19. August 2008

Der Duft von Marie Antoinette


Welchen Duft trug die unglückliche französische Königin Marie Antoinette? Eineinhalb Jahre hat der französische Parfumeur Francis Kurkdjian mit Historikern in alten Quellen geforscht.
Ein kleines 25-Milliliter-Fläschen des limitiert hergestellten Duftes kostet stolzes 350 Euro. Der Erlös kommt einem guten Zweck zu Gute: Er soll den Kauf eines 350.000 Euro teuren Reisekoffers der 1793 hingerichteten Königin für die Versailler Sammlung finanzieren.
Das Parfum kann direkt auf der Homepage von Versailles reserviert werden

Die große Herausforderung war, dass es kein Dokument gab, in dem stand: Dies ist das Parfum, das Marie Antoinette benutzte“, sagte Kurkdjian. „Damals hatten die Leute nicht nur ein Parfum, was auch daran lag, dass es unmöglich war, einen Duft über längere Zeit zu konservieren und genauso wieder herzustellen wie zuvor.“ Er habe sich deshalb auf Beschreibungen des Geschmacks der aus Österreich stammenden Königin gestützt und dabei die Schriften des königlichen Parfumiers Jean-Louis Fargeon benutzt. „Insofern erschufen wir das Parfum wieder, das sie getragen haben könnte.“
Heraus kam ein ein Parfum aus Iris, Rosen, Jasmin, Orangenblüten mit einem Hauch Zedern- und Sandelholz
Bekannt sei, dass Marie-Antoinette Blumendüfte und insbesondere Rosen mochte, sagte Kurkdjian. „Wir haben versucht, ihre Mentalität zu verstehen, ihre stetiges Streben nach Freiheit und ihren Hang zur Romantik.“ Er habe dann zwischen ihrem Eintreffen am Königlichen Hof 1770 im Alter von 14 Jahren und ihrer Hinrichtung einen Zeitpunkt aussuchen müssen, „der unsterblich werden sollte“, sagte der Parfum-Experte. „Wir wählten Marie Antoinette als junge Mutter in ihren Jahren im Trianon“, einem Lustschloss im Park von Versailles, in das sich die Königin gerne zurückzog. „Dort erschien sie am menschlichsten, am wenigsten mit ihrem äußeren Erscheinungsbild beschäftigt.“

Schon vor dem offiziellen Verkaufsstart gab es für die insgesamt eintausend 25-Milliliter-Flakons von „MA, Sillage de la Reine“ („MA, Duftwolke der Königin“) 200 Vorbestellungen. Auch drei von zehn Sonder-Editionen mit 25 Zentilitern des Monarchinnen-Duftes sind schon an Liebhaber aus Europa, Asien und den USA vergeben.
Kurkdjian, der selbst keinen Lohn für seine Arbeit verlangte, rechtfertigt den Preis mit der Verwendung von reinen Naturstoffen, darunter allein zehn Kilogramm Iris zum Preis von 50.000 Euro. Die Schlossverwaltung versichert, es werde kein weiteres Parfum der Sorte außer den existierenden Beständen hergestellt.

14. August 2008

Franz Stephan von Lothringen an seine Kinder



Franz der I. Kaiser von Österreich, Gatte von Maria Theresia und Vater von Marie Antoinette hinterließ seinen Kinder Anweisungen wie sie sich im weiteren Leben verhalten zu haben.
Sterbend hinterließ er seinen Kindern unter den Titel:
"Weisungen für meine Kinder sowohl betreffs des geistigen als des zeitlichen Lebens“ bemerkenswerte Ratschläge, getreu den patriarchalischen Gewohnheiten des Hauses Österreich, vielleicht mehr als Privatmann, denn als Souverän, mehr als Familienoberhaupt, denn als Reichsoberhaupt

Sowohl Maria Theresia als auch Joseph II. haben sich bemüßigt gefühlt Ihren Geschwistern oder Kindern und insbesondere Marie Antoinette schriftliche Anweisungen auf den weiteren Lebensweg mitzugeben.

Die nachstehenden Verhaltensregeln des Vaters sind auszugsweise widergegeben und zeigen wie wichtig Franz Stephan von Lothringen die Zukunft seiner Kinder war.

