11. Mai 2008

200 ans de musique à Versailles




Mehr und bessere Musik vom Französischen Hof, kompakt in einer kleinen CD-box gesammelt ist nicht zu finden.
Bei dem Amazon Marketplace-Händler azurclassic.de habe ich die Box um 57,90 zuzüglich 6 Euro Transportkosten, direkt aus Paris erhalten

Ich habe euch eine Inhaltsbeschreibung des

Duc de Berry aus dem letzten wahren Marie Antoinette Forum beigefügt:
zum Originallink



Die Ausführenden gehören zur absoluten Creme der Alten Musik :

William Christie / Olivier Schneebeli / Les Folies Francaise / Ensemble Baroque de Limoges / Le Concert Spirituel / Les Agremens / La Grande Ecurie et la Chambre du Roy / Les Musiciens du Louvre u.v.a

Die Interpretationen, das Repertoire, es stimmt einfach alles – besser kann man es kaum machen – diese 20 CD’s zeigen in vorbildlicher Weise was für ein großartige Musikerbe Frankreich besitzt und pflegt.

Diese Box ist auch für diejenigen geeignet die bisher noch kaum Berührung mit dieser Musik hatten, denn umfangreicher und in besserer Qualität wird man so etwas nicht finden, zumal für den wirklich günstigen Preis.
Die Tracklisten und Booklet-Texte sind auf einer zusätzlichen CD als PDF Dateien abgespeichert.
Es gibt noch einen zusätzlichen Text mit etwas Bildmaterial, der Einblicke in die Geschichte der Musik am schönsten Hof Europas gibt.
Allerdings alles in französischer Sprache.


Hier die 20 CD’s im Überblick. Die CD’s sind thematisch geordnet und die Papphüllen ziert das entsprechende Portrait des Königs, an dessen Hof die Musik gespielt wurde:


CD 1: Louis XIII „Les Salons Précieux du premier Baroque"

Hier werden « Airs de Cour » von Anthoine Boesset und Lautenstücke meisterhaft von Monique Zanetti (Sopran) und Claire Antonini (Laute) vorgetragen.
Boesset war unter Louis XIII derjenige der in Sachen Musik zu sagen hatte.


CD 2: Louis XIII „Musiques de Cour au Temps de Louis XIII“

Eine ganze Sammlung von mehrstimmigen Liedern von Boesset, Richard, de Chancy, Moulinie, Lambert und Laquemant werden hier angestimmt.
Dazu gibt es noch Cembalowerke von J. Champion de Chambonnières und einiges anderes.

Ein tolles Programm, dargeboten vom „Il Seminario Musicale“ mir Gerard Lesne


CD 3: Louis XIV „Lully, Créateur de l’Opéra Francaise"

Auf dieser CD werden Auszüge aus zwei Hauptwerken Lullys, dem wichtigsten Komponisten am Hofe vorgestellt :
Isis (1677) und Amadis (1684)

Die Auszüge sind meisterhaft, allein die Airs des Combattans mit den schmetternden Trompeten aus Amadis lassen den Pomp des Sonnenkönigs zumindest akustisch wieder auferstehen. Lange bevorzugte ich die alte Aufnahme von R. Leppard, kein anderes Ensemble konnte dieser Einspielung das Wasser reichen. Aber Schneebeli hat diesen Fanfaren den Galnz mit alten Instrumenten verliehen, den sie verdienen.

Der Chor ist einfach fabelhaft – und die Chor-Chaconne aus Amadis könnte kein würdigere Abschluss dieser CD sein, meiner Meinung nach ist diese fast 15 minütige Chaconne die absolute Krönung aller Chaconnen und Passacaillen.

Die Ausführenden:

Veronique Géns / Les Pages et les Chantres du CMBV / Musica Florea / Schneebeli


CD 4 : Louis XIV « Lully et ses Successeurs à l’Académie Royale de Musique"

Hier werden die Lully Nachfolger an der königlichen Oper vorgestellt.
André Cardinal Destouches mit „Callirhoé"

Pascal Colasse mit « Achille et Polixène"

Jean Baptiste Lully mit "Persée"

Marain Marais mit seiner Chaconne aus "Sémélée"

Und Marc Antoine Charpentier mit seiner "Médée“
Es spielt das Concert Spirituel unter Hervé Niquet.

