräuter wurden in den königlichen Garten übertragen, und so war der Platz frei für die neue Schöpfung der Souveränin. Am 23. Juli 1774 besuchte Marie Antoinette den Garten des Marquis Le Nôtre de Garaman, eines hervorragenden Amateurs und geschickten Zeichners, in der Rue Saint-Dominique zu Paris, blieb dort neuenzig Minuten, fand alles reizend, bezauberte selbst jedermann und ersuchte den glücklichen Hausherrn um seine Ratschläge für Trianon.
Unter seinem Einfluß entwarf der Architekt Mique den Plan, welchen Anton Richard, Sohn und Nachfolger von Claude Richard, ausführte. Mit seltenen Talent gelang es ihm die bestehenden exotischen Schätze in seine architektonische Planung einzubeziehen.
Nur Marie Antoinette begenügte sich nicht mit den bestehenden Gewächsen, sondern sie ließ fortwährend neue Pflanzungen vornehmen, vermehrte die Sammlungen, ließ an alle bekannten Länder einen Aufruf ergehen, und die überseeischen Forscher erhielten den Auftrag, ihr von ihren Reisen Pflanzen mitzubringen. 800 Arten zierten den Park. Der Ruhm von Klein-Trainon, sage Arthur Young, sind die exotischen Bäume und Sträucher. Die ganze Welt wurde in Aufregung versetzt um den Park zu schmücken.
Italien sandte sein Steineichen, Arabien seine Balsamtannen, Virginia seine Robinien, China sein rosenroten Akazien, Amerika seine unzähligen Arten von Eichen- und Nußbäumen.
Abbé Nolet, Williams, Moreau de la Rochette beschreiben 239 Arten von Bäumen und Sträucher, die allein Nordamerika für Trianon geliefert hatte. Die Arten mit ständigen Blättern waren vorherrschend, die Königin wollte auch im Winter das Grün.
Korsische Fichten, grüne Eichen aus der Provence, kretische Zypressen, Melonenbäume aus den Pyrenäen vereinen ihr dunkles Laub mit den farbensatten Purpurbuchen und den helleren Tönen der Sophoras und der Tulpenbäume. Jussieu fertigte das Verzeichnis der Bäume an, Bonnéfoy überwachte die Anpflanzung, die Königin sah nach, wie sie trieben und blühten, ließ in ihrer Gegenwart die Zeder von Libanon begießen, die Jussieu gepflanzt hat, und unter ihren Augen, zu Trianon, öffnete die Robinia zum erstenmal in Frankreich ihre duftigen Trauben. Immer und überall Blüten: im Frühling der Flieder, dieser Liebling des Grafen von Artois, der ihn in Bagatelle anbaute, Federharzbäume und Tuberosen...Die Beete füllen sich mit den wunderbarsten Raritäten von Iris, Tulpen, holländischen Hyacinthen.
Orangenbäume erfüllten die Luft mit balsamischen Duft, ihre Blüten hüteten die Gärtner während der Nacht mit eifersüchtiger Sorgfalt; die Königin verkaufte die Ernte, 30 Pfund in schlechten Jahren, 60 in guten Jahren, 78 sogar im Jahr 1780.


T.e. Maxime de Rocheterie Seite ff.224-225

27. Dezember 2009

Marie Antoinette, Louis Auguste und duc de Lauzun

Die Königin Marie Antoinette liebte es, sehr hoch zu spielen, wußte jedoch, daß es dem König nicht gefiel. Daher war sie genötigt, ihr Spiel ein wenig geheim zu halten und eine sehr enge Wahl unter den Mitspielern zu treffen, auf deren Verschwiegenheit sie zählen konnte. Ich machte sie darauf aufmerksam, daß es schlecht gehandelt sei und Veranlassung zu wirklich unangenehmem Geschwätz für sie gäbe. Auch ermahnte ich sie, in ihren Gemächern ein Spiel zu spielen, das sie mit jedermann und vor aller Welt spielen könnte, und fügte hinzu, Bei Frau Guéménée könnte sie dann spielen, was ihr beliebte. Dieses und die Ermahnung, sich mehr um den König zu kümmern, sind die einzigen Ratschläge, die ich der Königin gegeben haben. Sie empfing sie mit jener Anmut und zärtlichen Bevorzugung, die alle ihre Handlungen gegen mich begleiteten.

Da ich nicht scheinen wollte, als huldige ich nur ihr, so jagte ich oft mit dem König, was mich tödlich langweilte, und sie wußte es. Daher verfehlte sie niemals, an diesen Tagen entweder zu Pferd der Jagd beizuwohnen oder im Wagen nachzukommen. Der König schickte mich aber immer an ihre Seite und befahl mir, bei ihr zu bleiben. Er schien unser Zusammensein zu billigen, und es ist ihm um so höher anzurechnen als das Geschwätz, das im Umlauf war, auch bis zu ihm gedrungen war. Er hatte sich nicht begnügt, diejenigen, die gewagt hatten, es ihm zu wiederholen, sehr übel anzulassen, sondern er begann mich von diesem Augenblick an bedeutend liebenswürdiger zu behandeln und sich so höflich gegen mich zu benehmen, als es sein Charakter zuließ. Eines Tages erfuhr er, daß der Graf de Artois sehr früh am Morgen allein ausgeritten sei. Er machte sich darüber große Sorgen und befürchtete ein Duell. Als man ihm aber sagte, ich sei mit ihm, setzte er seine Umgebung in nicht geringes Erstaunen, indem er bemerkte: „Da Herr Lauzun bei ihm ist, bin ich unbesorgt. Er wird ihm keine Dummheit begehen lassen, und er hätte die Königin benachrichtigt, wenn etwas im Gange wäre, was er selbst nicht verhindern könnte.“
So war meine Lage zu Beginn des Jahres 1776.
Im folgenden wird man von den Intrigen und Zänkereien aller Art hören, die meiner Gunst folgten und ungefähr ein Jahr anhielten, ehe es ihnen gelang, sie ganz zu zerstören.
....


Aus den Memoiren des Duc de Lauzun, Seite 211, 212