„Um Euch noch nach meinem Tode zu zeigen, dass ich Euch während meines Lebens liebte, hinterlasse ich Euch diese Weisung als Richtschnur, nach der Ihr Euch zu verhalten, und als Grundsätze, bei denen ich stets wohl befunden haben.
Dann ermahnt er sie, vor allem der katholischen Religion aufrichtig zugetan und Gott treu zu bleiben:
„ der allein außer dem ewigen Heil, welches das einzige Glück ist, eine wahre Befriedigung auf dieser Welt verschaffen kann.“
„Es ist ein wesentlicher Punkt, den ich Euch nicht genug bei allen Gelegenheiten empfehle kann, Euch nie von dem, was Euch schlecht scheint, einnehmen zu lassen, oder zu suchen, es unschuldig zu finden.“

…“ Die Welt, in Ihr Euer Leben zu bringen müsst, hat nur Vorübergehendes, da nur die Ewigkeit ohne Ende ist; darum soll diese Erwägung verhindern, ihr allzu sehr anzuhängen. Da aber Gott selbst die Unterhaltung erlaubt hat und ebenso, dass wir alles genießen, was seine Güte Zahloses uns liefert zur Belustigung unserer Sinne, so sollen wir es gemäß seiner Erlaubnis genießen.“

…“In Unschuld sollen wir die Vergnügungen des Lebens genießen. Denn sobald sie uns zu Bösen, von was immer für eine Art es sein mag, führen können, hören sie auf, Vergnügungen zu sein und werden zu einer Quelle von Kummer und Gewissenbissen.

Wir sind nicht auf dieser Welt, um uns bloß zu unterhalten, und Gott hat uns diese Belustigung nur zur Abspannung des Geistes gegeben.“

… „Wenn man befehlen soll, darf man es nie tun, ohne vorher genau über das, was man
befiehlt, und über die Gründe für und wider im Reinen zu sein, und dann soll man es mit Milde tun … Man darf an nichts eine besondere Anhänglichkeit haben und vor allen keinerlei Leidenschaft besitzen und sich nie einer solchen hingeben, denn alle machen uns unglücklich.“Nachdem er seine Kindern „Zurückhaltung und Schweigsamkeit, sehr notwendige Eigenschaften,“ den „es frommt nicht, alles zu sagen, was man denkt“, und Liebe zu den Armen, die „ ein gutes Werk vor Gott ist und bei der Welt beliebt macht,“ empfohlen, fügt er bei:
Die Sorgen eines Herrschers müssen hauptsächlich darauf gerichtet sein, seine Untertanen nicht zu überlasten, um einen zum Unterhalt und zur Ruhe derselben Untertanen oder zur Erhaltung und zum Wohle seiner Staaten nicht notwenigen Aufwand zu machen …“
„Doch damit soll ich nicht sagen, dass man nicht dem Stande gemäß leben soll, in den uns Gott gesetzt hat, und in welchem wir nach seinem Willen angemessen leben sollen; indes beides lässt sich sehr leicht vereinigen.“
… „Ich halte es für nötig, Euch ebenso sehr zu empfehlen, den Müßiggang stets zu meiden. Auch die Gesellschaften, die man besucht, sind ein heikler Gegenstand; den oft verwickeln sie uns wider Willen in Dinge, in die wir ohne sie nicht geraten wären; darum muss man auch in dieser Beziehung auf seiner Hut sein, besonders Persönlichkeiten, wie Ihr, meine Kinder, die oft von einer Menge Leute umgeben sind, die nur ihren Geschmack zu schmeicheln und sie dorthin zu bringen suchen, wohin ihrer Meinung nach ihre Neigungen gehen, um ihnen dann den zu Hof zu machen und sich in Ansehen und Gunst zu setzten, ohne auf das Seelenheil oder die Welt zu achten, wenn sie nur dadurch Gunst oder Geld gewinnen.“

… „Die Freundschaft ist eine Versüßung des Leben; nur muß man achtgeben, mit wem man sich befreundet, und mit der Freundschaft nicht allzu verschwenderisch sein; denn nicht jedermann macht guten Gebrauch davon, und oft finden sich falsche Freunde, die das ihnen geschenkte Vertrauen nur zu missbrauchen suchen, sei es zu ihrem eigenen Vorteil, sei es zu einem anderen Zwecke, und uns dadurch großen Schaden verursachen; darum empfehle ich Euch, meine lieben Kinder, Euch mit Eurer Freundschaft und dem Vertrauen zu jemanden nicht zu überstürzen, dessen Ihr nicht ganz sicher seid, und zwar seit langem; denn die Leute dieser Welt wissen lange zu heucheln.

Nachdem er seine Kindern Ordnung, weise Sparsamkeit, Abscheu vor hohem Spiele, Eintracht unter einander und unverletzliche Anhänglichkeit an den Chef ihres Hauses empfohlen, setzte er folgende, ernste Worte bei:

„Ich empfehle euch, alle Jahre Euch zwei Tage zu wählen, um Euch auf den Tod vorzubereiten, als ob Ihr sicher wäret, daß dies die letzten zwei Tage Eures Lebens seien. Dadurch werdet Ihr Euch gewöhnen, zu erfahren, was Ihr in einem solchen Falle zu thun haben werdet, und wenn Euer letzter Augenblick kommt, werdet Ihr nicht so überrascht sein und werdet wissen was Ihr zu tun habt … Ihr werdet den Nutzen dessen durch, die Übung erkennen, und die Sache ist von unendlichen Werte, ohne irgendwelchen Schaden zu machen; man tut nur Kaltblütig das, was vielleicht Krankheit und Zeitmangel uns zu tun hindern würden.
„Hier befehle ich Euch,“ so schließt er „zweimal jährlich diese Weisungen zu lesen, die von einem Vater verrühren, der Euch über alles liebte und es für nötig gehalten, Euch diesen Beweis seiner zärtlichen Freundschaft zu hinterlassen, die ihr ihm nicht besser bezeigen könnt, als wenn Ihr alle einander mit der gleichen Zärtlichkeit liebet, die er Euch allen zurücklässt“



12. August 2008

Karl X. und Madame Royale in Kirchberg am Walde

Im Schloß Kirchberg befinden sich Erinnerungsstücke von Frankreichs letztem Borbounenkönig Karl X. der hier kurzfristig seinen Wohnsitz hatte. Auch Madame Royale, Herzogin Angoulême Tochter von Marie Antoinette hatte hier im Sommer ihr Domizil. Im Winter wurde Görz im heutigen Slowenien bevorzugt. In Görz befindet sich auch die Familiengruft einiger französicher Borbounen die nach der Revolution im Exil leben mussten.
Das Schloß Kirchberg liegt ist in einer abgelegenen Ecke von Österreich und war vor 200 Jahren noch abgeschiedener als heut zu tage. Scherzhaft wurde es auch Kirchberg in der Wildnis genannt.Trotzdem mussten die französichen Emigranten sich hier recht wohl gefühlt haben den sie waren regelmäßgi zu Gast im Schloß Kirchberg.
Kirchberg am Walde im nördlichen Niederösterreich ist eine mächtige drei- bis viergeschossige Anlage mit zwei vorspringenden Ecktürmen. Haupttrakt mit klassizistischer Fassade, Steinbalustern und Putti. Der große Hof wird vom Hauptgebäude, dem Wirtschaftshof dem Schüttgasten gebildet. In der Schlosskapelle sowie ein Kuppelfresko von Johann Schmidt. Im 12. Jhdt wird Rudolf von Kirchberg genannt; Kirchberg war später im Besitz der Kuenringer, der Hohenfeld und der Kollonitsch.
Im Besitz der Herzogin Angoulême war das Schloß Katzeldsorf ab 1845.

19. Juli 2008

Kouchner bedauert die Hinrichtung Marie Antoinette


Besser spät als nie, hat sich offenbar der französische Außenminister Bernard Kouchner gedacht: In Wien entschuldigte er sich für die Hinrichtung der gebürtigen Österreicherin Marie Antoinette vor 215 Jahren. Die Gemahlin König Ludwigs XVI. hat bei der Französischen Revolution ihren Kopf verloren.
Die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik hatte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz bei Kouchner für die Gründung der Mittelmeerunion in Paris bedankt – auch wenn dort vor 215 Jahren „eine gewisse Österreicherin", nämlich Erzherzogin Marie Antoinette aus dem Adelshaus Habsburg Lothringen, enthauptet worden sei, wie sie schmunzelnd hinzufügte. Heute seien die bilateralen Beziehung natürlich viel besser.
„Es tut mir leid", sagte Kouchner. Er bedaure den Tod der Österreicherin. Aber damals sei eben die Zeit der französischen Revolution gewesen.
Und nach dem Tod der Gemahlin Ludwigs XVI. habe sich schließlich ganz Europa von dieser Revolution „inspirieren lassen", sagte der Außenminister. Marie-Antoinette war am 16. Oktober 1793 auf der Guillotine hingerichtet worden.