Für mich ist diese CD der Schwachpunkt der Box, denn die Interpretation Niquets stehe ich nicht gerade wohlwollend gegenüber.
Bestes Beispiel: aus Charpentiers Médée spielt er u.a. auch den Triumphmarsch aus dem Divertissement des ersten Aktes – die Paucken & Trompeten (die in der Partitur ausdrücklich angegeben sind) hört man überhaupt nicht und das Stück verkommt zu reinem Gedudel.
(Man vergleiche das mal mit den Airs von Lully die Schneebeli auf CD 3 eingespielt hat!

Tut mir leid, aber Niquet sollte sich einem anderen Metier widmen.

CD 5 Louis XIV „Concerts et Symphonies pour le Roi“

Hier werden 2 der 4 Concerts Royaux von Couperin von den « Folies Francoises » dargeboten, in wirklich wunderbarer Art und Weise.

Den zweiten Teil bilden die „Simphonies pour les Soupers du Roi“

Eine Suite von Delalande mit Stücken aus dem „Ballet Royal de la Jeunesse“ und den „Folies de Cardenio“
Diese Suite ist übrigens nicht in der Gesamteinspielung der Simphonie du Marais enthalten, da die beiden Ballette erst später in die Sammlung aufgenommen wurden.
Die Simphonie du Marais, wählte für ihre Gesamteinspielung die Sammlung von 1713.

Die zweite Suite stammt von Lullys ältestem Sohn und trägt den Titel:
„Concert donne au souper du Roi“ und ist eine wahre Rarität !

Gespielt werden die zwei wunderschönen Orchestersuiten von der « Musica Florea » unter der Leitung von Marek Strynel.

CD 6 Louis XIV „Le Triomphe de la Piété Baroque »

Hier geht es recht intim zu.
Das Troisième Lecon de Tenebres von F. Couperin, die wohl berühmteste Vertonung des frz. Barock wird hier von „Les Arts Florissants“ unter Christie zum besten gegeben.
Dieses Werk wurde allerdings in dieser Einspielung schon bei Erato mit den 2 anderen Lecons veröffentlicht.
Es ist jedenfalls sehr schön interpretiert, aber erreicht nicht ganz diese erschütternde Dramatik die Savall auf dem Album „Tous les Matins du Monde“ vorgelegt hat.

Dann werden Werke von Marc Antoine Charpentier vorgestellt, die „Litanies de la Vierge“ H. 83 und das Miserere H. 193

Es singt und spielt das Ensemble Jacques Moderne.

Jordi Savall hat diese Werke einmal beschrieben und darauf aufmerksam gemacht, wann und in welchem Kontext sie entstanden sind.
Die Regierung Louis XIV neigte sich ihrem Ende, Frankreich war ausgeblutet aufgrund der vielen Kriege und wenn man sich diese Zeit der allgemeinen Not vor Augen führt bekommen diese Werke eine ganz andere Bedeutung, sie sind in ihrer Art erschütternd.

Die Interpretation ist wunderbar – anders kann man es nicht sagen.


CD 7 „La Chapelle Royale au Temps de Louis XIV“

Das Collegium Vocale und das Ricercar Consort interpretieren zwei wunderschöne Motetten von Henri Dumont: Exultat animus und das Magnificat.

Schneebeli uns seine Musiker des CMBV sind mit DER Grand Motet schlechthin vertreten, dem „Miserere“ von Lully, das ja auch schon auf CD veröffentlicht wurde.

Den Abschluss bildet die Motette „De Profundis“ von Henri Desmarest, interpretiert vom Concert Spirituel unter Niquet.

Eine schön gemachte CD, die einen repräsentativen Einblick in die geistliche Musik am Hof von Versailles vermittelt, wie sie jeden Tag für den König gegeben wurde.


CD 8 Louis XIV „Messe et Motets pour les Paroisses“

Charpentier eröffnet die CD mit seiner "Messe des Morts à quatre voix“

Interpretiert vom Collegium Vocale und dem Ricercar Consort unter der Leitung von Philippe Pierlot.

Es folgt die festliche Motette „In Convertendo“ von Sebastien de Brossard.
Die Einspielung mit dem Ensemble Baroque de Limoges ist vor einigen Jahren schon bei Astrée erschienen.

Den Abschluss bildet eine der „Grands Motets Lorraines“ von Desmarest, eingespielt von William Christie und Les Arts Florissants.
Auch dieses Werk wurde früher schon auf CD veröffentlicht, bei Erato

Die Interpretationen sind auch hier wieder ganz phantastisch.


