1. September 2012
Lord Sandwich
Neulich ist mir die Beschriftung eines kleinen Strassenlokal aufgefallen.
Was hier so hergestellt werden soll, hat meine Phantasie beflügelt, und ich hoffe auch die meiner Leser.
Lord John Montagu, 4. Earl of Sandwich wäre sicher belustigt, zu sehen wie sein Name nach so langer Zeit noch verunglimpft wird, den er hat mit der Geschichte des Sandwich wenig zu tun.
31. August 2012
September 1792 - die Ermordung von Prinzessin Lamballe
Das Vernehmungsprotokoll des
Jacques-Charles Hervelin anlässlich der Beschuldigung das Herz der
Prinzessin Lamballe geröstet und gegessen zu haben.
Daten des Beschuldigten:
Jacques-Charles Hervelin, 41 Jahre alt, Tambour der Truppe der
Sektion der Arcis, wohnhaft im Haus des Bürgerausschusses der
genannten Sektion, und gebürtig aus Paris.
F: Ob er sich an
irgendwelchen Orten von Paris befunden habe, wo es Unruhen gab.
A: Im September 1792, als er
zufällig durch die Rue Saint- Antoine gegangen sei, habe er
gegenüber der Force einen Haufen toter Körper gesehen, die ihn
zittern machten, und sei auf einen Stein gestiegen, um zu sehen, und
habe sich davongemacht. Als er ein paar Schritte weiter haben
schreien hören: „Da ist die Prinzessin Lamballe!“, sei er zurück
gekommen, um sich wieder auf den Stein zu stellen, und habe aus dem
Gefängnis eine kleine weißgekleidete Frau kommen sehen; die Henker,
bewaffnet mit allen möglichen Waffen, hätten sie totgeschlagen; er
habe einen gewissen Forgeat bemerkt, Tambourmajpr der Gendarmerie,
getötet in der Vendée, der den Kopf der besagten Frau abgeschlagen
habe.
F: Was tat er darauf?
Er habe ihren Körper ohne
Kopf bis zur Sainte-Marie schleifen sehen; er sei durch mehrere
Straßen gelaufen, hinter dem Körper her, und am Ende der Rue
Sainte-Maruerite sei bemerkt worden, daß sich unter der restlichen
Kleidung die den Leichnam noch bedeckte, eine kleine Schwellung
abgehoben habe,due untersucht wurde; man habe eine Brieftasche
gefunden, und er sei von denen, die den Leichnam schleiften
aufgefordert worden, sie an sich zu nehmen. Er habe sie zum Ausschuß
der Sektion der Findelkinder gebracht, um den Inhalt feststellen zu
lassen; während er bei dem Ausschuß gewesen sei, habe man den
Leichnam aufgeschlitzt, und ein Individium sei zu dem Ausschuß
gekommen und habe die Eingeweide in der Hand gehabt; dieser Mensch
habe das Herz herausgerissen und es völlig aufgegessen; nachdem die
Mitglieder des Ausschusses ihm die Brieftasche meit einer Aufstellung
des Inhalts zurückgeben hätten, sei er darauf zur
Generalversammlung seiner Sektion gelaufen, wo der Präsident, den
er aber nicht kenne, sie geöffnet und die Geldstücke mit der
Aufstellung verglichen habe, worauf er sie ihm zurückgegeben habe
unter Billigung seines Verhaltens; er habe sich von da zur
Gesetzgebenden Versammlung begeben; da die Sitzung aufgehoben war,
habe er sich an der Kette an einen Saalwärter gewandt, der ihn zum
Sicherheitsausschuss zurückgeschickt habe, wo er die Aufstellung
mit der Brieftasche hinterlegte, er habe eine Quittung erhalten, die
er aber verloren habe.
F: Was er darauf getan habe.
A: Ohne sich irgendwo
aufzuhalten, habe er sich nach Hause begeben, Rue
Saint.Germain-l´Auxerrois, wo er bis zum nächsten Tag geblieben
sei..
F: Ob er bewaffnet war.
A: Er habe seine Dienstsäbel
gehabt.
F: Ob er den Resten des
Leichnams gefolgt sein.
