Informationen über Kapitalmarkt, Versicherung und Vorsorge in Österreich

10. Juli 2009

Der Sturm auf die Tuilerien - Teil II.


In einen früheren Post habe ich euch schon die Ereignisse des 10. August 1792 aus dem Blickwinkel de Schweizer Garde berichtet. Jetzt habe ich interessante Dialoge dieser dramatischen Ereignisse gefunden, die ich euch vorlegen möchte.

Zur Erklärung:
Am 10 August wurde der königliche Palast der Tuilerien in Paris vom aufgebrachten Pöbel gestürmt. Für die Bewachung des Königs und seiner Familie waren 900 Schweizergardisten, 200 Edelleute und einige Kompanien treuer Nationalgardisten bereit. Die Familie flüchtete in die Nationalversammlung und die zurück gelassenen Truppen wurden massakriert oder festgenommen. Nur wenige entgingen diesen Gemetzel.
Da der König zu diesem Zeitpunkt keinerlei politische Macht mehr besaß, war der einzige Zweck der Erstürmung, die Tötung des König und seiner Familie.



Gegen 7 Uhr füllt eine kompakte Maße den Vedome-Platz und Feuillanten Terrasse.
Der Vortrab des Aufruhrs rückt über den Carrousellplatz; schon sind einige berittene Banditen auf der Zinne der Mauer, beobachten alles und rufen ihre Kameraden. Die Municipialbeamten lassen sich mit ihnen ins parlamentieren ein; ein großes Geschrei erwidert: „Absetzung oder Tod!“, Die Muncipalbeamten, der Oberkommandant, der Generalprokurator sind demoralisiert; sie gehen zum König hinauf. Schon in der Nacht hatte Roederer das Gutachten abgegeben, in die gesetzgebende Versammlung zu gehen.
„Mein Herr,“ hatte Marie Antoinette stolz geantwortet, „es sind Streitkräfte hier; es ist endlich Zeit zu erfahren wer die Oberhand behalten wird, der König und die Konstitution oder der Aufruhr.“ Der Generalprokurator hatte sich verneigt, aber seine Ansicht nicht geändert. Diesmal nehmen die Municipalbematen das Wort:
„Sire,“ sagt Leroux „der einzige Entschluß, den man fassen kann ist sich in die Mitte der Nationalversammlung zu flüchten; man muß sofort gehen.“
„Sie glauben das?“ antwortete Ludwig
„Ja Sire; Eure Majestät das Gegenteil sagen, hieße Sie verraten.“
Marie Antoinette springt auf. In der gesetzgebenden Versammlung ein Asyl such, in jener Versammlung, die nichts getan hat, um den Aufruhr vorzubeugen, das Schloß verlassen, dem Kampf entsagen, das hieß doch seine Absetzung unterzeichnen, das hieß doch abdanken!
„Wir sollen uns in die Nationalversammlung zurückziehen,“ sagte sie mit zitternder Stimme; „daran denken Sie?“- „Ja, Madame, die Nationalversammlung ist das einzige, was das Volk respektieren wird.“
Gegen halb 8 Uhr kommt Roederer*, an der Spitze des Direktoriums, und sagt zum König: „Sire, Eure Majestät dürfen nicht fünf Minuten verlieren; es gibt für Sie nur in der Nationalversammlung Sicherheit.“ – „Aber,“ sagt der König „ich habe beim Carroussel nicht viele Leute gesehen.“ – „Sire es sind dort zwölf Kanonen und es kommt eine ungeheure Menge aus den Faubourgs.“
Marie Antoinette wallt das Blut in den Adern. Sie wendet sich zu ihren treuen Dienern und ruft: „Nagelt mich an diese Wände, ehe ich mich dazu erkläre, sie zu verlassen.“ Ein Mitglied des Departements, den sie gut kennt, den er ist ihr Spitzenhändler, Gendret, will Roederers Ansicht unterstützen. „Schweigen Sie, mein Herr,“ sagt die Königin heftig zu Ihm, Lassen Sie den Generalprokurator reden; Sie sind der Einzige, der hier nicht sprechen darf; wenn man Böses getan hat, darf man sich nicht so stellen, als ob man es wieder gutmachen wollte.“
Dann sich an Roederer wendend: sagte sie: „Aber, mein Herr, wir haben Streitkräfte.“ – „Madame, ganz Paris ist auf dem Marsch, die Aktion ist nutzlos, Widerstand unmöglich. Sollen Sie sich verantwortlich machen für das Niedermetzeln des Königs, Ihrer Kinder, Ihrer selbst, mit einem Worte der treuen Diener, die Sie umgeben?“ - „Gott bewahre!“ antwortete die tapfere Frau, „möge ich im Gegenteil das einzige Opfer sein!“ Aber ihre Erregung ist so heftig, daß, erzählt eine Augenzeugin, „ihre Brust und ihr Gesicht zitterte.
„Sire,“ hebt der Generalprokurator wieder an, „die Zeit drängt, wir richten keine Bitte mehr an Sie, wir nehmen uns nicht mehr die Freiheit, Ihnen einen Rat zu erteilen; wir haben in diesem Augenblicke nur einen Entschluß zu fassen: wir bitten Sie um die Erlaubnis, Sie fortzuziehen.
Ludwig blickt einen Augenblick Roederer an und entschließt sich endlich und sagt: „Wohlan, weil es sein muß, geben wir noch diesen letzten Beweis von Selbstaufopferung.“
„Ja“ antwortet die Königin, „es ist das letzte Opfer; aber, fügte sie hinzu, auf ihren Gatten und Sohn weisen, „Sie sehen dessen Gegenstand:“ Dann sagte sie zu Roederer:
„Mein Herr, Sie sind verantwortlich für die Person des Königs, Sie sind verantwortlich für die meines Sohnes.“
„Madame,“ entgegnete Roederer, „wir machen uns verantwortlich, an ihrer Seite zu sterben; das ist alles, was wir verbürgen können.

*Louis-Pierre Roederer *1754 - Minister und Mitglied der französischen Akademie

Keine Kommentare: