19. November 2008

Louis Joseph Xavier - Duc de Bourgogne



Heute wollen wir uns mit den älteren Bruder von Louis Auguste beschäftigen.
Herzog von Bourgogne geboren am 13. 9. 1751 und somit um drei Jahre älter als Louis Auguste - Duc de Berry.
Die Mutter Maria Josepha von Sachsen brachte bereits 1753 einen Sohn, den Prinzen von Aquitaine zu Welt, der nach wenigen Monaten verstarb.
Schon nach kurzer Zeit hatte das Haus Bourbon drei kräftige Erben vorzuweisen.
Duc de Bourgogne, Duc de Berry und der jüngeren Duc de Provence.
Der Herzog von Burgund wurde besonders verwöhnt und in dem sein Vater Louis Ferdinand sein eigenes „Spiegelbild“ fand. Aufgeweckt, lebhaft und launisch zieht Bourgogne die gesamte Liebe seiner Eltern auf sich, die von seinem Hätschelkind-Verhalten entzückt sind: Sein Rang erlaubt ihm eine gewisse Unverschämtheit, und darüber hinaus ist er schön und charmant. Für dieses Kind gibt es vermutlich wie einst für seinen entfernten Vorfahren (Louis XIV.) keinen „schöneren Beruf“. Schon jetzt spielt er sich als Gebieter auf und hat das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten begriffen.
Eines Tages, als er von Boisgelin – einem verdienstvollen Maineoffizier – beaufsichtigt wurde und dieser in daran hindern wollte, in ein Zimmer einzudringen, in dem Handwerker arbeitete, rief er aus:
„Ich glaube, hier bin ich der Herr. Sollten Sie es wagen mich zu berühren?“
- „Ich müsste es, und täte es, um zu vermeiden, dass Sie nicht gehorchen.“
- -„Gehorchen! Aber Sie sind bloß ein Edelmann, und ich bin ein Prinz; Sie sind es, der dazu bestimmt ist, mir zu gehorchen …“
Daraufhin wurde der der Herzog von Bourgogne schrecklich wütend, aber er weinte nicht. Als er sich wieder beruhigt hatte, kehrte er zu Boisgelin zurück: „Mein Zorn ist verraucht. Sie haben ihre Pflicht erfüllt, und schätze Sie dafür umso mehr. Unterhalten wir uns jetzt: Letztlich haben weder Sie noch ich mich zum Prinzen gemacht. Warum wurde ich nicht als Gott geboren? Dann könnte ich alles tun was mir beliebt.“
Während man diesem kleinen puppenhaften König lobhudelt, denkt man nicht an Berry, obwohl er die Spiele seine älteren Bruders bis zu jenem Tag im Mai 1758 teilte, als dieser mit sieben Jahren unter der Fuchtel seine Erziehers, des Herzogs von La Vauguyon, nach dem Brauch „zum Manne geworden“ war. Berry bleibt mit seinen jüngeren Brüdern bei Frau von Marsan.
1760 wird der kleine Duc de Bourgogne schwer krank. Infolge eines Sturzes, den er sich beim Spielen mit seinem Holzpferd zugezogen hatte, begann er zu hinken, und an seiner Hüfte bildete sich eine Geschwulst. Man beschloss, ihn zu operieren, natürlich ohne Betäubung. Stoisch erlitt das Kind den Messerschnitt, die eine Öffnung von gut vier französischen Zoll klaffte“ während sein Vater, seine Mutter und die Königin angstvoll im Nebenzimmer warteten.
Nach dieser Operation war der junge Prinz ans Liegesofa gefesselt und das Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder wurde stärker aber nicht besser.
Der Dauphin ließ keine Gelegenheit verstreichen um den jungen Berry den Stand und seinen Vorsprung zu zeigen. Wohl auch in Vorausicht in ihn den königlichen Nachfolger zu sehen, ein Ziel das er aufgrund seiner schweren Verletzung, den Tod vor Augen, nicht mehr erreichen könnte.
Als eine wohlmeinende Seele, Bourgogne eines Tages fragte, „ob er seine Recht des Älteren nicht Monseigneur, dem Herzog von Berry, abtreten wolle, wenn es ihm dafür ebenso wohl erginge sie diesem“ entgegnete er mit ehrfurchtgebietendem und entschiedenem Ton: „Nein niemals, auch wenn ich mein Lebtag im Zustand, in dem ich mich jetzt befinde, zu Bett liegen müsste.“
Von seiner Allmacht überzeugt, glaubte Bourgogne seine Bruder die Leviten lesen zu müssen, wenn Berry brummig ist und als störrischer Untertan Gerechtigkeit fordert. „Er tadelt ihn unter vier Augen, aber mit der Feierlichkeit eines Prinzen, der das Recht hat, Ratschläge zu erteilen, und eines Tages befehlen wird.“
Im November 1760 begreifen seine Eltern, dass der Prinz verloren ist. „Herr Dauphin und Frau Dauphine sind in einem schmerzvollen Zustand von Niedergeschlagenheit, der kaum vorstellbar ist.“ bemerkt der General von Fontenay.
Man entschließt sich also, Bourgogne taufen, firmen und ihn seine erste Kommunion empfangen zu lassen, nachdem sein Beichtvater ihm enthüllt hat, dass sein Ende naht.
Erhaben bis zum Ende, entgegnete er La Vauguyon, der ihn fragte, ob er dem Leben nachtrauere:
„Ich gebe zu, dass ich es mit Bedauern verlasse, aber ich habe es schon vor langer Zeit Gott geopfert.“
Der Duc de Bourgogne verstirbt kurz nach Ostern am 22. März 1761.