A: Nein
F: Ob er bei irgendeinen
Schankwirt eingekehrt sei, um sich zu erfrischen.
A: Er sei bei einem
Schankwirt eingekehrt mit vier Individuen; er fürchtete, von ihnen
ermordet zu werden, da er die Brieftasche trug.
F: Ob er den Schankwirt
kenne
A: Nachdem er durch so viele
Straßen gekommen sei, erinnere er sich nicht daran, aber er glaube,
es sei im Marais gewesen.
F: Ihm vorgehalten, daß er
sich widerspreche, da er soeben erklärt habe, er sei direkt zu
seiner Sektion und von da zur Versammlung gegangen; da sein Weg über
die Rue Antoine und la Grève, habe er nicht im Marais einkehren
können.
A: Er sein von denen, die
ihn zur Hinterlegung der Brieftasche begleitet hätten verschleppt
worden; sie hätten den Wein bezahlt.
F: Ob er sich noch anderswo
aufgehalten haben.
A: Nein aber beim
Zurückkommen vom Sicherheitsausschuß, wo sie vier Huntersousscheine
als Belohnung für Ihre Ehrlichkeit erhalten hätten, seien sie in
der Rue Pretres l´Auserrois bei einem Schankwirt eingekehrt, wo
sie ihr Geld ausgaben.
F: Ihm vorgehalten, daß er
wieder die Unwahrheit sage, denn vorher habe er gesagt, er sei
fortgegangen, ohne irgendwo einzukehren.
A: Dann entsinne er sich
nicht mehr daran.
F: Ober auf seinem Weg nicht
durch die Rue Michel-le-Comte gekommen sei.
A: Er kenne Paris nicht
genügend, um sich daran zu erinnern
F: Ob er auf seinem Weg
nicht einen Bürger angetroffen habe, der auf einem Stuhl stand.
A: Ja
F: Ob er wisse, was er
gesagt habe.
A: Nein
F: Ob er in der Menge um
diesen Mann nicht einen gesehen habe, der auf seiner Pike entweder
den Kopf oder einen anderen Teil der oben Erwähnten trug.
A: Nein, aber er erinnere
sich, daß er gerade ein Glas Bier bei einem Limodandenverkäufer in
der Umgebung jenes Ortes getrunken habe; der Limonadenverkäufer
haben ihn geholt; er habe in dem erwähnten Café niemand von seiner
Bekanntschaft gefunden,außer den vier Individuen, die ihn zur
Sicherstellung der Brieftasche begleiteten.
Fortsetzung folgt
Wer wissen will, wer das
Herz von Madame Lamballe gegessen hat, erfährt in wenigen
Tagen mehr.
29. August 2012
Il ritorno d’Ulisse mit den "Le Talens Lyriques" und Christophe Rousset
Christophe Rousset
Die Opernsaison 2012/13 wird mit Claudio Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria eröffnet. Zehn Jahre lang hat der Titelheld Ulisse Troja belagert, zehn Jahre lang wurde seine Rückkehr in die Heimat durch den Zorn des Meeresgottes Nettuno verhindert. Seine Gattin Penelope hat im heimatlichen Ithaka bislang allen Freiern widerstanden. Je länger sich die Rückkehr des Gatten aber hinauszögert, umso aufdringlicher werden ihre Verehrer. Doch nachdem Ulisse endlich zurückkehren und sämtliche Nebenbuhler besiegen kann, weigert sich Penelope, in ihm den vermissten Gatten zu erkennen.
Regisseur Claus Guth setzt nach L’Orfeo mit Il ritorno d’Ulisse in patria seinen Monteverdi-Zyklus an der Wien fort, der französische Dirigent und Spezialist für Alte Musik Christophe Rousset leitet sein Ensemble Les Talens Lyriques. Der englische Bariton Garry Magee wird als Ulisse nach Jahrzehnten des Krieges und der Irrfahrt in seine Heimat zurückkehren. Delphine Galou verkörpert seine Gattin Penelope.