zitiert aus den aol Nachrichten

weitere Pressemeldungen:
Wiener Zeitung
Welt Online

28. Juni 2008

Hermann Moritz von Sachsen - Le Maréchal de saxe


Der Nächste im Reigen der Edelvasallen von Louis XV. ist Moritz von Sachsen, ein Sohn von August dem Starken. Als begnadeter Kriegsherr war er im Dienste des französischen Königs von 1720 bis 1748. Nationalismus war zu dieser Zeit noch unbekannt und Franzosen schlossen den Deutschen Moritz von Sachsen und seine deutschen Truppen und später seine Volontaires de Saxe in ihr Herz.
Sein Handwerk, das er mit einer Begabung und Akribie betrieb, lernte er bei Prinz Eugen von Savoyen der in Österreich so wie Moritz von Sachsen in Frankreich noch heute wie Helden verehrt werden.

Moritz von Sachen bescherte den Franzosen, die zu dieser Zeit als nicht besonders kriegstüchtig galten, durch geniale Kriegsführung einen Sieg nach dem anderen. Er blieb während seiner ganzen Dienstzeit unbesiegt und war vom Französischen Volk, seinen Truppen und dem König angesehen und respektiert.
Die Haustruppe und Leibgarde von Moritz von Sachen waren die berüchtigten Volontaires de Saxe eine bunt zusammen gewürfelte Reitertruppe aus aller Herren Länder zu seiner persönlichen Verfügung.
König Louis XV. stellte ihm das Schloss Chambord auf Lebenszeit zur Verfügung auf das er sich 1748 nach dem Frieden von Aachen zurückzog.


Eine kurze Anekdote aus seinem Leben zusammengefasst aus einen Brief der Madame Pompadour:

Da die Französischen Truppen sehr trinkfreudig und gerne Schlachtlieder bis in tiefe Nacht sangen, kam es immer wieder vor und insbesondere vor wichtigen Schlachten, dass mit viel Wein und Gesang Stimmung gemacht wurde. Daher waren die Regimenter kurz vor den Schlachten noch recht angeheitert und nicht voll einsatzfähig.

Da die Französischen Truppen, die zum großen Teil aus jungen Adeligen bestanden, für die ein ehrvoller Heldentod sozusagen zum Geschäft gehörte, drohte Ihnen Moritz von Sachsen damit, jeden Trunkenbold beim nächsten Gefecht in den Schützengräben zurückzulassen.
Die Drohung nicht mit den Freunden den Heldentod sterben zu dürfen, oder womöglich vom Feind hinter der Gefechtslinie als Feigling aufgefunden zu werden, genügte vollauf um alle Franzosen stocknüchtern zu halten.
Zumindest bis zum nächsten Gefecht.

Da aus deutscher Sicht, wenig Literatur vorhanden ist, habe ich die Wikibiographie in den Titellink eingefügt.

20. Juni 2008

Eugénie de Montijo



Eugénie de Montijo, gebürtige Spaniern und Gattin von Napoleon III., die letzte Monarchin Frankreichs, war eine grosse Verehrerin von Marie Antoinette und hatte eine stolze Sammlung von Erinnerungsstücken. Eine umfassende Wikibiographie ist dem Titelblog beigefügt.