Die beiden kleinen Racker auf dem unteren Bild zeigen Duc de Provence und Duc de Berry und den Buben in der blauen Robe den jungen Duc de Bourgogne.

2. November 2008

2. November



Heute wird der Geburtstag, von Marie Antoinette von Habsburg-Lothringen, gefeiert.



Als der Kaiserin das erstemal die neue Prinzessin gezeigt wurde, rief sie aus:



"Ach, die Ärmste, ich beklage sie, sie sieht mir wie ein Wassertropfen dem anderen ähnlich."



Am 3. November 1755 wurde die junge Erzherzogin, von Johann III. Josef Graf von Trautsohn, Kardinal und Erzbischof von Wien in der Wiener Hofburg getauft.

Weitere Informationen zur Geburt von Marie Antoinette findest Du im Titellink

29. Oktober 2008

28. Oktober 2008

An die Prinzessin Charlotte von Hessen-Darmstadt



Am 9.Mai (1784)

Ich werde Ihr Geheimnis getreulich wahren, kann aber den Prinzen Georg nicht abreisen lassen, ohne ihm wenigstens alle meine Wünsche für Ihr Wohlergehen und Glück mitzugeben. Sie können sich nicht vorstellen, wie lebhaft ich mich mit ihrer Heirat von dem Augenblick Ihrer Mitteilung an beschäftige; die Zwischenzeit benützen
Sie wohl und vor allem Ihren Einfluss auf den Prinzen von Mecklenburg, um Ihr Leben in der Zukunft so glücklich wie möglich gestalten und insbesondere Ihre Verwandten so oft wie möglich sehen können. Ich will gar nicht von einer anderen Reise sprechen, die ich sehr gerne sähe, denn ich könnte selbstsüchtig erscheinen und ich will mich doch heute nur mit Ihnen und Ihrem eigenen Glück beschäftigen. Ich stelle Sie mir bereits von Ihren fünf Kindern umgeben vor; sie dürfen bei einer solchen Stiefmutter* (sic) einer glücklichen Zukunft entgegensehen. Leben Sie wohl, der Herr Prinz Georg wird wohl alle meine Grüße an die Ihrigen bestellen. Ich lasse ganz besonders die Erbprinzessin, mein Leben Lang auf meine zärtliche und unwandelbare Freundschaft zu zählen.


Antoinette

Mai 1780

Liebe Prinzessin!
Ich will um ¾ ein Uhr auf einer Spazierfahrt nach dem Wald bei Ihnen vorbeikommen; ich habe eine Hofdame bei mir, also nur noch Platz für zwei. Wenn Sie mit einer Ihrer Schwestern bereit sein wollen, will ich Sie im Vorbeifahren mitnehmen. Kleiden Sie sich nicht erst an und setzten Sie keine großen Hüte auf, wir fahren im leichten Wagen.
Guten Morgen, recht herzliche Küsse

Antoinette

Liebe Prinzessin!
Es ist reizend von Ihnen, dass sie mein Ihnen übersandtes Bildnis schön finden. Hoffentlich erinnert es Sie oft genug an eine, die Sie zärtlich liebt. Es täte mir außerordentlich leid, wenn Sie sich die Mühe gäben, mich aufzusuchen, da ich nicht einmal bestimmen kann, ob ich morgen oder übermorgen nach Tische daheim bin. Leben Sie wohl, ich bin nicht zu Hause und schreibe dies auf einem Knie, habe also nur noch Zeit genug, sie herzlich zu umarmen und zu küssen.

