17. April 2010

Maria Josepha oder doch Marie Antoinette?



Nach einer Information von einer Leserin und lieben Freundin, wurde ich auf das oben stehende Portrait aufmerksam gemacht. Es ist nach letzter Erkenntnis, und das ist für die Öffentlichkeit neu, Maria Josepha von Habsburg, geboren am 19. März 1751 zuzuschreiben
Diese Auskunft ist von kompetenter Seite des Schloß Schönbrunn, wo das Originalportrait ausgestellt ist. Die goldene Namenskartusche auf dem Gemälde wurde 2009 ausgetauscht. Zuvor war das Bild Marie Antoinette zugeschrieben.
Nach eigener Erkenntnis komme ich auch zu dem Schluß, daß das obige Gemälde, die jung verstorbene Erzherzogin Marie Josepha im Alter von 16 Jahren zeigt. Das Bild wurde 1767 oder gar erst 1768 fertiggestellt, Maria Josepha von Habsburg verstarb am 15. Oktober 1767 in Wien. Marie Antoinette war zu dieser Zeit gerade 12jährig. Ich vermute man hat das Portrait nach dem Tod von Maria Josepha angepasst und der jüngeren Schwester, aus naheliegenden Gründen, zugewiesen.
Wenn man den folgenden zeitgenössischen Stich von Josepha genauer betrachtet, erkennt man noch die Details des obigen Originals. Das farbige Ölgemaälde war die Vorlage für den einfarbigen Stich, was man an den vielen Übereinstimmungen erkennen kann.



Die Heiratsvorbereitungen

Im Mai 1767 grassierten die schwarzen Blattern in Wien. Im Juni verstarb Maria Josepha von Bayern , Die Gattin von Kaiser Joseph II. und Maria Theresia, erkarankte ebenfalls im Frühjahr. Die Kaiserin inzwischen 50jährig konnte sich dank ihrer robusten Natur, recht bald von der Erkrankung erholen.
Nach dem Sommer begannen die Heiratvorbereitungen für die Erzherzogin Maria Josepha, denn Sie sollte am 14. Oktober 1767, Ferdinand von Neapel und Sizilien heiraten. Es war eine Hochzeit per procurationem mit Bruder Ferdinand in der Augustinerkirche geplant.

Die Ausstattung mußte vorbereitet werden. Die Brautkleider fast 100 Stück an der Zahl aus Seide, wurden nach Maß gefertigt. Kleidungsstücke, Unterwäsche, erbauliche Bücher alle Art von Schmuck uvm.
Die gesamte Mitgift wurde im Schloß Belvedere nach altem Brauch öffentlich ausgestellt. Die Gesamtkosten der Aussteuer von 200 000 Gulden übernahm, die Tante von Maria Josepha, die Prinzessin Charlotte von Lothringen.
Graf Kevenmüller kritisierte die Aussteuer und fand das sie „ohne Gusto und nicht wohl assortiert“ sei.
Nach den Vorbereitung zur Hochzeit und der Festlegung des Protokolls erkrankte die junge Braut am 4. Oktober an den Schwarzen Blattern.
Das geschah nach einem Besuch in der Kapzinergruft mit der Kaiserin Maria Theresia, wo sie lange am Sarg Ihrer Schwester Gabriella und der Grabstelle ihres Vater Franz Stephan verbrachte.
Böse Zungen behaupten, daß sie von der Kaiserin gezwungen wurde, die Kaisergruft aufzusuchen, oder gar in dieser eingesperrt war und sich so mit den Blattern ansteckte. Da Sie schon am nächst folgenden Tag, nach dem Besuch der Totenstätte, erkrankte, muß sie schon früher mit dem Virus in Kontakt gekommen sein. Die Inkubationszeit bei den schwarzen Blattern oder auch Pocken genannt beträgt 10 – 14 Tage.
Die junge Erzherzogin verstarb am 15. Oktober 1767. Schon am 23. 10. schrieb Staatskanzler Fürst Kaunitz an König Karl III. von Spanien und Vater von Ferdinand, und bot die nächst jüngere Schwester Maria Karolina als Braut; mit den Worten : „die der Toten in nichts nachsteht und die Blattern schon gehabt hat.“
Der spanische König war mit dem Vorschlag einverstanden und schrieb: „ Wir werden uns eben einbilden, daß bloß die Namen vertauscht zu haben, und die Vorsehung wird unsere guten Absichten segnen.