Die nachstehende Anekdote ist aus Ihrer Biographie die "Memoiren der Kaiserin Eugenie" entnommen


Auf den offiziellen Reisen kamen manchmal ganz amüsante Zwischenfälle vor. Man hat mir ein Geschichte erzählt, von der ich aber nicht mehr weiß, wo sie sich zutrug. Der Kaiser hatte genehmigt, daß der Zug an einer kleinen Station halten sollte, wo kein programmmäßiger Aufenthalt vorgesehen war. Der Kaiserin hatte man nichts von diesem gänderten Plan gesagt, und sie befand sich daher nicht in geeigneter Toilette, um sich der jubelnden Menge zu zeigen.
Inzwischen tat der Kaiser sein Äußerstes, um deren Neugier zu befriedigen, schüttelte den Nächststehenden durchs Fenster des Abteils die Hände und begriff nicht, weshalb seine Gemahlin nicht erschien, zumal da man andauernd "Es lebe die Kaiserin!" rief und nach ihr verlangte, während sie ruhig hinter zugezogenen Vorhang saß und sich die Zurufe anhörte. Schließlich wurde eins von den weißgekleideten Mädchen, die sich auf dem Bahnhof eingefunden hatten, um besonders die Kaiserin zu begrüßen, von ihrer Mutter in den Wagen gehoben und ging, von General Fleury geführt, ganz tapfer auf sie zu. Dann rief sie mit schüchterner, aber heller Stimme "Pardon, Madame, ich heiße Eliacin!" Eugenie konnte sich nicht enthalten, über diesen drolligen Auftritt zu lachen, küßte das kleine Ding, nahm den von ihr dargebotenen Strauß an, warf auf ihren Reisemantel ab und stellte sich ggrößten Freude der hochrufenden Menge neben den Kaiser ans Fenster. Die Kaiserin dachte noch oft an diese Szene, und wenn sie auf solchen Reisen wieder einmal Feuerwehrleute zu begrüßen oder weißgekleidete Mädchen zu küssen hatte, wendete sie sich zuweilen zu ihrem getreuen Fleury und flüsterte ihm zu
"Ich heiße Eliacin!"

17. Juni 2008

François-Joachim de Bernis - Kardinal, Botschafter und Lebemann



Heute stelle ich euch die schillernde Biographie des Kardinal de Bernis vor.
Kardinal de Bernis bildet den Anfang eines Reigen von Persönlichkeiten die im Umfeld von Louis XV. herausragende Karrieren hingelegt haben.
Ludwig XV. hatte die Bestellung seiner Vertrauten sehr umsichtig gestaltet und unabhängig ihres Standes Augenmerk auf starke Charaktere, charismatische Ausstrahlung und Hingabe zur Aufgabe gelegt.


Der folgende Artikel ist von Alipius, ungekürzt aus dem lesenswerten Google blog:
Rom Römer am römsten ,wiedergegeben.


Ich weiß auch nicht, warum die zwiespältigen Biographien es mir häufig so angetan haben. Jedenfalls stand und steht Francois Joachim de Pierre Kardinal de Bernis ganz oben auf meiner Liste der historischen Persönlichkeiten, bei denen ich gerne mal Mäuschen gespielt hätte.

Gründe dafür sind die Aufs und Abs in seinem Leben, die unzähligen Anekdoten, die sich um ihn ranken, seine zugleich dreiste und doch irgendwie sympathische Bombasterei als französischer Botschafter beim Heiligen Stuhl und vor allem auch seine späte aber ehrliche Konversion zu einem Leben in Gottvertrauen und Stille.

Man stelle sich das mal vor: Da wird ein Bub im Jahre 1715 in eine traditionsreiche aber verarmte französische Adelsfamilie hineingeboren und zum geistlichen Stande bestimmt. Als ob das automatisch einen Parade-Priester hervorbringt. Ganz und gar nicht: Für den jungen Francois bedeutete der Titel "Abbé" erst einmal nichts weiter, als das Tragen einer Tonsur und schwarzer Kleidung. Auf der To-Do-Liste des komplett weltich orientierten Herrn standen ganz andere Dinge: Ein Entfliehen aus der für einen Mann seiner Herkunft unwürdigen Mittellosigkeit und das Erlangen eines Namens, der mit der Bedeutung der Familie konform geht. Das Projekt lief eher schleppend an. Zwar wurde De Bernis Mitglied in zwei Domkapiteln und aufgrund seiner schriftstellerischen (besonders dichterischen) Fähigkeiten gar Mitglied der Academie Francaise. Aber die Vita des Abbé kam erst richtig in Fahrt, als er Bekanntschaft mit der künftigen Madame Pompadour machte. Die zwei mischten für einige Jahre den französischen Hof ein wenig auf. Wenn die Folgen der Pompadourerei für Versailles auch verheerend waren, bedeuteten diese Jahre für De Bernis immerhin ein hübsches Einkommen, einer hübsche Pension und endlich den hübschen Posten des Französischen Gesandten in Venedig (1752-1755).

