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14. August 2008

Franz Stephan von Lothringen an seine Kinder



Franz der I. Kaiser von Österreich, Gatte von Maria Theresia und Vater von Marie Antoinette hinterließ seinen Kinder Anweisungen wie sie sich im weiteren Leben verhalten zu haben.
Sterbend hinterließ er seinen Kindern unter den Titel:
"Weisungen für meine Kinder sowohl betreffs des geistigen als des zeitlichen Lebens“ bemerkenswerte Ratschläge, getreu den patriarchalischen Gewohnheiten des Hauses Österreich, vielleicht mehr als Privatmann, denn als Souverän, mehr als Familienoberhaupt, denn als Reichsoberhaupt

Sowohl Maria Theresia als auch Joseph II. haben sich bemüßigt gefühlt Ihren Geschwistern oder Kindern und insbesondere Marie Antoinette schriftliche Anweisungen auf den weiteren Lebensweg mitzugeben.

Die nachstehenden Verhaltensregeln des Vaters sind auszugsweise widergegeben und zeigen wie wichtig Franz Stephan von Lothringen die Zukunft seiner Kinder war.

„Um Euch noch nach meinem Tode zu zeigen, dass ich Euch während meines Lebens liebte, hinterlasse ich Euch diese Weisung als Richtschnur, nach der Ihr Euch zu verhalten, und als Grundsätze, bei denen ich stets wohl befunden haben.
Dann ermahnt er sie, vor allem der katholischen Religion aufrichtig zugetan und Gott treu zu bleiben:
„ der allein außer dem ewigen Heil, welches das einzige Glück ist, eine wahre Befriedigung auf dieser Welt verschaffen kann.“
„Es ist ein wesentlicher Punkt, den ich Euch nicht genug bei allen Gelegenheiten empfehle kann, Euch nie von dem, was Euch schlecht scheint, einnehmen zu lassen, oder zu suchen, es unschuldig zu finden.“

…“ Die Welt, in Ihr Euer Leben zu bringen müsst, hat nur Vorübergehendes, da nur die Ewigkeit ohne Ende ist; darum soll diese Erwägung verhindern, ihr allzu sehr anzuhängen. Da aber Gott selbst die Unterhaltung erlaubt hat und ebenso, dass wir alles genießen, was seine Güte Zahloses uns liefert zur Belustigung unserer Sinne, so sollen wir es gemäß seiner Erlaubnis genießen.“

…“In Unschuld sollen wir die Vergnügungen des Lebens genießen. Denn sobald sie uns zu Bösen, von was immer für eine Art es sein mag, führen können, hören sie auf, Vergnügungen zu sein und werden zu einer Quelle von Kummer und Gewissenbissen.

Wir sind nicht auf dieser Welt, um uns bloß zu unterhalten, und Gott hat uns diese Belustigung nur zur Abspannung des Geistes gegeben.“

… „Wenn man befehlen soll, darf man es nie tun, ohne vorher genau über das, was man
befiehlt, und über die Gründe für und wider im Reinen zu sein, und dann soll man es mit Milde tun … Man darf an nichts eine besondere Anhänglichkeit haben und vor allen keinerlei Leidenschaft besitzen und sich nie einer solchen hingeben, denn alle machen uns unglücklich.“Nachdem er seine Kindern „Zurückhaltung und Schweigsamkeit, sehr notwendige Eigenschaften,“ den „es frommt nicht, alles zu sagen, was man denkt“, und Liebe zu den Armen, die „ ein gutes Werk vor Gott ist und bei der Welt beliebt macht,“ empfohlen, fügt er bei:
Die Sorgen eines Herrschers müssen hauptsächlich darauf gerichtet sein, seine Untertanen nicht zu überlasten, um einen zum Unterhalt und zur Ruhe derselben Untertanen oder zur Erhaltung und zum Wohle seiner Staaten nicht notwenigen Aufwand zu machen …“
„Doch damit soll ich nicht sagen, dass man nicht dem Stande gemäß leben soll, in den uns Gott gesetzt hat, und in welchem wir nach seinem Willen angemessen leben sollen; indes beides lässt sich sehr leicht vereinigen.“
… „Ich halte es für nötig, Euch ebenso sehr zu empfehlen, den Müßiggang stets zu meiden. Auch die Gesellschaften, die man besucht, sind ein heikler Gegenstand; den oft verwickeln sie uns wider Willen in Dinge, in die wir ohne sie nicht geraten wären; darum muss man auch in dieser Beziehung auf seiner Hut sein, besonders Persönlichkeiten, wie Ihr, meine Kinder, die oft von einer Menge Leute umgeben sind, die nur ihren Geschmack zu schmeicheln und sie dorthin zu bringen suchen, wohin ihrer Meinung nach ihre Neigungen gehen, um ihnen dann den zu Hof zu machen und sich in Ansehen und Gunst zu setzten, ohne auf das Seelenheil oder die Welt zu achten, wenn sie nur dadurch Gunst oder Geld gewinnen.“

… „Die Freundschaft ist eine Versüßung des Leben; nur muß man achtgeben, mit wem man sich befreundet, und mit der Freundschaft nicht allzu verschwenderisch sein; denn nicht jedermann macht guten Gebrauch davon, und oft finden sich falsche Freunde, die das ihnen geschenkte Vertrauen nur zu missbrauchen suchen, sei es zu ihrem eigenen Vorteil, sei es zu einem anderen Zwecke, und uns dadurch großen Schaden verursachen; darum empfehle ich Euch, meine lieben Kinder, Euch mit Eurer Freundschaft und dem Vertrauen zu jemanden nicht zu überstürzen, dessen Ihr nicht ganz sicher seid, und zwar seit langem; denn die Leute dieser Welt wissen lange zu heucheln.

Nachdem er seine Kindern Ordnung, weise Sparsamkeit, Abscheu vor hohem Spiele, Eintracht unter einander und unverletzliche Anhänglichkeit an den Chef ihres Hauses empfohlen, setzte er folgende, ernste Worte bei:

„Ich empfehle euch, alle Jahre Euch zwei Tage zu wählen, um Euch auf den Tod vorzubereiten, als ob Ihr sicher wäret, daß dies die letzten zwei Tage Eures Lebens seien. Dadurch werdet Ihr Euch gewöhnen, zu erfahren, was Ihr in einem solchen Falle zu thun haben werdet, und wenn Euer letzter Augenblick kommt, werdet Ihr nicht so überrascht sein und werdet wissen was Ihr zu tun habt … Ihr werdet den Nutzen dessen durch, die Übung erkennen, und die Sache ist von unendlichen Werte, ohne irgendwelchen Schaden zu machen; man tut nur Kaltblütig das, was vielleicht Krankheit und Zeitmangel uns zu tun hindern würden.
„Hier befehle ich Euch,“ so schließt er „zweimal jährlich diese Weisungen zu lesen, die von einem Vater verrühren, der Euch über alles liebte und es für nötig gehalten, Euch diesen Beweis seiner zärtlichen Freundschaft zu hinterlassen, die ihr ihm nicht besser bezeigen könnt, als wenn Ihr alle einander mit der gleichen Zärtlichkeit liebet, die er Euch allen zurücklässt“



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