9. Mai 2008

Les "briolettes" de Marie Antoinette

Aux Armes de France et de Navarre vous propose cette exceptionnelle réédition à cinq exemplaires numérotés seulement de la paire de pendants d'oreilles offerts par Louis XVI à Marie-Antoinette à l'occasion de leur accession au trône en 1774.
http://www.armesdefrance.com


Ces boucles sont demeurées dans l'Histoire sous le nom de "briolettes de Martie-Antoinette", les pendants étant constitués de deux magnifiques diamants taillées en "briolette", c'est à dire en gouttes facétées. Les boucles sont constituées de quatre pierres rondes au bas desquelles pendent les briolettes. L'arrière est constitué d'une cascade de petites pierres. Selon Germain Bapst (1887), descendant des joailliers de la Couronne, ce sont les boucles d'oreilles que Marie-Antoinette portait le plus souvent.

Rééditées d'après un dessin ancien retrouvé par nos soins, elle se portent à la manière des girandoles du XVIIIe siècle. Les "briolettes de Marie-Antoinette" ont été recréées par "Aux Armes de France et de Navarre" à taille réelle (65mm env.), dans un cristal de roche naturel d'une exceptionnelle pureté : 106 carats de pierreries par paire, serties sur argent massif.

Les cinq paires sont numérotées dans l'écrin de I à V, et sont accompagnées d'une notice historique. Témoignage émouvant et délicat, cette édition prestigieuse de haute qualité joaillière vous est proposée au prix de 499 euros TTC.

Par paire :
Poids des pierres : 106 carats
Poids d'argent : 15 gr.
Détails du Cristal de Roche :
Dureté: 7
Clarté : Transparente
Indice de Réfraction: 1,544-1,553
Densité: 2,60
Traitement: Aucun
Origine: Afrique.
Les "briolettes" de Marie Antoinette

Objets de curiosité pour les Princes et le bon peuple
S.A.R.L au capital de 5 000 euros
La Bigoterie
41400 Pontlevoy
www.armesdefrance.com

20. April 2008

Étienne de Silhouette


Von der Geschichte längst vergessen, wäre da nicht sein Name:
Étienne de Silhouette, den Ludwig XV. 1759 zum Finanzminister ernannte


Um neue Steuern und eine vorübergehende Finanzkrise abzuwenden, schlug Etienne de Silhouette seinem König ein denkbar einfaches Konzept vor. Sparen und nichts als sparen, so lautete seine Devise. Doch mit dieser Politik scheiterte Silhouette und macht sich darüber hinaus zum Gespött der Leute. Man gab ihm den Spitznamen „banqueroutier“. Schließlich nach acht Monaten im Amt, gab er auf und zog sich auf seinen Landsitz zurück.
Sein Sparprogramm aber lebte in der Phantasie des Volkes fort: Alles was den Anschein von Kargheit oder Knauserigkeit erweckte, versah man mit der Wendung „á la silhouette“. Pariser Schneider machten sich gar den Spaß, Kittel ohne Falten und Jacken Taschen zu entwerfen (Geld, um es hineinzustecken, gab es ja nicht), die sie „Habits á la Silhouette“ nannten. Da lag es nahe auch die in Mode gekommene und besonders billige Technik des Porträts, den Schattenriss, als „Silhouette“ zu bezeichnen. Überdies war das Ausschneiden und Zeichnen von Schattenbildern eine große Leidenschaft des so kläglich Gescheiterten. Die Bezeichnung Silhouette setzte sich dann allgemein durch, auch über Frankreichs Grenzen hinaus, und 1835 erkannte sie die Acadámie francaise offiziell an. Bis heute steht sie für die Versinnbildlichung des Schattens.
Anders als der Scherenschnitt, bei dem das Profil – vorgezeichnet oder nicht – direkt aus dem Papier geschnitten wird, entsteht die Silhouette, indem ein auf die Wand oder auf Papier geworfener Schatten umrissen und dann mit Pinsel oder Tusche schwarz ausgefüllt wird. Erst dann kann geschnitten werden.
Europa befand sich vor der Erfindung der Fotographie in einem wahren Silhouettenrausch: Jeder europäische Fürstenhof, der auch sich hielt, beschäftigte einen begabten Silhouettenschneider, Kaufleute und Beamte klebten die Silhouetten ihrer Familie in obligatorische Album, Fischhändlerinnen trugen das Schattenbild des Geliebten in Scheingold gefasst an ihren Armbändern, und zeitweise verliehen die Frauen in Paris ihrem Gesicht Pikanterie, indem sie fliegengroße Silhouetten aus Samt als Schönheitspflästerchen benutzten. Aber auch auf Glas oder Porzellan fand man die beliebten Silhouettenmotive.
Doch wäre die Silhouette keine Kunst des 18. Jahrhunderts ohne das notwendige Quäntchen Wissenschaftlichkeit. Hierfür sorgte vor allem die von dem Schweizer Theologen Johann Kaspar Lavatar propagierte Physiognomie, nach der der Charakter eines Menschen an der äußeren Erscheinung zu erkennen sei. So stand für Lavater zweifelsohne fest, keine Kunst an die Wahrheit eines gut gemachten Schattenrisses“ reiche.
Goethe, selbst ein berühmter Silhouettist, schrieb 1791: „Jedermann war im Silhouettieren geübt und kein Fremder zog vorüber, den man nicht abends an die Wand geworfen hätte, der Storchenschnabel durfte nicht rasten.“ Der Storchenschnabel war ein Pantograph der bereits 1603 von dem Jesuiten Christoph Scheiner erfunden worden war und mit dessen Hilfe der Schattenriss beliebig verkleinert werden konnte, Ähnlich funktionierte der 1786 erfundene Physiontrace von Gilles Louis Chrétien, mittels dessen die verkleinerten Profile auf Papier, Stuckkarton oder Elfenbein aufgetragen werden konnten.
Während immer neue Silhouettierapparate erfunden wurden, machte Nicéphore Niepce 1822seine erste fotografische Aufnahme. Eine neue Kunst war geboren, die die Natur noch schneller, noch billiger und – wie es schien – noch wahrheitsgetreuer abbildete. Die Silhouettenkunst war endgültig ins Reich der Schatten verbannt.