Hier wird der Abbé zum ersten Mal für ein breiteres Publikum erfaßbar: Der "größte Liebhaber aller Zeiten", Giacomo Girolamo Casanova de Seingalt, macht in seiner Biographie ein wenig Platz für De Bernis. Dies so spektakulär, daß der gute Kardinal der Nachwelt zum größten Teil als "der Pfaffe, mit dem Casanova ein Schnittchen teilte" in Erinnerung ist. Keine Ahnung, wie doll der Abbé es damals wirklich trieb. Es scheint, als war sein Interesse an der berühmt-berüchtigten Nonne "M.M." (wie auch später in Rom im Falle der Prinzessin Santa Croce) eher erotischer als sexueller Art. Ob De Bernis nun ein Hansdampf in allen Betten, ein verunsicherter Voyeur oder nur ein händchenhaltender Romantiker war: Ich lasse den ersten Stein mal liegen.

Für die Geschichtsschreibung greifbar wird der Abbé dann wieder in Frankreich. Sein Venedig-Auftritt wurde als ziemlich erfolgreich eingestuft und brachte ihm das Wohlwollen der französischen Krone und des Papstes ein. Hier ist (zumindest für mich, der ich kein Historiker sondern nur plumper Konsument diverser De Bernis-Biographien bin) ertsmals ein Hauch von Konversion spürbar. Wahrscheinlich erkannte der Abbé, daß eine Zukunft im Talar eine nicht uninteressante Option ist. Immerhin empfing er noch vor der Rückkehr nach Frankreich vom venezianischen Patriarchen die Weihe zum Subdiakon.

In Frankreich wartete die Beförderung zum Außenminister (1756), ein Job, der leider alles andere als glücklich verlief: Am Ende des Siebenjährigen Krieges war es De Bernis, dem der geballte Zorn des Hofes galt. Berechtigt ist dies nur zum Teil, denn die Weichen für die neue Politik wurden bereits von seinem Vorgänger gestellt und die französischen Generäle, die im Siebenjährigen Krieg kämpften, waren überwiegend Pompadour-Kreaturen und daher Looser in flotten Uniformen. Da aber der Abbé beim Aufstieg der Pompadour mitspielte, muß er sich schon den ein oder anderen Vorwurf gefallen lassen. Naja, jedenfalls wurde er vom König erst einmal vom Hof in die Abtei Vic-sur-Aisne verbannt. Normalerweise war dies für einen aufstrebenden aristokratischen Court Lizard der soziale Tod. Für De Bernis war es genau die Pause, die er brauchte.

Er schrieb, grübelte, betete, ließ sich zum Diakon und Priester weihen und wurde Vegetarier (aus Gesundheitsgründen). Der Papst war schließlich der Erste, der sich an die Verdienste des Abbé erinnerte. Er machte ihn im Jahre 1758 zum Kardinal. Der französische Hof zog dann auch nach. Der Groll Ludwigs des Fünfzehnten verflog und De Bernis wurde im Jahre 1764 Erzbischof von Albi. Hier bestach er durch ein reges Interesse an den Geschehnissen in seiner Diözese. Ich habe zwar all meine Biogrphien daheim im Stift, aber ich erinnere mich gut an eine englischsprachige Vita, in welcher der Kardinal als eine "scheinbar an allen Orten zugleich auftauchende Feuersäule" beschrieben wird. Auch nutzte er seine Jahre in Albi, um schon mal ein wenig für den Höhepunkt in Rom zu proben: Er motzte die erzbischöfliche Residenz und die dazugehörigen Gärten auf, hielt aber zugleich auch ein Auge auf die Bedürfnisse seiner Schäfchen: Als die Diözese von schweren Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht wurde, entleerte De Bernis nicht nur seine Privatschatulle, sondern nahm auch noch Kredit auf, um zu helfen. Sprich: De Bernis erwarb sich einen anständigen Ruf, der ihm sicherlich dabei behilflich war, den Gipfel zu erklimmen: Im Jahr 1769 wurde er zum Französischen Botschafter in Rom ernannt. Mit diesem Titel waren nicht nur Ansehen und Ehren, sondern auch ein beachtlicher Haufen Extra-Kohle verbunden, so daß De Bernis, als er einmal in Rom eingetroffen war, praktisch über Nacht vom wohlhabenden Mann zum Millionär wurde.