IL RITORNO D’ULISSE IN PATRIA
Dramma per musica in einem Prolog und drei Akten (1640)
Musik von Claudio Monteverdi
Libretto von Giacomo Badoaro,
nach den Gesängen XIII-XXIV aus der Odyssee von Homer
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Christophe Rousset
Inszenierung Claus Guth
Ausstattung Christian Schmidt
Licht Bernd Purkrabek
Video Arian Andiel
Dramaturgie Konrad Kuhn
Ulisse Garry Magee
Penelope Delphine Galou
Telemaco Pavel Kolgatin
Melanto Katija Dragojevic
Eumete Marcel Beekman
Antinoo Igor Bakan
Iro Jörg Schneider
Giove Emanuele d’Aguanno
Nettuno / Il Tempo Phillip Ens
Minerva / Amore Sabina Puértolas
Giunone / La Fortuna Cornelia Horak
L’Umana fragilità Rupert Enticknap
Neuproduktion des Theater an der Wien
Premiere: 7. September 2012
Aufführungen: 9. / 11. / 13. / 15. / 17. September 2012, 19.00 Uhr
Einführungsmatinee: Sonntag, 2. September 2012, 11.00 Uhr
26. August 2012
Casanova
Casanova wird gespielt von den
unvergesslichen Heath Ledger, der unzweifelhaft ein großes Talent
zum Komödianten hatte.
Die Handlung ist die kurze Zeitspanne
des Karneval in Venedig. Wo der Höhepunkt der Geschichte auch Ihren
Abschluss findet.
Casanova, verfolgte von der
Inquisition, kann sich nur mit Mühe seines Lebens sicher sein und es
gelingt ihn mit waghalsigen Fluchten über die Dächern von Venedig
und mit der Unterstützung des Dogen, sein Leben zu retten.
An der Seite von Heath Ledger spielt
die bezaubernde Sienna Miller, die die wahre Liebe von Casanova wird.
Der Film hat eine heitere und flotte
Handlung. Es gibt Verfolgungsjagden, ulkige Folterszenen, eine wilde
Kutschenfahrt, Duelle, eine Ballonfahrt bei Nacht, und toll
ausgestattete Szenen beim Karneval von Venedig.
Die Dialoge sind, wenn sie nicht zu
lange dauern, lustig und aber nicht immer klar verständlich.
Längere Dialoge leiden unter der
schlechten Übersetzung ins deutsch.
Wer diesen Film als DVD ausleihen, oder
kaufen sollte, bekommt ihn in drei Sprachversionen von der eine in
französischer Sprache ist.
Der Film ist unterhaltsam aber
historisch nicht korrekt und sehr weit von der Vorlage entfernt.
Aber die schauspielerische Leistung
aller Mitwirkenden ist sehr harmonisch und man kann feststellen, daß
alle beteiligten Darsteller ihren Spaß hatten.
Die alte Verfilmung von „Fellinis
Casanova“ aus den Jahre 1976 mit Donald Sutherland, ist dagegen nur
halb so unterhaltsam aber fast doppelt solange.
Donald Sutherland kommt meiner Meinung nicht in die Nähe eines Frauenhelden. Federico Fellini hatte
immer schon einen Hang zu schrägen Figuren in seinen Filmen, deshalb
empfehle ich diese Filmfassung nur ausgewählten Insidern.
12. August 2012
Nicolas Léonard
CHANSON
Jouissons,
ô ma Bergere,
De
la saison des Amours !
Ce
Soleil qui nous éclaire,
Demain
reprendra son cours ;
Mais
quand la Parque ennemie,
Tranche
le fil de nos jours,
A
tous le biens de la vie
On
dit adieu pour toujours.
Donne
à l'Amant qui t' adore,
Mille
baisers au matin,
Le
long du jour, mille encore,
Mille
encore à son déclin !
La
nuit, brouillons les dans l'ombre ;
Il
faut tant les répéter,
Qu'enfin
trompés par le nombre
Nous
ne puissions les compter.
Contre
l'amour qui nous lie,
Laissons
crier les jaloux !
Il
est beau de faire envie ;
Le
bonheur en est plus doux :
Que
le nôtre ait tant de charmes
Qu'il
irrite le désirs ;
Et
puisse en verser des larmes,
Le
censeur de nos plaisirs :
LIED
Kleine
Schäfrin, laß genießen
Uns die
Liebeszeit voll Glück!
Jene
Sonne, die uns leuchtet,
Kehrt ja
morgen neu zurück.