CD 9 Louis XV „Rameau à l’Académie Royal de Musique"

Da Lully eine eigene CD gewidmet wurde, muss man Rameau natürlich auch eine CD widmen. Und es wird auch gleich eines der Hauptwerke Rameaus vorgestellt, seine erste Tragèdie Lyrique, die er im Alter von 50 Jahren auf die Bühne brachte:

„Hippolyte et Aricie“

die Auszüge sind der Gesamteinspielung der Musiciens du Louvre unter Minkowski entnommen. Die Sänger sprechen auch schon für sich:
Jean Paul Fouchécourt, Veronique Géns, Bernarda Fink und Laurent Naouri.

Das Ensemble Talens Lyriques unter Rousset kommt ebenfalls zum Zug. Sie spielen Auszüge aus „Les Fêtes d’Hébée“ „Zoroastre“ und ebenfalls „Hippolyte & Aricie“

Eine sehr schöne CD, die Rameau absolut würdig ist.

CD 10 Louis XV „Divertissement pour le bien-aimé"

Auf der CD 10 ist eine « Petit Opera » ein Gemeinschaftswerk von Francois Francoeur, dem letzten Surintendanten der königlichen Musik unter Louis XV und Francois Rebel, dem Sohn des berühmten Jean Féry Rebel, aufgenommen worden:

Zélyndor, roi des Scythes

Die Interpretation ist absolut vorbildlich.
Die Abschluss Chaconne findet sich auch in der Sammlung „Musiques pour les Tables Royales du Festin Royal en 1773“ wieder, die von Louis XVI so sorgsam aufgehoben wurde.

CD 11 Louis XV "Divertissement pour le Théâtre des Petits – Appartements"

Hier wird ein Werk von Francois Colin de Blamont, dem Surintendanten der Musik des Königs unter Louis XV vorgetragen. Das Divertissement „Egine“, in einem Prolog und 2 Akten, das de Blamont für die Petits Appartements der Madame de Pompadour schrieb.
Madame de Pompadour sang recht häufig die Hauptrollen in diesen Privatstücken für Louis XV.

Beide Werke, Zerlyndor und Egine sind wirklich sehr schön interpretiert und Ersteinspielungen!

CD 12 Louis XV „Au Concert Spirituel“

Hier werden zwei Motetten vorgestellt, die bei Erato schon auf CD erschienen sind.

Die Grand Motet „Dominus Regnavit“ von Jean Joseph Cassanea de Mondonville
Und die Grand Motet « In Convrtendo » von Jean Philippe Rameau.

Die Einspielungen machte William Christie mit seinem Ensemble Les Arts Florissants – was soll man dazu noch sagen ? Einfach traumhafte Aufnahmen.

CD 13 Louis XV „La Chapelle Royale au Temps de Louis XV“

Diese CD bietet wieder ausschließlich unveröffentlichte Aufnahmen.
André Campra: Confitebor tibi domine

Jean Joseph Cassanéa de Mondonville: Nisi Dominus

Die beiden Motetten werden von dem Ensemble « Le Parnasse Français » gespielt.
Alles sehr schön gelungen.
Dazu gibt es Orgelwerke von Balbastre, Corette und Daquin, gespielt (auf der Schlosskirchen Orgel von Versailles) von Oliier Latry.

CD 14 Louis XV „La Renaissance de l’Orchestre Francaise“

Hier werden Instrumentalwerke von Delalande und Mondonville vorgestellt.

Auszüge aus dem Ballet Les Folies de Cardenio, meisterhaft gespielt vom Ensemble Baroque de Limoges. Diese Einspielung ist allerdings auch „vollständig“ auf CD erhältlich und von Mondonville zwei der Sonades en Simphonies die Minkowski mit den Musiciens du Louvre für Archiv eingespielt hat.

Beides wunderbare Aufnahmen.

CD 15 Louis XVI „Les Italiens à la Cour de France"

Die grandiose Capella della Pieta de Turchini spielt Auszüge aus Sacchinis Oper "Œdipe à Colone” und Didon, sowie Didone abbandonata von Piccinni.
Roberta Invernizzi singt ihre Koloraturarien mit gekonnter Leichtigkeit.

Beide Komponisten sollten unbedingt mehr Beachtung bekommen!

CD 16 Louis XVI „L’Opera Francais aux Portes du Romantisme“

Und schon wieder ein Spitzen - Ensemble das hier vertreten ist, Les Agremens unter Guy van Waas begleiten den Sänger Pierre Yves Pruot, der teils phänomenale Arien von Kreutzer, Monsigny, Lesueur und Philidor singt.
Das Ensemble spielt aber auch Instrumentalwerke, die Ouvertüre zu Sacchinis Dardanus und eine Ballettsuite zu Gossecs Sabinus.