Es steht geschrieben, daß der Kardinal in Rom die erstaunlichste diplomatischte Niederlassung der Geschichte aufbaute. Das mag stimmen oder auch nicht. Fest steht, daß er in der Tat weder Kosten noch Mühen scheute, als Botschafter Frankreichs die Liebe zu seinem Land und zu seinem König in allen Aspekten auch äußerlich zum Tragen zu bringen. Auf dem Corso wurde der riesige Palazzo de Carolis bezogen (Bild links; heute Hauptniederlassung der Banca di Roma) und ziemlich erlesen ausgestattet. Ein Heer von Angestellten und Mitarbeitern wurde eingestellt. Das Botschafteramt verbunden mit der Kardinalswürde führte dazu, daß, wenn De Bernis mit seiner Entourage in offizieller Funktion sich vom Palazzo de Carolis zum Vatikan begab, sein Treck von bis zu 14 (vierzehn) Karossen ein Umleiten des Verkehrs in Halb-Rom erforderte.

Unter den Angestellten des Botschafters ist sicherlich der Koch besonders hervorzuheben. De Bernis war ein geselliger Kerl und bewirtete an einem normalen Tag durchschnittlich 20 Gäste an der Abendtafel. Daß diese Gäste mehr wollten als Curry-Combi und Pommes-Schranke, ist klar. Und sie bekamen mehr. Noch in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, fünf Jahrzehnte nach dem Tod des Botschafters, wurde von seiner Küche mit ehrfürchtigem Ton gesprochen, so als umwehte sie ein Hauch von Heiligkeit. Das Nobel-Futter war nicht nur Selbstzweck. Immerhin trug der Botschafter mit seiner Tafelrunde seinen Teil dazu bei, daß die europäischen Mächte sich in Form ihrer Gesandten im Palazzo de Carolis zwanglos begegnen konnten und somit eine gewisse Harmonie aufrecht erhielten.

Es gibt eine nette Anekdote über den Koch des Kardinals: Dieser wurde eines Tages beauftragt, einen besonderen Fisch (habe leider vergessen, welchen) in größtmöglicher Ausführung zu kaufen. Er fand das Gewünschte auf einem Markt und wollte schon zulangen, als der Koch des spanischen Botschafters auftauchte und ebenfalls Interesse bekundete. Nach einem kurzen "Ich bin der Koch des Botschafters von Frankreich!" - "Und wenn schon! Ich bin der Koch des Botschafters von Spanien!" folgte reges Feilschen, welches ein Ende fand, als der spanische Koch eingestand, er müsse erst die Erlaubnis seines Herrn einholen, bevor er so viel Geld für einen Fisch ausgibt. Er trottete davon und De Bernis' Koch - an kein Limit gebunden - schlug zu. Die Menge der Schaulustigen, die sich mittlerweile angesammelt hatte, ließ darauf den französischen Botschafter spontan hochleben.

Und nicht nur im Palazzo wurde dick aufgetragen: Wenn es galt, ein Ereigniss wie z. B. die Geburt des Dauphin zu feiern, verwandelte De Bernis seine Kirche San Luigi dei Francesi (Bild) in ein Opernhaus voll von überdrehter Barock-Dekoration. Daneben war der Kardinal aber auch großzügig und spendabel, sei es im Großen (er finanzierte jährlich die Hochzeiten von Dutzenden von Waisenkindern) oder im Kleinen, wie diese Anekdote zeigt: Zum Inner Circle des Kardinals gehörte ein alter und einfacher französischer Abbé. Dieser Mann hatte im Laufe der Jahre eine gewisse Zuneigung zu De Bernis entwickelt, konnte aber die Gegenwart des Kardinals nie richtig genießen, da er aufgrund seiner sozialen Stellung bei Tisch immer viel zu weit vom Hausherrn entfernt saß. Eines Tages wurde De Bernis auf diese Problematik aufmerksam gemacht. Bevor man sich zum Speisen niederließ ging er zum Abbé und sagte etwa: "Ich kann Euch heute bei Tisch sicherlich nicht oft in die Augen schauen oder Eure Anwesenheit geziemend würdigen. Wenn ihr aber seht, daß ich meinen Finger auf diese Art an meinen Nasenflügel lege, dann wißt Ihr, daß ich in diesem Moment an Euch denke." Geigenklang und Vogelgezwitscher, aber so steht es geschrieben und - wie die Italiener sagen: "Se non e vero, e ben trovato!"