Antoinette


*Schwiegermutter, Stiefmutter - belle-mère

26. Oktober 2008

Die kleinen Schlösser der großen Fürsten


Marie Antoinette bekam von Ihren Gatten Louis Auguste das Petit Trianon geschenkt.
Seitdem beschäftigte sie sich mit der Verschönerung der Gärten während sie im Gebäude selbst nicht die mindeste Verbesserung, so wie auch nicht die geringste Veränderung am Mobiliar vornehmen ließ, obwohl letzteres bereits ziemlich schlecht geworden war und im Jahre 1789 sich noch genau in demselben Zustand befand, wie unter der Regierung Louis XV..
Alles ohne wurde beibehalten. Die Königin schlief in einem unscheinbaren Bett, das sogar schon von der Gräfin Du Barry (!!) gebraucht worden war. Der Vorwurf der Verschwendung, den man allgemein der Königin gemacht hat, ist der unbegreiflichste unter allen den Irrtümern, die über ihren Charakter in der Welt verbreitet worden sind.
Sie hatte ganz denn entgegen gesetzten Fehler, und ich könnte beweisen, dass sie die Sparsamkeit bis zur Knickerei trieb, die zumal an einer Fürstin tadelswert war. An dem zurück gezogenen Leben in Trianon fand sie viel Geschmack. Sie begab sich dahin gewöhnlich ganz allein, in Begleitung eines einzigen Lakaien; aber sie fand dort eine Dienerschaft zu ihrem Empfang bereit, nämlich einen Kastellan und seine Frau, die dann bei ihr die Stelle einer Kammerfrau vertrat, ferner Kammerfräulein, Schlossburschen usw.

Mme Campan







Ihr Bruder Joseph II., Kaiser von Österreich, ein Freund des Understatements,ließ nach dem Vorbild eines pariser Palais, 1775 im Augarten eine kleine Villa nach seinen persönlichen Wünschen bauen.
Das Palais Augarten, das Hauptgebäude, ist noch heute der Sitz der Manufaktur Augarten Porzellan, die schon seit 1712 in diesem Palais das berühmte Pozellan herstellt. Die angrenzenden Gebäude werden von den Wiener Sängerknaben genutzt.
Das sogenannte Kaiser Stöckl von Joseph II., das an der Rückseite des Palais Augarten zu finden ist, wird heute als Proberaum von den Sängerknaben benutzt und das wurde mir auch von Anrainern bestätigt.
Der ebenerdige Teil des Gebäude wurde von Joseph II. als Privatresidenz benutzt. Die große Maisonette hatte einen Rundumblick in die ehemals unverbaute Leopoldstadt und Richtung Stadtzentrum, in die Praterauen und in den barocken Augarten.
Die Parkanlage wurde von den Gartenarchitekten Jean Trehet in französichen Stil neu angelegt. Kaiser Joseph II. hatte im Jahr 1775 die Parkanlagen der Öffentlichkeit zur freien Benützung übergeben und über dem Gartenportal folgende Infschrift anbringen lassen: „Allen Menschen gewidmeter Erlustigungs-Ort von Ihrem Schätzer“

16. Oktober 2008

215. Todestag von Marie Antoinette

Heute Gedenken wir der Hinrichtung von Marie Antoinette.



Ankündigung:
Interessierten Lesern kann ich in kürze die privaten Briefe von Marie Antoinette an die Landgräfin Luise von Hessen und an die Prinzessin Charlotte von Hessen zur Lektüre anbieten. Die Briefe sind wie gewöhnlich, als Pdf gescannt, aus einem Buch in französischem Originaltext vorhanden. Interessenten melden sich direkt bei mir, da ich nur einen Brief hier online stellen werde. Das gesamte Konvolut umfasst 34 Briefe.