Abgeschlossen wird die CD mit Werken von Grétry, welche von Isabelle Poulenard und dem Ensembles „Les Palladins“ ebenfalls in erstklassiger Weise interpretiert werden.


CD 17 Louis XVI « L’Essor de la Symphonie Francaise »

Hier werden vom Ensemble « Le Cercle de l’Harmonie » Sinfonien von Gossec, Le Duc und Rigel gespielt.
Von Gossec erklingt die schon vom Concerto Köln eingespielte Siymphonie concertante du Ballet Mirza (also das Allegro)

Von Le Duc wurde die Sinfonie in D-Dur ausgesucht und von Henri Joseph Rigel, die wunderbare Sinfonie in d-moll.


CD 18 Louis XVI „Les Premieres Heures du Pianoforte“

Ich hatte ja schon mal angemerkt, dass ich diese CD für überflüssig halte, die Prélude von Balbastre ist offensichtlich für das Cembalo geschrieben worden und Einspielungen der a-moll Sonate von Mozart und seinen frz. Variationen gibt es auch genug.

Und trotzdem, so gut wie Staier die Werke spielt habe ich sie noch nie gehört – ganz große Klasse!


CD 19 Louis XVI « Les Salons de Versailles au Temps des Lumières »

Kammermusik vom Feinsten, ausgeführt von einem mir bisher unbekannten Ensemble, dem „Quatuor Cambini“ das natürlich auf alten Instrumenten spielt. Verstärkt wird das Quartett durch Alexis Kosseko (Traversflöte).
So werden Quartette für Flöte von Devienne und Boccherini und reine Streichquartette von Cambini und Vachon gespielt.
Eine ganz hervorragende Darbietung, auf diesem Sektor ist bisher sehr wenig einem größeren Kreis bekannt, das sollte sich schnellstens ändern !

CD 20 Louis XVI « Les Nouveaux Accents de la Foi au Temps de Louis XVI »

Geistliche Musik am Hofe Louis XVI, schon das allein ist eine Rarität, wenn sie dann noch so wunderbar interpretiert wird ist das ein doppeltes Vergnügen.
Es erklingen zwei Grands Motets, die bei K617 schon auf CD veröffentlicht wurden:
Gossec: Terribilis est
Giroust: Benedic anima mea

Choeur de Chambre de Namur / Les Agremens / Malgoire

Dann das « Oratorium » La Sortie d’Egypte von Henri-Joseph Rigel, das ebenfalls bei K617 schon veröffentlicht wurde und wirklich wunderbar gemacht ist.

Les Pages et les Chantres du CMBV / Les Folies Francoises / Schneebeli

Den Abschluss bilden 3 Orgelstücke, die wieder von Olivier Latry an der großen Orgel der Schlosskirche von Versailles gespielt wurden:
Noel suisses von Nicolas Séjan
Morceau pour les Flutes von Guillaume Lasceaux
Und als letztes Stück « La Marche des Marseillois et air ca ira » in der Version von Balbastre.



Fazit :

Besser geht es kaum, 20 CD’s mit Spitzenaufnahmen, die Creme der frz. Ensembles sind hier vertreten. Es werden einige der schönsten Stücke der frz. Barockmusik zumindest in Auszügen vorgestellt.
Diese Box ist nicht nur wegen des Preises ca. 50 – 60 Euro ein wahres Highlight, der Inhalt ist einfach der helle Wahnsinn. Ich bin davon mehr als begeistert und kann nur jedem raten – zuschlagen !!!

Denn hier wird wirklich ein wahres Feuerwerk aufgefahren. Das ganze musikalische Repertoire von etwa 1610 – 1790 wird abgedeckt, in fabelhaften Interpretationen, alle großen Komponisten sind vertreten, ein Haufen bisher nie eingespielter Werke, einfach nur grandios!

Alles im Allem – das Beste !

9. Mai 2008

Les "briolettes" de Marie Antoinette

Aux Armes de France et de Navarre vous propose cette exceptionnelle réédition à cinq exemplaires numérotés seulement de la paire de pendants d'oreilles offerts par Louis XVI à Marie-Antoinette à l'occasion de leur accession au trône en 1774.
http://www.armesdefrance.com


Ces boucles sont demeurées dans l'Histoire sous le nom de "briolettes de Martie-Antoinette", les pendants étant constitués de deux magnifiques diamants taillées en "briolette", c'est à dire en gouttes facétées. Les boucles sont constituées de quatre pierres rondes au bas desquelles pendent les briolettes. L'arrière est constitué d'une cascade de petites pierres. Selon Germain Bapst (1887), descendant des joailliers de la Couronne, ce sont les boucles d'oreilles que Marie-Antoinette portait le plus souvent.