Entnommen der Zeitschrift - „Damals“ von Anja Röhrich

18. April 2008

Brillat-Savarin der Botschafter des guten Geschmack



Während der Adel auf dem Kontinent bereit war, sein Leben zu lassen, damit die Ideen der Französischen Revolution sein behagliches Salonleben nicht noch weiter erschütterten, war Englands Hocharistokratie bereit, für einen Salat zu sterben oder nicht mehr bereit bloß Öl und Essig an ihr rohes Gemüse zu lassen.
Chevalier D`Albinac, ein junger französischer Adeliger, der im englischen Exil lebte, war eines Tages in einem feinen Londoner Restaurant von einem Dandy der englischen Hocharistokratie angesprochen worden: „Pardon, Herr Franzose! Es heißt, Ihre Nation macht den besten Salat der Welt. Würden Sie uns das Vergnügen machen, sich einmal des unsrigen anzunehmen?“ D´Albinac machte der Tischgesellschaft das Vergnügen und legte damit gleichzeitig den Grundstein für eine beispiellose Karriere als „fashionable saladmaker“, wie man ihn bald nannte.
Seine Meisterschaft sprach in den feinen Kreisen herum und d´Albinac wusste, was er seiner Klientel schuldig war:
Er fuhr mit einem Vierspanner von Lunch zu Dinner, stets gefolgt von einem Diener, der ihm Ebenholzkästchen die unentbehrlichen Ingredienzien reichte: Essig, Öl, Kaviar, Anchovis, Trüffel oder Eigelb für die Mayonnaise. Dieses Salat-Necessaire, von d´Albignac erdacht, ging bald in die serienmäßige Produktion und machte seinen Erfinder zum reichen Mann.
Solche Anekdoten finden sich in der „Physiologie des Geschmacks“ von Jean Anthelme Brillant-Savarin (1755 – 1826). Der Jurist trug viele Tischanekdoten zusammen: Gelehrige, geistvolle, oft nur amüsante, dabei stets den Esprit des 18. Jahrhunderts versprühend, weshalb das Werk, die „Bibel“ der Feinschmecker, noch immer gerne gelesen und zitiert wird. Sein gastronomischer Nebenbuhler Grimond de la Reynière urteilte: „Es ist ohne Widerrede das beste Buch, das seit vielen Jahren erschienen ist, und würde von Rechts wegen dem Autor die Türe zur Akademie öffnen, wenn diese sich für die Leute von überlegenem Genie überhaupt auftäte.“
Bei allem Lob wird oft übersehen, dass Brillat-Savarin nicht als feinschmeckerischer Feingeist in die Geschichte eingehen wollte, sondern als Professor der Gastronomie. Den das Ziel seiner 30 Jahre währenden Arbeit an der „Physiologie“ war , auf heitere Art, fernab von Regeln die vorab festgeschrieben sind, den guten Geschmack zu beschreiben, den dieser ist keine Frage der Betrachtung, der eigenen Befindlichkeit und nicht der Mode unterworfen, sondern einmalig und unvergänglich.
In den Zusammenhang der Ästhetisierung des Essen gehört auch die Unterscheidung zwischen der „direkten und robusten Empfindung“ der Esslust und den Tafelfreuden: „Esslust haben wir mit den Tieren gemeinsam“, den sie „braucht Hunger, mindestens Appetit“. Die Tafelfreude hingegen „ist von beiden meistens unabhängig“.
Im Ruhm seines Werkes konnte Brillat sich nicht mehr sonnen: Als er 1826, zwei Monate nach dem Erscheinen seines Buches an einer Gedächnismesse zu Ehren Ludwig XIV. teilnahm, zog er sich eine Lungenentzündung zu, der er wenige Tage später erlag. Grimond de la Reynière bemerkte über diesen unspektakulären Tod: „So schnell zu sterben, wenn es wenigstens noch an einer Unverdaulichkeit gewesen wäre!"

