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2. Februar 2009

Johanna Schopenhauer in Frankreich




Gerade weil sie die Französische Revolution durchaus positiv beurteilt hatten, waren Johanna und Heinrich Floris Schopenhauer über die bedrückenden Verhältnisse in dem bewunderten Land entsetzt, als sie es 1804 bereisten.

Die in Danzig als Tochter eines mittelständischen Kaufmanns geborene Schriftstellerin Johanna Schopenhauer (1766 – 1838), Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer, zählte zweifellos zu den außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit.
1874 hatte die gerade 18jährige den fast 20 Jahre älteren Heinrich Floris Schopenhauer (1747-1805) geheiratet, einen hochangesehen Danziger Kaufmann von aufrichtiger republikanischer Gesinnung. Der die Ereignisse im revolutionären Frankreich geradezu enthusiastisch verfolgte.
Der Voltaire-Verherer teilte nicht nur die schöngeistigen Interessen seiner weltgewandten jungen Frau, sondern auch ihre Reiselust.

Im Frühjahr 1803 traten sie schließlich zusammen mit ihrem nunmehr 15jährigen Sohn Arthur eine zweijährige Reise durch Holland, Belgien, England, Schottland. Frankreich, die Schweiz, Österreich, Schlesien und Preußen an.
Am 3. Mai 1803 reist die Familie aus Hamburg über Amsterdam und Antwerpen nach London. Während die Eltern eine ausgedehnte Tour nach Schottland unternahmen, blieb Sohn Artur, im Haus eines Pfarrers in Wimbledon zurück.

Anfang November schließlich verließen die drei Schopenhauers die britischen Insel und gelangten über Rotterdam nach Paris.
Mit zunehmender Ernüchterung hatten sie sich der französischen Metropole genähert: Keine prächtigen Villen, wie in den Vororten Londons, prägten das Bild, sondern aus Lehmhütten bestehende Dörfer und ärmlich gekleidetes Volk. Unmittelbar nach dem Passieren der Stadtgrenze, es war am 27. November gegen Zwölf Uhr, eröffnete sich ihnen ein Labyrinth von kleinen Gassen, von denen eine immer schmutziger aussah als die andere … Verwundert sahen wir im Wagen einander an. Sind wir denn wirklich in Paris? fragten wir uns, ist dieses „la Capitale du monde“?
In einem ehemaligen Stadtpalais, das jetzt als eine Art Hotel diente, mieteten sie sich ein. Prächtige seidene Tapeten goldene Verzierungen und große Spiegel schmückten die Räume.
Überall standen Uhren, Vasen, Bronzen und Kandelaber uns im Wege, lauter um einen Spottpreis erkauftes Raubgut, während der Revolution aus den Häusern der Reichen und Vornehmen entwendet.



Dennoch fanden sie nur wenig Komfort: Weder Türen noch Fenster waren dicht, die Kamine vermochten die hohen Räume kaum zu erwärmen, und das gewissenhaft gebohnerte Parkett erinnerte sowohl durch seine Kälte als auch durch seine Glätte an die Freuden der Eisbahn auf der Hamburger Binnen-Alster.
Mutter und Sohn waren sich einig: Paris blieb weit hinter ihren Erwartungen zurück. In welchem Kontrast standen die engen, schmutzigen Pariser Gassen zu den sauberen, mit breiten Trottoirs versehen Straßen Londons.




Die gezeigten Gemälde sind von Pierre-Antoine Demachy aus der Zeit vor der Revolution.

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