Aber
wenn die schlimme Parze*
Unsern
Lebensfaden kürzt,
Muß für
immer man verlassen,
Alles
was das Leben würzt.
Gib dem
heißentflammten Liebsten
Morgens
tausend Küsse schon,
Tausend
Küsse auch tagsüber,
Abends
tausend noch zum Lohn!
Tauschen
woll´n wor soe im Dunkel,
Wiederholen
sie zur Nacht,
Bis
zuletzt die Überfülle
Uns das
Zählen zwecklos macht.
Laß nur
gegen unsre Liebe
Wettern
Eifersucht und Neid,
Schön
ist´s, Mißgunst zu erwecken,
Sie
mehrt Glücks Süßigkeit.
Wäre
unsres doch so köstlich,
Daß ein
jeder es begehrt,
Tränen
möge drob vergießen
Wem
die Lust scheint tadelswert.
*die
drei Parzen (Schicksalsgöttinen) sind
Ananke,
Heimarmene
und Tyche,
Léonard (geb. 1744 gest. 1793 in Nantes) verbrachte seine Kindheit in Frankreich und trat
dann in den diplomatischen Dienst. Seine Idyllen sind von den Werken des Dichters
Salomon Gessner abhängig. Der 1772 erschienene und als Briefwechsel geschriebene
Roman „La nouvelle Clémentine“ zeigt in Form und Inhalt den Einfluß von Rousseaus
„Nouvelle Héloise“:
27. März 2012
Porzellan aus Sèvres
Service "á rubans verts" (mit grünen Bändern), Geschenk Louis XV. an Kaiserin Maria-Theresia, hergestellt 1756, in der königl. Porzellanmanufaktur Vincennes-Sèvres
Große Schüssel und Becher für Schloss Rambouillet, hergestellt 1787 in der königl. Porzellanmanufaktur Sèvres
Tassen mit Teller im etruskischen Stil, hergestellt 1788 in der königl. Porzellanmanufaktur Sèvres
25. März 2012
Jean Fouquet und die Madonna von Melun
Das oben gezeigte Diptychon war ursprünglich in der Kollegiatskirche zu Notre Dame in Melun ausgestellt.
Es wurde ungefähr im Jahre 1456 fertiggestellt und zeigt als Madonna die Mätresse von König Karl VII., Agnès Sorel die 1450 verstarb. Die Darstellung der Heiligen Mutter Gottes mit entblößter Brust, als „Maria Lactans“, war zu dieser Zeit üblich und wurde nicht als anstössig empfunden.
Die idealisierte Darstellung der Madonna entsprach dem Schönheitsideal, die Ähnlichkeit mit Agnès Sorel entsprach dem Geschmack, da die Mätresse als schönste Frau ihrer Zeit galt.
Die poetische Darstellung der Tag- und Nachtengeln um den Thron der Gottesmutter ist kaum vorher in ihrer farbigen Wirkung so eindringlich dargestellt worden.
Das linke Bild zeigt Etienne Chevalier den Auftraggeber der Gemälde und Protegeé von Agnes Sorel. Die Darstellung zu seiner Rechten ist der heilige Stephanus mit dem Attribut des Gesteinigten. Etienne Chavalier war „Trésorier“ der Krone und Agnes Sorel und ließ die Tafelbilder in Melun zu ihren Ehren erschaffen.
Auffällig ist die Unausgewogenheit der Bildkomposition die in den ungleichen Hintergründen zu sehen ist. Meiner Meinung ist das Diptychon ursprünglich als Triptychon geplant und vielleicht auch ausgeführt worden.
Die Frau von Chevalier, Cathérine Budé verstarb 1452 und die Grabstelle befand oder befindet sich in der Kirche von Melun. Mit einem rechten Flügel, der, analog dem linken, Cathérne Budé mit ihrer Heiligen, der Katharina, nach links gewendet zeigen müsste, würde sich die Gesamtkompostition zu einem harmonisch geschlossenen Kreis bilden.
Die lebensgroße Madonna von Melun ist heute im Museum der schönen Künste in Antwerpen und das Bildnis des Etienne Cheavalier in der Berliner Gemäldegalerie zu bewundern.
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