14. April 2010

Henri IV. - König von Frankreich




Heuer jährt sich der Todestag von Heinrich IV. zum 400. mal. Aus gegebenen Anlass kommt der Spielfilm "Henri IV." in unsere Kinos. Das Leben Heinrich ist reich an blutrünstigen Abenteuern und witzigen Anekdoten.
Ich lese gerade eine spannende Biographie von André Castelot und werde in Kürze einen Beitrag von Henri IV. auf meinen Seiten folgen lassen.
Im Titellink findet ihr den Filmtrailer zum Kinofilm.

5. April 2010

Marie Antoinette schreibt Marie Christine

Im Jahre 1777 schrieb Marie Antoinette ihrer Schwester, der Erzherzogin Marie Christine anlässlich des Besuch von Bruder Joseph in Frankreich.
Interessant ist die Erwähnung der Aufführung von Christoph Willibald Gluck, Iphigenie en Aulide, die im Jahre 1774 in Paris uraufgeführt wurde.
Das Verhältnis zwischen den beiden Regenten Joseph II. und Louis XVI. ist zeitweilig als angespannt zu sehen.
Der Reformkaiser fand in Ludwig keinen ebenbürtigen Partner. Veränderungen oder Einmischung in innerfranzösische Angelegenheiten waren dem jungen König zuwider.

An die Erzherzogin Marie Christine
Liebe Marie!
Wie ich Dir bereits geschrieben habe, hat der Kaiser es sich in den Kopf gesetzt, nicht im Schloss abzusteigen. Er wohnt in einem Gasthof, speist aber mit uns zu Abend. Vor kurzem habe ich ihn in die Oper zu einer Aufführung der Iphigenie en Aulide geführt, dort hat er sich sogleich in einen Winkel unserer Loge zurückgezogen, aber nach der letzten großen Arie faßte ich ihn gewaltsam am Arme und nötigte ihn so, sich sehen zu lassen. Das Publikum klatschte und er verließ das Haus ganz entzückt von der Aufnahme, die man ihm und unserem guten Gluck bereitet hatte. Josef bleibt immer der Alte, err macht über alles recht treffende Bemerkungen und weiß zu raten wie keiner außer ihm. Mitunter – das muß man zugestehen – wählt er allerdings eine so heftige Form für seine wirklich bedeutenden Gedanken, daß er sie dadurch um ihre ganz Wirkung bringt. Die liebe Mamá wird mir eine solche Sprache nicht übel nehmen; sie kennt uns beide am besten auf der Welt und weiß, wie sehr ich den Kaiser bewundere und sehr ich bemüht bin, ihm bei Hofe zu dem so wohlverdienten günstigen Eindruck zu verhelfen. Der König ist ihm in Freundschaft zugetan und hört ihn, da er selbst schüchtern und einsilbig ist, gerne stillschweigend an; nur wenn unser Bruder einen seiner kritischen Ausfälle gegen ihn macht, lächelt er leicht, ohne ihm zu widersprechen. Kürzlich ist er allerdings aus seiner Rolle gefallen, als der Kaiser einige Verwaltungsgrundsätze mit einer Spitze gegen den Klerus richtete. Der König hat alles von Josef Vorgebrachte einzeln mit einer solchen Schärfe und kaltblütigen Sicherheit zu entkräften gewußt, daß eine weitere Unterhaltung über diesen Gegenstand ganz unmöglich ist. Zum Schluß bemerkte er: Jedes Land hat seine eigenen Gewohnheiten und Bedürfnisse. Vielleicht lassen sich ihre Grundsätze anderswo anwenden, obzwar ich auch das bezweifeln möchte, doch sind wir in Frankreich; auf unserem Boden seinen die staatlichen Einrichtungen fremder Herkunft nicht vorwärts zu kommen.