Rééditées d'après un dessin ancien retrouvé par nos soins, elle se portent à la manière des girandoles du XVIIIe siècle. Les "briolettes de Marie-Antoinette" ont été recréées par "Aux Armes de France et de Navarre" à taille réelle (65mm env.), dans un cristal de roche naturel d'une exceptionnelle pureté : 106 carats de pierreries par paire, serties sur argent massif.

Les cinq paires sont numérotées dans l'écrin de I à V, et sont accompagnées d'une notice historique. Témoignage émouvant et délicat, cette édition prestigieuse de haute qualité joaillière vous est proposée au prix de 499 euros TTC.

Par paire :
Poids des pierres : 106 carats
Poids d'argent : 15 gr.
Détails du Cristal de Roche :
Dureté: 7
Clarté : Transparente
Indice de Réfraction: 1,544-1,553
Densité: 2,60
Traitement: Aucun
Origine: Afrique.
Les "briolettes" de Marie Antoinette

Objets de curiosité pour les Princes et le bon peuple
S.A.R.L au capital de 5 000 euros
La Bigoterie
41400 Pontlevoy
www.armesdefrance.com

20. April 2008

Étienne de Silhouette


Von der Geschichte längst vergessen, wäre da nicht sein Name:
Étienne de Silhouette, den Ludwig XV. 1759 zum Finanzminister ernannte


Um neue Steuern und eine vorübergehende Finanzkrise abzuwenden, schlug Etienne de Silhouette seinem König ein denkbar einfaches Konzept vor. Sparen und nichts als sparen, so lautete seine Devise. Doch mit dieser Politik scheiterte Silhouette und macht sich darüber hinaus zum Gespött der Leute. Man gab ihm den Spitznamen „banqueroutier“. Schließlich nach acht Monaten im Amt, gab er auf und zog sich auf seinen Landsitz zurück.
Sein Sparprogramm aber lebte in der Phantasie des Volkes fort: Alles was den Anschein von Kargheit oder Knauserigkeit erweckte, versah man mit der Wendung „á la silhouette“. Pariser Schneider machten sich gar den Spaß, Kittel ohne Falten und Jacken Taschen zu entwerfen (Geld, um es hineinzustecken, gab es ja nicht), die sie „Habits á la Silhouette“ nannten. Da lag es nahe auch die in Mode gekommene und besonders billige Technik des Porträts, den Schattenriss, als „Silhouette“ zu bezeichnen. Überdies war das Ausschneiden und Zeichnen von Schattenbildern eine große Leidenschaft des so kläglich Gescheiterten. Die Bezeichnung Silhouette setzte sich dann allgemein durch, auch über Frankreichs Grenzen hinaus, und 1835 erkannte sie die Acadámie francaise offiziell an. Bis heute steht sie für die Versinnbildlichung des Schattens.
Anders als der Scherenschnitt, bei dem das Profil – vorgezeichnet oder nicht – direkt aus dem Papier geschnitten wird, entsteht die Silhouette, indem ein auf die Wand oder auf Papier geworfener Schatten umrissen und dann mit Pinsel oder Tusche schwarz ausgefüllt wird. Erst dann kann geschnitten werden.
Europa befand sich vor der Erfindung der Fotographie in einem wahren Silhouettenrausch: Jeder europäische Fürstenhof, der auch sich hielt, beschäftigte einen begabten Silhouettenschneider, Kaufleute und Beamte klebten die Silhouetten ihrer Familie in obligatorische Album, Fischhändlerinnen trugen das Schattenbild des Geliebten in Scheingold gefasst an ihren Armbändern, und zeitweise verliehen die Frauen in Paris ihrem Gesicht Pikanterie, indem sie fliegengroße Silhouetten aus Samt als Schönheitspflästerchen benutzten. Aber auch auf Glas oder Porzellan fand man die beliebten Silhouettenmotive.
Doch wäre die Silhouette keine Kunst des 18. Jahrhunderts ohne das notwendige Quäntchen Wissenschaftlichkeit. Hierfür sorgte vor allem die von dem Schweizer Theologen Johann Kaspar Lavatar propagierte Physiognomie, nach der der Charakter eines Menschen an der äußeren Erscheinung zu erkennen sei. So stand für Lavater zweifelsohne fest, keine Kunst an die Wahrheit eines gut gemachten Schattenrisses“ reiche.
Goethe, selbst ein berühmter Silhouettist, schrieb 1791: „Jedermann war im Silhouettieren geübt und kein Fremder zog vorüber, den man nicht abends an die Wand geworfen hätte, der Storchenschnabel durfte nicht rasten.“ Der Storchenschnabel war ein Pantograph der bereits 1603 von dem Jesuiten Christoph Scheiner erfunden worden war und mit dessen Hilfe der Schattenriss beliebig verkleinert werden konnte, Ähnlich funktionierte der 1786 erfundene Physiontrace von Gilles Louis Chrétien, mittels dessen die verkleinerten Profile auf Papier, Stuckkarton oder Elfenbein aufgetragen werden konnten.
Während immer neue Silhouettierapparate erfunden wurden, machte Nicéphore Niepce 1822seine erste fotografische Aufnahme. Eine neue Kunst war geboren, die die Natur noch schneller, noch billiger und – wie es schien – noch wahrheitsgetreuer abbildete. Die Silhouettenkunst war endgültig ins Reich der Schatten verbannt.







