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3. Februar 2009

Der Geruch von Paris - Teil II




Immer wieder tauchen Artikel in der Presse oder in Foren auf, die die sanitären Zustände in Frankreich und insbesondere von Paris beschreiben.
Vieles wird unter dem Blickwinkel der heutigen Verhältnisse bewertet und man kommt zu dem Schluss dass die Leute ungepflegt waren. Meiner Meinung, war es einfach nicht besser zu schaffen, in einer Zeit ohne Fließwasser, Kanalisation, Ventilation und Toiletten. Die Situation ist mit einem heutigen Dritte Welt Land vergleichbar - Das Problem war den Menschen bewusst und sie haben die Gerüche und den Schmutz auch nicht besonders gemocht.
Aber lassen wir einige Zeitzeugen selbst zu Wort kommen:
Als der junge Rousseau die Hauptstadt betritt, schlagen ihm die widerwärtigen Dunstschwaden des Faubourg Saint-Marcel entgegen. Im Justizpalast, im Louvre, in den Tuilerien, Im Museum, ja sogar in der Oper „wird man verfolgt von den ekligen Gerüchen und Gastänkern der Bedürfnisanstalten. In den Gärten des Palais-Royale, weiß man im Sommer nicht, wo man sich hinsetzen soll, ohne den Geruch von abgestandenen Urin einzuatmen.“ Die Quais reizen den Geruchssinn bis zum Übelwerden; der Kot sammelt sich überall, in die Allee, am Fuß der Schlagbäume, in den Droschken.
Die Kloakenentleerer verpesten die Straßen; um sich den Weg zum Schindanger zu sparen, kippen sie die Tonnen einfach in den Rinnstein.
Die zahlreichen Polizeivorschriften, die dieser Plage ein Endesetzten sollen, finden keine Bedeutung.
Auch die Walkmühlen und die Weißgerbereien tragen ihren Teil dazu bei, den Harngestank zu mehren. Es mutet apokalyptisch an, wenn Louis-Sébstian Mercier Paris als „Amphitheater von Latrinen“ beschreibt, „die, eine über der anderen, ihren Platz gleich neben den Treppen, den Türen, den Küchen haben und allseitig den schlimmsten Gestank verbreiten.“ Ähnlich seine Darstellung der häufig verstopften Abflussrohre, die schließlich platzen, das Haus mit Unrat überschwemmten und die Pestilenz aus den Abtrittsbrillen steigen lassen, bei deren Anblick die Kinder mit Entsetzen glauben, den Schlund der Hölle entdeckt zu haben.
Kurz, Paris, „Zentrum de Wissenschaft, der Künste, de Mode und des guten Geschmacks“ ist unübersehbar auch das „Zentrum des Gestanks“
Am Vorabend der Revolution häufen sich die Versuche, jene ungenießbaren Gase zu analysieren, die von den Senkgruben aufsteigen, namentlich bei der Entleerung. Es geht darum, die Arbeiter vor dem Ersticken zu bewahren.
„Der Dunst, der von den Bedürfnisanstalten ausströmt, zersetzt jede Art von Fleisch, sowie dessen Säfte“, schreib Géraud; „dieser Zerfall geschieht aufgrund der Absorption der Luft, die das Prinzip des Fleisches ist, durch die fauligen Ausdünstungen der Latrinen.“
Daher sind die Kloakenentleerungen auch für die Umgebung ein großes Problem: „ Sie verderben die Luft, infizieren die Häuser, belästigen die Einwohner und gefährdenden die Kranken“
Die Blumen werden welk, die jungen Mädchen verlieren ihre frische Farbe.“
Ein älterer Artikel zu diesem Thema: Der Geruch von Paris
Trotz der Vorteile der Schwemmkanalisation, verweigerten viele Pariser Hausbesitzer und ganze Stadtteile bis in das späte 19. Jhdt. den Anschluss an das Kanalnetz. Auch der Geruch der Kanäle sei störend und die Kosten erheblich wurde argumentiert.
Erst die Bautätigkeit unter Napoleon III. und der Weltausstellung machten Paris wieder moderner.

Bildtext: Unterstand zum Schlachten ausgedienter Pferde außerhalb des Clos Dusaussois
Rechts eine arbeitende Frau, die ihr Baby in einem Gerippe abgelegt hat, hinten ein brennender Haufen Eingeweide

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