Marie Antoinette

15. März 2010

Iphigénie en Tauride



Im Jahr 2008 bekamen wir in Wien die Oper Orfeo ed Euridice von Christoph Willibald Gluck zu Gehör.
Das Theater an der Wien gibt nunmehr die Oper Iphigénie en Tauride und zwar im französchen Original. Wenn ihr die Aufführung verpasst habt, empfehle ich euch die CD mit Richard Croft und Mireille Delunsch aus dem Jahr 1999 in einer Inszenierung von Marc Minkovski, die CD ist bei Amazon erhältlich und bei you tube anzuhören.
Orfeo ed Euridice kam in Paris nur mit der Hilfe und dem Schutz von Marie Antoinette zustande. Gluck war in Wien der Gesanglehrer der jungen Marie Antoinette.
Die Inszenierung von Orfeo und Euridice in Paris war für Gluck sehr nervenaufreibend, den die Musik war 1774 für die konservativen, französischen Ohren ungewöhnlich und für die Beteiligten wie Chor, Ballett und Orchester anspruchsvoll zu spielen.
Das Spätlingswerk der Künstlers, Iphigénie en Tauride fünf Jahre später entstanden, wurde bei seiner Uraufführung in Paris ein triumphaler Erfolg .


Die Geschichte des Tantalidenfluchs um Rache, Hass, Opferung, tödliche Verstrickungen und Mord hat über die Jahrhunderte hinweg nichts von ihrer grausamen Faszination eingebüßt.

Unzählige Dramatiker, Autoren und Komponisten beschäftigten sich mit dem düsteren antiken Familiendrama des Heerführers Agamemnon, seiner Frau Klytämnestra und ihren Kindern Iphigenie, Orest und Elektra.

Auch das von Nicolas-François Guillard nach Euripides verfasste französische Libretto zu Christoph Willibald Glucks Oper Iphigénie en Tauride birgt auf seelische Erschütterung abzielendes Gefühls- und Konfliktpotenzial.

Vor der Opferung durch den Vater wurde Iphigénie gerettet. Nun lebt sie auf der Insel der Taurer und hat die Aufgabe, jeden Fremden zu töten, der hier Zuflucht sucht.

Der blutige Untergang ihrer Familie verfolgt sie in ihren Träumen. Sie weiß nicht, dass ihr Bruder Oreste dem Morden entkommen konnte. Nach Jahren sieht sie ihn und seinen Freund Pylades, die in Gefangenschaftder Taurer geraten, wieder.

Doch die Geschwister erkennen einander nicht. Da der Unbekannte sie aber an Oreste erinnert, beschließt Iphigénie, ihn zu retten. Aber er will an Pylades’ Stelle sterben. Während der Opferhandlung erkennen die Geschwister einander.

Als Thoas, der König der Skythen, Oreste töten will, erscheint plötzlich Pylades und ermordet den König. Das Volk besingt den dämmernden Frieden und das Ende der kriegerischen Zeiten bei den Taurern.

1779 erlebte Gluck in Paris mit der Uraufführung der Iphigénie en Tauride den größten Erfolg seines Lebens.

In diesem Werk gelang es dem ambitionierten Komponisten, seine Reformgedanken bis zur letzten Konsequenz umzusetzen und dem musikalischen Theater wieder mehr Wahrhaftigkeit zu schenken.

Sein Blick auf den antiken Mythos ist ein Plädoyer für die Werte der Humanität; zugleich stieß Gluck mit Iphigénie en Tauride das Tor zum modernen Musikdrama auf.

6. März 2010

Marie Antoinette und Ihre Freunde

Marie Antoinette hatte eine Reihe von selbst erwählten Freunden, die oft in ihrer Nähe anzutreffen waren.

Einige kennen wir schon näher wie Baron Besenval oder duc de Lauzun. Andere wie Herzog Noailles, Esterhazy und Graf Rosenberg die weniger bekannt waren, zählten zum vertrauten Kreis von Marie Antoinette.
Da Marie Antoinette schon früh Ihren Vater, Franz Stephan von Lothringen verloren hat, suchte sie in jungen Jahren die Nähe von Männern die sie an ihre Kindheit erinnerten. Nicht immer war diese Freundschaft von beider seiten gleich stark gewünscht. Den ein zu große Nähe und Anhänglichkeit zur Königin rief viele Neider auf den Plan und Verleumdungen waren üblich.
Die Gefahr für Franzosen, die zur Gänze von der Autorität des König abhängig waren, war enorm. Eine Verbannung für ein Vergehen, wie eine unbedachte Bemerkung, und man mußte Versailles, oft für immer, verlassen.
Eine Verbannung auf die eigenen Güter war noch eine gelinde Strafe. Eine Verbannung aus Paris oder gar aus Frankreich war schon weitreichender. Zur Verbüßung einer Haftstrafe gab es erschwerend, Strafkolonien, "Heilanstalten" wie die Salpêtrière, Strafgaleeren und die Bastille, alles Orte wo man sich nicht hin wünschte. Die Gefängnisse waren in der damaligen Zeit, so wie noch heute in Frankreich, berüchtigt.
So hatte auch Marie Antoinette die Angewohnheit Menschen die ihr unsympathisch wurden, aus Versailles zu verbannen, was für Betroffene die ohne Vermögen waren, mit großen finanziellen Verlusten verbunden war, den die Hofämter waren oft das einzige Einkommen.

So hatten die Freundschaften zu Marie Antoinette immer den Hauch von Gefahr und Vergänglichkeit. Ausländische Freunde wie Fersen, Besenval oder Rosenberg standen unter den persönlichen Schutz der Königin und konnten jederzeit in ihre Heimat zurück kehren.


An den Herrn Grafen von Rosenberg! 17. April 1775

Herr Graf, sie sehen hier, wie gerne ich mit ihnen plaudere und mögen sie daraus erkennen, welches Vergnügen mir Ihr Brief bereitet hat. Solange man in Wien allerlei Geschichten über mich zu Ihnen trägt, will ich ganz ohne Sorge sein, denn Sie kennen Paris und Versailles und haben Ihr Urteil als Augenzeuge gebildet. Wenn ich irgend einer Fürsprache bedürfte, würde ich mich ruhig an Sie wenden. Im Vertrauen würde ich Ihnen noch mehr eingestehen, als Sie zu meinen Gunsten vorgebracht haben; so teile ech nicht ganz den Geschmack des Königs: er liebt die Jagd und handwerksmäßige Beschäftigungen. Sie werden zugeben, daß ich mich in einer Schmiede nicht gut ausnehmen würde; den Vulkan könnte ich dort nicht abgeben und die Rolle der Venus würde ihm gewiß mehr als meine Vergnügungen mißfallen, gegen die er nicht einzuwenden hat*.
Mit Ausnahme des gichtgeplagten Conti haben sich alle Prinzen wieder eingefunden; er selbst hat sich durch seine Nichte bei mir lebhaft entschuldigen lassen; von der ganzen Geschichte spricht auch kein Mensch ein Wort mehr.
Wir leben jetzt ganz anders als im Karneval. Erstaunen Sie und bedauern Sie mich. Bei den Messen und Beichten des Karwoche habe ich mich heftiger erkältet als je auf einem Balle. Sie finden das natürlich ganz in Ordnung. An den Montagen sind jetzt bei mir ganz reizende Konzerte. Nichts von Hofregel; ich fange dort abwechselnd mit einigen anderen Damen eines kleinen Kreises; auch mehrere nette, ältere Herren sind mit dabei, so: Herr von Duras, der Herzog von Noailles, der Baron Besenval, Esterhazy und die Herren von Polignac und Guémenée mit noch zwei oder drei anderen. Das Konzert dauert ungefähr drei Stunden, bis neuen Uhr, und allen vergeht die Zeit wie Fluge.
Es tut mir sehr leid, daß Sie durch so triftige Gründe von der Weiterreise abgehalten sind, mein Bruder ist darum recht zu bedauern. Hoffentlich haben Sie ihm vor seiner Abreise einen wackere Predigt gehalten; wie Sie wissen, muß man sich, um ihn aufrütteln, ein wenig lebhaft ausdrücken. Gott gebe es, daß Sie damit etwas erzielt haben. Sie entschuldigen sich umsonst, daß Ihr Brief so lang geworden ist. Sie müssen mich für sehr unaufrichtig halten, wenn sie an meiner Freundschaft zweifeln oder daran, daß ich gerne einen Brief von Ihrer Hand erhalte. Schreiben Sie wieder einmal.

Antoinette


*Marie Antoinette umschreibt, mit der römischen Mytholgie, ihr Missfallen an den Hobbies ihres Gatten. Vulkan wird von seiner Gattin Venus mit Mars betrogen und Vulkan rächt sich an Venus durch ein grausames Zur Schau stellen ihres Ehebruchs, so in etwa ...

1. März 2010

Josephstöckl Teil II.