Entnommen der Zeitschrift - „Damals“ von Anja Röhrich

18. April 2008

Brillat-Savarin der Botschafter des guten Geschmack



Während der Adel auf dem Kontinent bereit war, sein Leben zu lassen, damit die Ideen der Französischen Revolution sein behagliches Salonleben nicht noch weiter erschütterten, war Englands Hocharistokratie bereit, für einen Salat zu sterben oder nicht mehr bereit bloß Öl und Essig an ihr rohes Gemüse zu lassen.
Chevalier D`Albinac, ein junger französischer Adeliger, der im englischen Exil lebte, war eines Tages in einem feinen Londoner Restaurant von einem Dandy der englischen Hocharistokratie angesprochen worden: „Pardon, Herr Franzose! Es heißt, Ihre Nation macht den besten Salat der Welt. Würden Sie uns das Vergnügen machen, sich einmal des unsrigen anzunehmen?“ D´Albinac machte der Tischgesellschaft das Vergnügen und legte damit gleichzeitig den Grundstein für eine beispiellose Karriere als „fashionable saladmaker“, wie man ihn bald nannte.
Seine Meisterschaft sprach in den feinen Kreisen herum und d´Albinac wusste, was er seiner Klientel schuldig war:
Er fuhr mit einem Vierspanner von Lunch zu Dinner, stets gefolgt von einem Diener, der ihm Ebenholzkästchen die unentbehrlichen Ingredienzien reichte: Essig, Öl, Kaviar, Anchovis, Trüffel oder Eigelb für die Mayonnaise. Dieses Salat-Necessaire, von d´Albignac erdacht, ging bald in die serienmäßige Produktion und machte seinen Erfinder zum reichen Mann.
Solche Anekdoten finden sich in der „Physiologie des Geschmacks“ von Jean Anthelme Brillant-Savarin (1755 – 1826). Der Jurist trug viele Tischanekdoten zusammen: Gelehrige, geistvolle, oft nur amüsante, dabei stets den Esprit des 18. Jahrhunderts versprühend, weshalb das Werk, die „Bibel“ der Feinschmecker, noch immer gerne gelesen und zitiert wird. Sein gastronomischer Nebenbuhler Grimond de la Reynière urteilte: „Es ist ohne Widerrede das beste Buch, das seit vielen Jahren erschienen ist, und würde von Rechts wegen dem Autor die Türe zur Akademie öffnen, wenn diese sich für die Leute von überlegenem Genie überhaupt auftäte.“
Bei allem Lob wird oft übersehen, dass Brillat-Savarin nicht als feinschmeckerischer Feingeist in die Geschichte eingehen wollte, sondern als Professor der Gastronomie. Den das Ziel seiner 30 Jahre währenden Arbeit an der „Physiologie“ war , auf heitere Art, fernab von Regeln die vorab festgeschrieben sind, den guten Geschmack zu beschreiben, den dieser ist keine Frage der Betrachtung, der eigenen Befindlichkeit und nicht der Mode unterworfen, sondern einmalig und unvergänglich.
In den Zusammenhang der Ästhetisierung des Essen gehört auch die Unterscheidung zwischen der „direkten und robusten Empfindung“ der Esslust und den Tafelfreuden: „Esslust haben wir mit den Tieren gemeinsam“, den sie „braucht Hunger, mindestens Appetit“. Die Tafelfreude hingegen „ist von beiden meistens unabhängig“.
Im Ruhm seines Werkes konnte Brillat sich nicht mehr sonnen: Als er 1826, zwei Monate nach dem Erscheinen seines Buches an einer Gedächnismesse zu Ehren Ludwig XIV. teilnahm, zog er sich eine Lungenentzündung zu, der er wenige Tage später erlag. Grimond de la Reynière bemerkte über diesen unspektakulären Tod: „So schnell zu sterben, wenn es wenigstens noch an einer Unverdaulichkeit gewesen wäre!"