Eine Wiki-Biographie findest Du im Titellink

13. April 2008

Die Schlacht bei Dürnkrut



Der Untergang König Ottokars.
Teil 2


Ottokar ist mit seine Truppen fast doppelt so stark wie Rudolf mit seinen 300 Steirern, Elsässern und Schwaben, die ihnen entgegenstehen. Die einen, den Sieg knapp vor Augen, hauen und stechen mit furchtbarer Wucht, die anderen wissen, daß alles verloren ist, wenn sie jetzt nicht standhalten, wehren sich vebissen und mit dem Mut der Verzweiflung. Sind die Lanzen alle gebrochen und ist kein Knappe mehr da, um eine neue zu reichen, dann greifen sie zum Schwert und hauen drein, so gut sie eben können, und manch einer, dem auch das Schwert aus der Hand geschlagen oder zerbrochen ist, verteidigt sie sich mit dem Misencord*.
König Rudolf ist mitten unter den Seinen. Trotz seiner 60 Jahre scheut er nicht die Gefahr und kämpft wie ein gewöhnlicher Ritter. Mitten im Schlachtgetümmel erkennt ihn einer von seinen Gegner. Es heißt, Ottokar habe einen Mann gedungen, um den Habsburger zu töten. Der Unbekannte drängt sich durch das Gewühl der Kämpfer in Rudolfs Nähe und beginnt auf ihn einzuschlagen. Der König, ein erfahrerener Streiter, ein „miles emeritus“*, wehrt sich efolgreich, sein Pferd aber wird durch einen Lanzenstich tödlich getroffen. Kopfüber fällt er aus dem Sattel mitten hinein in den Weidenbach, von dort kann er sich aus eigener Kraft nicht mehr erheben, die schwere Rüstung drückt in nieder. Mit dem Schild deckt sich der Verunglückte, so gut er eben vermag, gegen die Hiebe des Angreifers und die Hufe der Schlachtrosse, die über ihn hinweggaloppieren, Verzweifelter hätte seine Lage nicht sein können: Sein Heer in höchster Bedrängnis, er selber in akuter Gefahr, entweder erschlagen oder zu Tode getrampelt zu werden. Wieder hängt sein Schicksal an dem sprichwörtlichen seidenen Faden, und wieder hat er auch das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen. Walter von Ramswag, ein Ritter aus dem Thurgau, sieht den König wehrlos im Bach liegen. Er kämpft sich zu ihm durch, und es gelingt ihm, ihn aus dem Kampfgetümmel zu zerren und auf ein frisches, ausgeruhtes Pferd zu setzten, mit dem er sich alsbald wieder am Kampf beteiligt. Dem Ramswager wird der König diese Heldentat nie vergessen und stets des jungen Riters in Dankbarkeit gedenken.
Rudolf mit eigenen Worten:
„uns uf hub uss dem bache, da wir nidergeschlagen lagent, da mit er uns des lebens gehalf ..“
Die Schlacht jedoch ist durch diese Helden Stück des Thurgauischen Ritters längst nicht gewonnen, Immer noch kämpfen Rudolf und seine Mannen verzweifelt gegen die feindliche Übermacht an. Doch Ottokar zögert und wirft sein drittes Treffen nicht in die Schlacht. Die Polen und Schlesier kommen den deutschen Gästen nicht zu Hilfe, die allmählich müde werden vom stundenlangen Fechten in Staub und Sonnenglut.