11. Oktober 2008

Ein Vormittag mit Marie Antoinette


Die Königin erwachte gewöhnlich gegen 8 Uhr.
Eine Garderobefrau trat alsdann ein mit einem Korbe, der zwei oder drei Hemden, Sacktücher und Waschlappen enthielt; das nannte man die Morgenzurüstung. Die erste Kammerfrau reichte ein Buch, in dem Kleidermuster für großen Staat, für Hauskleider usw. angeheftet waren; es waren gewöhnlich für jede Jahreszeit zwölf „große Kleider“, zwölf kleine Phantasiekleider, zwölf reiche Roben mit Reifröcken bestimmt. Die Königin bezeichnete mit einer Stecknadel die für den Tag ausgewählten Kleider: eine großes Kleid, ein Hauskleid für Nachmittag, eine robe parée für Spiel und Souper. Man trug das Musterbuch alsbald fort und brachte in großen Tafttüchern die gewählten Kleider herbei.
Die Königin badete fast täglich; man rollte eine Wanne in ihr Zimmer, und die Badefrauen wurden mit allem Badezubehör eingelassen. Die Königin hüllte sich in ein langes Hemd aus englischen Flanell, das bis hinab zugeknöpft war, und wenn sie aus dem Bade stieg, hielt man ein sehr hohes Tuch von sie, um sie gänzlich den Augen ihrer Frauen zu entziehen. Dann begab sie sich wieder zu Bette, mit einem Mantel aus weißem Taft angetan, und nahm ein Buch oder eine Stickerei zur Hand. Um 9 Uhr frühstückte sie, an Badetagen im Bade selbst auf einem auf den Deckel der Wanne gestellten Präsentierteller, an den anderen Tagen in ihrem Bette oder manchmal stehend an einem Ihrem Kanapee gegenüber hingestellten Tischchen. Es fand dann der kleine Empfang statt. Das Frühstück war sehr einfach, etwas Kaffee oder Chocolate.
Zu Mittag fand die Repräsentationstoilette; das war zugleich die Stunde des großen Empfanges. Es wurden Feldstühle herbeigerückt für die Oberintendantin, die Ehren- und Kammerdamen, die Gouvernante der königlichen Kinder; die Prinzen von Geblüt, die Gardekapitäne, alle Zutritt habenden Großwürdenträger machten ihre Cour; die Palastdamen erst nach der Toilette. Die Königin grüßte mit dem Kopfe oder durch kleine Verbeugung, wenn es ein Prinz von Geblüt war; sie stütze sich auf den Putztisch, um das Zeichen zum Aufstehen zu geben. Die Brüder des Königs kamen gewöhnlich, während man sie frisierte.
Der gewöhnlich reich geschmückte Putztisch wurde in die Mitte des Zimmers gezogen. Hier wurde Toilette gemacht. Die Ehrendame reichte das Hemd und goss das Wasser auf zum Waschen der Hände; die Kammerdame reichte den Unterrock zur Robe oder zum großen Kleide, legte das Halstuch um und befestigte das Collier. In diesem Augenblicke händigte am ersten jeden Monats Herr Randon de la Tour der Königin in einem weißledernen, mit Taft gefütterten und silberbestickten Beutel den für ihre Almosen und ihr Spiel bestimmten Betrag ein. Später stellte Marie Antoinette diesen Gebrauch ab. War die Frisur fertig, so grüßte sie die in ihrem Zimmer befindlichen Damen und ging, bloß von ihren Frauen begleitet, in ihr Cabinet, um sich anzukleiden; dort traf sie ihre Modistin, Fräulein Bertin, zu jener Zeit die oberste Richterin in Sachen des Putzes und Geschmackes.
Nach der Vollendung der Toilette ging die Königin, begleitet von der Oberintendantin, den Ehren- und Plastdamen, dem Ehrenkavalier, dem ersten Stallmeister, ihrem Klerus und den Prinzessinnen der königlichen Familie durch den Friedensalon und über den Gang, um sich zur Messe zu begeben. Sie hörte diese samt dem Könige auf einer Tribüne gegenüber dem Hochaltar, ausgenommen an den Tagen, wo „große Kapelle“ war, und wo sie der Messe unten auf Teppichen mit Goldfransen beiwohnte.
Nach der der Messe kam das Diner. Der Haushofmeister trat ins Zimmer der Königin, meldete, dass aufgetragen sei und überreichte das Menu.

Memoires de Mme Capman, p. 97 und 98