Eine Wiki-Biographie findest Du im Titellink

13. April 2008

Die Schlacht bei Dürnkrut



Der Untergang König Ottokars.
Teil 2


Ottokar ist mit seine Truppen fast doppelt so stark wie Rudolf mit seinen 300 Steirern, Elsässern und Schwaben, die ihnen entgegenstehen. Die einen, den Sieg knapp vor Augen, hauen und stechen mit furchtbarer Wucht, die anderen wissen, daß alles verloren ist, wenn sie jetzt nicht standhalten, wehren sich vebissen und mit dem Mut der Verzweiflung. Sind die Lanzen alle gebrochen und ist kein Knappe mehr da, um eine neue zu reichen, dann greifen sie zum Schwert und hauen drein, so gut sie eben können, und manch einer, dem auch das Schwert aus der Hand geschlagen oder zerbrochen ist, verteidigt sie sich mit dem Misencord*.
König Rudolf ist mitten unter den Seinen. Trotz seiner 60 Jahre scheut er nicht die Gefahr und kämpft wie ein gewöhnlicher Ritter. Mitten im Schlachtgetümmel erkennt ihn einer von seinen Gegner. Es heißt, Ottokar habe einen Mann gedungen, um den Habsburger zu töten. Der Unbekannte drängt sich durch das Gewühl der Kämpfer in Rudolfs Nähe und beginnt auf ihn einzuschlagen. Der König, ein erfahrerener Streiter, ein „miles emeritus“*, wehrt sich efolgreich, sein Pferd aber wird durch einen Lanzenstich tödlich getroffen. Kopfüber fällt er aus dem Sattel mitten hinein in den Weidenbach, von dort kann er sich aus eigener Kraft nicht mehr erheben, die schwere Rüstung drückt in nieder. Mit dem Schild deckt sich der Verunglückte, so gut er eben vermag, gegen die Hiebe des Angreifers und die Hufe der Schlachtrosse, die über ihn hinweggaloppieren, Verzweifelter hätte seine Lage nicht sein können: Sein Heer in höchster Bedrängnis, er selber in akuter Gefahr, entweder erschlagen oder zu Tode getrampelt zu werden. Wieder hängt sein Schicksal an dem sprichwörtlichen seidenen Faden, und wieder hat er auch das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen. Walter von Ramswag, ein Ritter aus dem Thurgau, sieht den König wehrlos im Bach liegen. Er kämpft sich zu ihm durch, und es gelingt ihm, ihn aus dem Kampfgetümmel zu zerren und auf ein frisches, ausgeruhtes Pferd zu setzten, mit dem er sich alsbald wieder am Kampf beteiligt. Dem Ramswager wird der König diese Heldentat nie vergessen und stets des jungen Riters in Dankbarkeit gedenken.
Rudolf mit eigenen Worten:
„uns uf hub uss dem bache, da wir nidergeschlagen lagent, da mit er uns des lebens gehalf ..“
Die Schlacht jedoch ist durch diese Helden Stück des Thurgauischen Ritters längst nicht gewonnen, Immer noch kämpfen Rudolf und seine Mannen verzweifelt gegen die feindliche Übermacht an. Doch Ottokar zögert und wirft sein drittes Treffen nicht in die Schlacht. Die Polen und Schlesier kommen den deutschen Gästen nicht zu Hilfe, die allmählich müde werden vom stundenlangen Fechten in Staub und Sonnenglut.
Und nun bricht aus den Hügeln des Hochfeldes der lange Ulrich von Kapellen hervor, den Rudolf in weiser Voraussicht, als Verstärkung bereitgestellt hat. 60 verdeckte Rosse und wohl der die vierfache Zahl an Leichtbewaffneten, eine verhältnismäßig kleine Schar nur, aber frisch und ausgeruht. Wie es ihnen Rudolf befohlen hat, stellen sie sich nicht zum frontalen Kampf, sondern fallen Ottokars Ritter in die rechte Flanke und richten unter ihnen furchtbare Verwirrung an. Die Angegriffenen sind gewohnt, mit dem Gegener Auge in Auge zu kämpfen, nicht hinterrücks überfallen zu werden. Durch die schmalen Sehschlitze ihrer unförmigen Topfhelme haben