Und nun bricht aus den Hügeln des Hochfeldes der lange Ulrich von Kapellen hervor, den Rudolf in weiser Voraussicht, als Verstärkung bereitgestellt hat. 60 verdeckte Rosse und wohl der die vierfache Zahl an Leichtbewaffneten, eine verhältnismäßig kleine Schar nur, aber frisch und ausgeruht. Wie es ihnen Rudolf befohlen hat, stellen sie sich nicht zum frontalen Kampf, sondern fallen Ottokars Ritter in die rechte Flanke und richten unter ihnen furchtbare Verwirrung an. Die Angegriffenen sind gewohnt, mit dem Gegener Auge in Auge zu kämpfen, nicht hinterrücks überfallen zu werden. Durch die schmalen Sehschlitze ihrer unförmigen Topfhelme haben sie nur ein äußerst beschränktes Gesichtsfeld nach vorne und können so nicht erkennen, wie schwach diese letzten Reserven Rudolfs sind, die ihre Attacke, das muß man zugeben, mit unerhörtem Elan und Bravour reiten. „Wie ein Tuch mit einer Schere“ spalten sich Ottokars Reihen, die alsbald in Panik geraten ob des neuen, unvermuteten Gegners, den sie nicht sehen können, wenn er sie hinterrücks anfällt. Da hört man inmitten der Schmerzensschreie von Mensch und Kreatur eienn Ruf, der auch das Kampfgebrüll und das Geklirre der Schwerter zu übertönen vermag: „Sie fliehen, sie fliehen“ Rudolfs Gefolgsleute stoßen ihn aus, als sie sehen, daß einige der „deutschen Gäste“ ihre Schlachtrosse wenden und in RichtungNorden sprengen, gegen Jedenspeigen zu.
„Sie fliehen, sie fliehen!“ Der Ruf pflanzt sich fort über das anze Schlachtfeld, und war er anfangs vielleicht nur als Kriegslist gedacht, so ist er jetzt rauche, blutige Wirklichkeit.
Ottokars Reihen lösen sich auf, in wilder Flucht stürmen sie nach Norden, dem Lager zu, wie eine gealtige Flutwelle, die alles mit sich fortspült. Sie begegenen den polen und Schlesiern aus dem dritten Treffen, frische, ausgeruhten Truppen, auch Böhmen unter dem grimmigen Milota, ehmals Landeshauptmann der Steiermark, sollen dabeigewesen sein. Sie schließen sich den Flüchtenden an, anstatt zu kämpfen, werden wohl auch hineingerissen in diesen gealtigen Strudel von Tod und Verderben. Nordostwärts streben sie, denn im Nordwesten wissen sie die Kumanen und baut sich zudem der steile Goldberg als Hindernis auf. Schon gellt ihnen das Geschrei der Verfolger in den Ohren, Vielleicht können sie sich jenseits der March in Sicherheit bringen, der Fluß führt ja nicht allzuviel Wasser um diese Jahreszeit, Doch ihre Pferde , müde und verwundet, sind dieser gewaltigen Strapaz nicht mehr gewachsen. Sie brechen ein, werfen ihre Reiter ab, die in ihren schweren Rüstungen wie Steine im Wasser versinken. Angeblich zu Tausenden ertrinken sie, „wie die Ägypter im Roten Meer“, ein bibelfester Chronist hat diesen anschaulichen Vegleich gewagt. Die March färbt sich rot vom Blut der Gefallenen und Verwundeten.
König Ottokar ist gefallen, sein Leichnam entkleidet und geschunden von den Mördern achtlos liegen gelassen, zogen sie ihn aus bis auf das letzte Hemd. Nackt und entstellt lag de Tote auf der bloßen Erde, umringt von gaffenden Schaulustigen, verspottet und verhöhnt von denen, die einst auf Knien vor ihm gekrochen waren.
In der Morgenfrühe des nächsten Tages führte man Ottokars Leichnam vom Schottenkloster zu den Minoriten. Stumm schritt die Wiener Geistlichkeit hinter der Bahre einher, ein düsterer, schweigender Zug ohne Glockengeläut und feierliche Gesänge, denn man geleitete die sterbliche Hülle eines Gebannten. Im Kreuzgang der Minoriten wurde der Tote öffentlich zur Schau gestellt. Niemand sollte je behaupten können, er sei gar nicht tot und werde später einmal wieder kehren, so wie es das Volk von Kaiser Friedrich glaubte, dem Staufer, der im fernen Apulien Anno Domini 1250 gestorben war.
Aus heutiger Sicht betrachtet war die Schlacht bei Dürnkrut die größte kontinentale Ritterschlacht aller Zeiten.