Ein Kardinal im Rom des 18. Jahrhunderts war quasi gesetzlich verpflichtet, eine Beziehung zu einer Dame der Gesellschaft zu pflegen und so für Klatsch und Tratsch zu sorgen. Tat er dies nicht, so sorgte er für umso mehr mehr Klatsch und Tratsch. De Bernis' Erwählte war die Prinzessin Santa Croce. Auch hier gibt es eine wilde und in neueren Publikation nicht mehr überlieferte Legende: Während der Papstwahl im Jahre 1775 war De Bernis der von den Bourbonischen Mächten auserkorene "Papstmacher". Erstens hatte er diese Rolle bereits 1769 gut ausgefüllt und zweitens hielt man ihn für unjesuitisch genug. Der Kardinal selbst hatte aber so gar keine Lust auf Kirchen- oder Europapolitik, schmachtete er doch gleich nach dem Betreten des Konklave nach seiner Prinzessin. Da seine Box am Ende einer der Reihen stand, ließ er kurzerhand ein Loch in eine Seite brechen und mit Tuch verhängen, so daß er nach Lust und Laune kommen und gehen konnte. Zwar wußte bald Jedermann und seine Mama vom Hintertürchen ins Paradies, offenen Widerspruch gab es aber wegen der Wichtigkeit des Französischen Botschafters nicht. Naja...

Jedenfalls lebte der Kardinal lange genug, um die Folgen der französischen Revolution selbst in Rom zu spüren. In der englischen Biographie gibt es einen netten Absatz. Beschrieben wird eine fiktive Situation, in welcher De Bernis im Jahr 1789 in seiner Kutsche durch Rom rollt. Eine gepuderte Perücke auf dem Haupt, sich aus einer juwelenbesetzten Schnupftabakdose bedienend, schaut er aus dem Fenster und sieht einen jungen Kerl mit langen Hosen und noch längerem braunen Haar. Und er weiß, daß dieser Mann auf eine Zukunft hindeutet, die er, der Kardinal, nicht verstehen wird.

Und - klar genug - so kam es dann auch: Da er Aristokrat und Prälat war und darüberhinaus sich im Ausland aufhielt, wurde er als Emigrant eingestuft, was dazu führte, daß sein Besitz in Frankreich geplündert, verschleudert oder zerstört wurde. De Bernis nahm es mit Schulterzucken und anständigem Humor. Dazu wollten die neuen Machthaber in Frankreich, wenn überhaupt, so sicherlich keinen Kardinal als Gesandten im Rom, so daß De Bernis nicht nur auf seine Einkünfte aus seiner Diözese und seiner Abtei sondern auch auf sein Botschafter-Gehalt verzichten mußte. So stieg er dann im Jahre 1791 den Hügel wieder hinab und sank von Überfluß in Mittellosigkeit (denn der Kardinalstitel alleine brachte schon damals nichts ein). Immerhin machte der spanische Hof eine Rente locker, so daß De Bernis nicht das gesamte Mobiliar des Palazzo de Carolis verkaufen mußte. Der schwächelnde Kirchenfürst gewährte den aus Frankreich geflohenen Tanten des Königs Unterschlupf in seinem Haus. Als dann im Jahre 1793 König Ludwig XVI ermordet wurde und der Kult der Vernunft den Katholizismus in Frankreich praktisch auslöschte, wußte De Bernis, daß die Welt, die er kannte und liebte, nicht mehr existierte. Da sah wohl auch der Kardinal nicht ein, warum er sich noch krampfhaft ans Leben klammern sollte. Noch grade rechtzeitig gedachte er der "Vanitas vanitatis" und verbrachte sein letztes Jahr in einem nun leeren, stillen und dunklen Palast damit, sich ernsthaft und fromm auf das Ende vorzubereiten. Er verstarb am 3. November 1794