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19. Januar 2011

Maurice Scéve

L’oeil, aultrefois ma joyeuse lumiere,
En ta beaultè fut tellement deceu ,
Que de fontaine estendu en ryviere,
Veut reparer le mal pqr luy conceu,
Car telle ardeur le coer en à receu,
Que le corps vif est jà reduict en cendre :
Dont l’oeil piteux fait ses ruisseaulx descendre
Pour la garder d’estre du vent raive,
Affin que moyste aux os se puisse prendre,
Pour sembler corps, ou umbre de sa vie.


Das Auge, meine Freude einst und Helle,
ward so getäuscht durch deiner Schönheit Macht,
Daß es zum Strome werden ließ die Quelle,
Das Leid zu heilen, das er mir gebracht.
Im Herzen ward ja so viel Glut entfacht,
Daß lebend schon der Leib zu Asche ward.
Mitfühlend drum das Aug´ nicht Tränen spart,
Damit im Winde nicht der Staub hintreibe,
Der feucht sich leicht mit den Gebeinen paart,
Daß noch ein Schein von Leib und Leben bleibe.


Scève geboren 1510 in Lyon, gestorben gegen 1562 in Lyon, gehört neben Louize Labè zum Lyoner Gelehrten- und Dichterkreis, der damals in einem literarischen Wettstreit mit Paris stand. Auf diesen Kreis wirkte sich der Einfluß von Platos Philosophie und der Formenwelt der italienischen Renaissance befruchtend aus. Der Symbolismus am Ende des 19. Jahrhundert entdeckte seine Verwandtschaft mit der Kunst Scèves. In seiner Lyrik ist die Syntax recht eigenwillig behandelt; Klang und Rhythmus werden, unabhängig vom Sinngehalt des Wortes wichtige Faktoren der dichterischen Aussage.

Texte nach: Maurice Scève; Dèlie, Object de plus haulte Vertu, E. Parturier, 1916 (Société français modernes)

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