*Misencord - langes, dolchartiges Messer abgeleitet vom lateinischen Wort „misericordia“, Erbarmen, Mitleid,
miles emeritus* - altgedienter Ritter

Entnommen der Biographie Rudolf I. von Johann Franzl

Vor dem Wiener Stephansdom bittet der junge Wenzel, Rudolf von Habsburg um den Leichnam seines Vaters Przemysel Ottokar

12. April 2008

Rudolf I. gegen Ottokar II.


Die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen. Teil 1:

Rudolf I. von Habsburg, ein erfahrener Kriegsführer, gelang es am morgen des 26. August 1278 den Böhmenkönig Ottokar den II. zur Schlacht zu stellen.



Früh bei Sonnenaufgang, werden die Kämpfer in Rudolfs Lager geweckt. Der Bischof von Basel, ein Intimus* von Rudolf I., liest die Messe und predigt in schlichten, ergreifenden Worten, um verzagte Gemüter aufzurichten. Viele empfangen die Kommunion, die im Mittelalter nur an Menschen ausgeteilt wurde, die sich in Todesgefahr befanden. Der König spendet weltlichen Trost: An einer Reihe junger Edelknappen vollzieht in dieser feierlich-ernsten Stunde das Reichsoberhaupt die Zeremonie der Schwertleite. Sie werden in den Ritterstand aufgenommen, was ihnen im Falle der Gefangennahme bessere Behandlung verheißt.
Dann ist es Zeit für die Schlachtordnung. Im ersten Treffen machen sich die Ungarn bereit, umschwärmt von ihren kumanischen Hilfstruppen. Im zweiten Treffen sieht man die Österreicher, keilförmig aufgestellt. In der Mitte des Dreiecks der alte Haslauer, der wohl schon 80 Jahre zählt, er führt das Banner „mit dem weißen Strich“, die ehrwürdige rotweißrote Fahne Österreichs. Dahinter, im dritten Treffen, mit Rudolf, weht das weisse Kreuz im roten Feld, die Sturmfahne des Reiches, mit fester Hand geführt vom Burggrafen Friedrich von Nürnberg, um den sich Steirer, Schwaben und Franken scharen. Die Kämpfer Rudolfs tragen ein Kreuz als Erkennungszeichen, rot oder weiß. Die Farbe ist nicht einheitlich. „Rom, Rom“ und „Christus, Christus“ soll das Feldgeschrei sein. Der König inspiziert noch ein letztes Mals seine Truppen um sich dann ins dritte Treffen zu begeben wo sich seine besten Kämpfer befinden.
Er sei in großer Sorge gewesen um sich und die Seinen, weiß der Chronist von Colmar, Ottokar hingegen seines Sieges sicher.
Um neun Uhr morgens eröffnet Rudolf von Habsburg den Kampf. Sein erstes Treffen reitet an. Es sind die Ungarn und Kumanen, sie haben die Ehre des Vorstreites ausbedungen, Ihr König ist nicht bei ihnen, er erschien mit seinen 18 Jahren Rudolf noch zu jung, um mitzukämpfen. Um den jungen Ungarnkönig Ladislaus versammelte sich Geistlichkeit, die betend und singend das Kampfgeschehen aus sicherer Entfernung verfolgte. Nur Bischof Heinrich von Basel reitet in prächtiger Rüstung hoch zu Roß einher, für Kleinmütige spendet er Trost, die Mutigen feuert er an, und hätte es ihm seine geistliche Würde und des Königs Sorge um den unentbehrlichen Freund nicht verwehrt, er hätte selbst zum Schwert gegriffen.
So bleibt ihm nur übrig, das alte Marienlied anzustimmen, das alle kennen und in das sie alsbald begeistert einfallen:
"Sankta Maria, Mutter und Magd, all unsere Not sei Dir geklagt.“