Ich habe euch schon im Oktober 2008 über die kleinen Schlösser der großen Fürsten berichtet. Das Josephstöckl von Kaiser Joseph II., Bruder von Marie Antoinette, habe ich besonders vorgestellt, da es fast keine guten Fotografien von diesen Schloß im Web zu finden sind.
Leider ist mir bei der damaligen Recherche ein Fauxpas unterlaufen. Ich habe das falsche Schloß abgebildet. Die Aufnahmen von dem alten Artikel zeigen ein Nebengebäude auf dem Areal des Augarten und die ehemalige Augarten Porzellan-Manufaktur, zeigen aber nicht das wirkliche Josephstöckl. Das ist öffentlich nicht zugänglich und ist von einer hohen Mauer umgeben.
Ich habe heute das schöne Wetter in Wien aus genutzt und die Wiener Sängerknaben die das Schloß für ihre Zwecke nutzen, gebeten, ein paar Aufnahmen für euch zu machen zu dürfen.








14. Februar 2010

Audienz bei Marie Antoinette

1775 bis 1776 er war Lauzun wieder regelmäßig in Versailles an zu treffen. Er besuchte oft seine Schwägerin Madame Guéménée und auch die Gräfin Gramont, zu der ihm eine enge Freundschaft verband. Weiters versah er in dieser Zeit seinen Dienst bei der Hofgarde in Versailles.
Marie Antoinette war von diesen verdienstvollen Soldaten sehr angetan. Sie hatte eine Vorliebe für galante und vornehme Offiziere mit einen gewissen Ruf bei Frauen. Eine Beschreibung, die auf duc de lauzun zutraf. In dem Sog der Köngin folgte der junge duc de artois, der ebenfalls die Nähe des erfahrenen Lauzun suchte. Ludwig der XVI. sah das und hatte ein gewisses Vertrauen dem Herzog gegenüber, so weit das sein Charakter zuließ. Lauzun wußte, daß die Bevorzugung der Königin in das Gegenteil umkehren konnte und spürte die Gefahr in der er schwebte. Seine enge Freundschaft und auch das familiären Band zu Herzog de Choiseul, den er oft in seiner Verbannung in Canteloup besuchte erregte Aufsehen bei Hofe. Lauzun stand auch im engen Kontakt mit der russischen Kaiserin Katharina. In dieser Zeit stand er nur knapp davor verhaftet und in die Bastielle gebracht zu werden.