sie nur ein äußerst beschränktes Gesichtsfeld nach vorne und können so nicht erkennen, wie schwach diese letzten Reserven Rudolfs sind, die ihre Attacke, das muß man zugeben, mit unerhörtem Elan und Bravour reiten. „Wie ein Tuch mit einer Schere“ spalten sich Ottokars Reihen, die alsbald in Panik geraten ob des neuen, unvermuteten Gegners, den sie nicht sehen können, wenn er sie hinterrücks anfällt. Da hört man inmitten der Schmerzensschreie von Mensch und Kreatur eienn Ruf, der auch das Kampfgebrüll und das Geklirre der Schwerter zu übertönen vermag: „Sie fliehen, sie fliehen“ Rudolfs Gefolgsleute stoßen ihn aus, als sie sehen, daß einige der „deutschen Gäste“ ihre Schlachtrosse wenden und in RichtungNorden sprengen, gegen Jedenspeigen zu.
„Sie fliehen, sie fliehen!“ Der Ruf pflanzt sich fort über das anze Schlachtfeld, und war er anfangs vielleicht nur als Kriegslist gedacht, so ist er jetzt rauche, blutige Wirklichkeit.
Ottokars Reihen lösen sich auf, in wilder Flucht stürmen sie nach Norden, dem Lager zu, wie eine gealtige Flutwelle, die alles mit sich fortspült. Sie begegenen den polen und Schlesiern aus dem dritten Treffen, frische, ausgeruhten Truppen, auch Böhmen unter dem grimmigen Milota, ehmals Landeshauptmann der Steiermark, sollen dabeigewesen sein. Sie schließen sich den Flüchtenden an, anstatt zu kämpfen, werden wohl auch hineingerissen in diesen gealtigen Strudel von Tod und Verderben. Nordostwärts streben sie, denn im Nordwesten wissen sie die Kumanen und baut sich zudem der steile Goldberg als Hindernis auf. Schon gellt ihnen das Geschrei der Verfolger in den Ohren, Vielleicht können sie sich jenseits der March in Sicherheit bringen, der Fluß führt ja nicht allzuviel Wasser um diese Jahreszeit, Doch ihre Pferde , müde und verwundet, sind dieser gewaltigen Strapaz nicht mehr gewachsen. Sie brechen ein, werfen ihre Reiter ab, die in ihren schweren Rüstungen wie Steine im Wasser versinken. Angeblich zu Tausenden ertrinken sie, „wie die Ägypter im Roten Meer“, ein bibelfester Chronist hat diesen anschaulichen Vegleich gewagt. Die March färbt sich rot vom Blut der Gefallenen und Verwundeten.
König Ottokar ist gefallen, sein Leichnam entkleidet und geschunden von den Mördern achtlos liegen gelassen, zogen sie ihn aus bis auf das letzte Hemd. Nackt und entstellt lag de Tote auf der bloßen Erde, umringt von gaffenden Schaulustigen, verspottet und verhöhnt von denen, die einst auf Knien vor ihm gekrochen waren.
In der Morgenfrühe des nächsten Tages führte man Ottokars Leichnam vom Schottenkloster zu den Minoriten. Stumm schritt die Wiener Geistlichkeit hinter der Bahre einher, ein düsterer, schweigender Zug ohne Glockengeläut und feierliche Gesänge, denn man geleitete die sterbliche Hülle eines Gebannten. Im Kreuzgang der Minoriten wurde der Tote öffentlich zur Schau gestellt. Niemand sollte je behaupten können, er sei gar nicht tot und werde später einmal wieder kehren, so wie es das Volk von Kaiser Friedrich glaubte, dem Staufer, der im fernen Apulien Anno Domini 1250 gestorben war.
Aus heutiger Sicht betrachtet war die Schlacht bei Dürnkrut die größte kontinentale Ritterschlacht aller Zeiten.

*Misencord - langes, dolchartiges Messer abgeleitet vom lateinischen Wort „misericordia“, Erbarmen, Mitleid,
miles emeritus* - altgedienter Ritter

Entnommen der Biographie Rudolf I. von Johann Franzl

Vor dem Wiener Stephansdom bittet der junge Wenzel, Rudolf von Habsburg um den Leichnam seines Vaters Przemysel Ottokar