Inzwischen sind die Ungarn an Dürnkrut vorbei ins Kruterfeld hinabgestürmt, gefasst erwartet dort Ottokar erstes Treffen auf Ihren Angriff . Es sind die böhmischen und mährischen Ritter. Bewußt hat sie Ottokar in dieses Treffen gestellt, und die Deutschen ins zweite, er sucht eine frühe Entscheidung, sein drittes Treffen, bestehend aus polnischen und schlesischen Kontingenten, gilt als weniger Kampfkräftig. „Hospodine pomilu ny“, „Herr erbarme Dich unser“ singen die Böhmen und Mährer, eine ernste, den gregorianischen Chorälen ähnelnde Melodie, die bald übetönt wird vom wilden Gebrüll der Kumanen und dann wohl gänzlich erstirbt unter dem Pfeilhagel aus den Reflexbögen, der auf die Ritter niedergeht, ohne daß sie sich wehren können. „Praga, Praga“ ertönt nun ihr Schlachtruf, und trotz ihrer in dem Pfeilgewitter erlittenen Verluste stellen sie sichden den Ungarn zum Kampf, die anfangs arg in Bedrängnis kommen: Palatin Matthäus stürzt vom Pferd und entgeht nur knapp dem Tod. Die magyarischen Adeligen mögen schwächer gerüstet sein, ihre Waffen aber verstehen sie vortrefflich zu führen, so, als hätten sie allesamt in Frankreich fechten gelernt, wie ein Kenner dieser Kunst, der Reimchronist, anerkennend urteilt. Die Böhmen und Mährer jedenfalls sind diesen brillanten Fechtkünsten nicht gewachsen, sie wenden sich zur Flucht nach Nordwesten gegen Zistersorf zu, die Magyaren und Kumanen hinterdrein im Rausche des Sieges. Sie denken nur noch ans Beutemachen, auf dem Schlachtfeld spielen sie vorerst keine Rolle mehr.
Jetzt wirft Ottokar sein zweites Treffen in die Schlacht, die Elite, auf die er seine größte Hoffnung gründet, die „deutschen Gäste“. Auf ihren schweren Rossen, die Lanzen drohend nach vorn gerichtet, stürmen sie den Österreichern entgegen, die tapfer den Kampf mit dieser furchterregenden Übermacht aufnehmen,
Nun erst beginnt das eigentliche, die Schlacht der schwergerüsteten Ritter. Wie auf dem Turnierplatz reiten sie aufeinander zu in langer Reihe, aus heisereren Kehlen ihre Schlachtrufe brüllend, die ihnen Mut machen sollen für ihr gefahrvolles, blutiges Handwerk. Der Zusammenprall ist fürchterlich: Lanzen splittern, Pferde und Menschen stürzen, das Gewieher der erschreckten Tiere mischt sich mit den Schmerzensschreien der Verwundeten. Die Österreicher, mögen sie auch tapfer fechten, können nicht lange standhalten, zu gering ist ihre Zahl, zu groß sind ihre Verluste. Sie fliehen nicht, aber sie werden zurückgedrängt auf das dritte Treffen, das daher früher, allzu früh, in den Kampf eingreifen muß. Fest hält der Burggraf von Nürnberg, das Banner des Reiches in der Faust, denn geht es um die Entscheidung. Wankt auch Rudolfs drittes Treffen und dem Ansturm der Feinde, ist die Schlacht für ihn verloren. Erbittert muß diese Ringen gewesen sein, Deutsche schlagen auf Deutsche, Schwaben auf Bayern, Bayern auf Elsässer, Elsässer auf Thüringer. Sie schenken einander nichts, Nicht einen Augenblick verschwenden Ottokars deutsche Gäste an den Gedanken, daß sie gegen den König jenes Reiches fechten, dem sie selber angehören, sie kennen kein Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit. Dem König von Böhmen haben sie Treue geschworen, und diese Treue werden sie halten, und sie wollen siegen. Daß es das Reichsoberhaupt ist, das sie in arge Bedrängnis, sogar in Lebensgefahr bringen ist ihnen gleichgültig.



Fortsetzung folgt

Intimus* enger Freund, Vertrauter