Eines Tages machte mir die Prinzessin von Bouillon bei Frau Guéménée den Vorwurf, daß ich traurig und zerstreut sei und fügte lachend hinzu, ich hätte gewiß eine große Leidenschaft im Herzen.
„Wenn dem so ist,“ erwiderte ich scherzend, „so muß es eine unglückliche sein, denn ich sehe den Gegenstand dieser Leidenschaft selten.“
„So sagen Sie mir doch wenigstens den Namen meiner Liebe. Es ist ja nur recht und billig, daß ich ihn auch weiß.“
„Es handelt sich um eine hohe Persönlichkeit, als daß man es wagen könnte, ihren Namen zu nennen. Da jedoch sehr wenig Leute in diesem Zimmer anwesend sind, will ich Ihnen anvertrauen, daß es die Königin ist.“
Frau von Guéménée wurde rot und verlegen. – „Von dieser Neuigkeit muß ich die Königin sofort benachrichtigen,“ sagte ich so kalt wie möglich, „ich werde sogleich zu ihr gehen und es ihr sagen, ohne selbstverständlich jemand zu nennen“. Dabei sah ich die Prinzessin von Bouillon scharf an, die mir vollkommen außer Fassung schien. Nach diesen Worten verließ ich das Zimmer.
Ich ging zur Königin hinauf, der ich begegnete, als sie sich zur Abendandacht begab. Ich bat sie dringend, mir nach der Andacht eine halbe Stunde Audienz zu gewähren. Sie antwortete, ich möchte auf sie warten und ließ mich in ihr Zimmer eintreten.
Als sie zurück kam sagte sie: „Nun was gibt´s Neues!“
„Ich halte es für meine Pflicht, Eure Majestät davon zu unterrichten, daß man gewagt hat, meine grenzenlose Ergebenheit für Sie schlechte auszulegen, ja daß man die Kühnheit so weit treibt, die Güte, mit der Eure Majestät mich auszeichnet, zu tadeln. Ich wage Sie daher flehentlich zu bitten, die allzusehr ins Auge springenden Beweise etwas zu vermindern und mir zu gestatten, daß ich etwas weniger oft meine Aufwartung bei Eurer Majestät mache.“
„Wie können sie so etwas denken?“ entgegnete sie zornig; „sollen wir uns frechen Reden fügen, die ich nicht zu fürchten brauche? Und würde man es mir verzeihen können, diesem Geschwätz den Mann geopfert zu haben, zu dem ich das größte Vertrauen auf der Welt habe, und dessen Anhänglichkeit am meisten bedarf?“
„Ja Eure Majestät müssen es, und ich bin darauf gefaßt gewesen. Wie furchtbar es auch für mich ist, auf die Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, Eure Majestät mein Leben und meine Dienste zu weihen, so muß ich mich doch darein fügen und die Gelegenheit benutzen, - weil die Umstände mir ermöglichen – das Angebot einer großen Herrscherin anzunehmen und den Verfolgungen zu entgehen, die man mir in meinem Vaterland allenthalben bereitet.“
„Sie glauben also, ich würde Sie nicht beschützen und verteidigen?“
„Ich wage Eure Majestät flehentlich zu bitten, ja, ich wage sogar als einzigen Lohn meiner völligen Ergebenheit zu fordern, daß Eure Majestät sich nicht meinetwillen Kompromittieren: ich bin mir selbst genug, um mich zu verteidigen ...“
Wie , Sie wollen, daß ich die Feigheit hätte ... Nein, Herr von Lauzun unser Geschick ist unzertrennlich: man wird Sie nicht ins Verderben stürzen ohne mich ...“
„Oh, Madame, kann das persönliche Interesse eines Untertanen in Betracht kommen, wenn es sich um die hohen Interessen einer Königin handelt?“
„Ein Untertan wie Sie Lauzun? Verlassen Sie mich nicht, ich beschwöre Sie. Was soll aus mir werden, wenn Sie mich verlassen?“
Ihre Augen füllen sich mit Tränen. - Im tiefsten Grunde meines Herzens gerührt, stürzte ich mich ihr zu Füßen und rief: „Könnte ich mit meinem Leben so viel Güte bezahlen! Ein so hochherziges Gemüt!“
Sie reichte mir die Hand. Ich küsste sie mehrmals leidenschaftlich, ohne meine Stellung zu verändern. Mit unendlicher Zärtlichkeit beugte sie sich zu mir herab; als ich mich erhob, lag sie in meinen Armen, und ich drückte sie an mein stark bewegtes Herz. Sie errötete, aber ich sah keinen Zorn in ihren Augen.
„Nun,“ begann sie und entfernte sich ein wenig, „werde ich nichts erreichen?“
„Glauben Sie mir, Madame,“ antwortete ich mit großer Wärme, „ es kommt nicht allein auf mich an. Sind Sie nicht alles für mich? Ihenn allein will ich dienen, Sie sind meine einzige Herrscherin! Ja,“ fuhr ich trauiger fort, Sie sind meine Königin, Sie sind die Köngin von Frankreich!“
„Ihre Augen schienen mich noch um einen anderen Titel zu bitten, und ich war versucht, das Glück zu erfassen, das sich mir zu bieten schien, aber zwei Gründe hielten mich davon ab: Niemals habe ich gewünscht, den Besitz einer Frau einem Augenblick zu verdanken, den sie einst bereuen könnte, und dann wäre mir der Gedanke unerträglich gewesen, das Madame Czartoryska sich dem Ehrgeiz geopfert glaubte. Daher faßte ich mich sehr bald wieder und sagte ernst: Ich werde ohne die Befehle Eurer Majestät keinen Entschluß fassen. Eure Majestät mögen über mein Schicksal verfügen.“
„Gehen sie jetzt,“ sagte sie „diese Unterhaltung hat lange genug gedauert und wahrscheinlich schon allzusehr bemerkt worden.“- Darauf machte ich eine sehr tiefe Verbeugung und zog mich zurück.

Aus den Memoiren des Duc de Lauzun Seiten 199 -203


Das nachstehende Bild zeigt Étienne-François de Choiseul, Herzog von Amboise