13. April 2008

Die Schlacht bei Dürnkrut



Der Untergang König Ottokars.
Teil 2


Ottokar ist mit seine Truppen fast doppelt so stark wie Rudolf mit seinen 300 Steirern, Elsässern und Schwaben, die ihnen entgegenstehen. Die einen, den Sieg knapp vor Augen, hauen und stechen mit furchtbarer Wucht, die anderen wissen, daß alles verloren ist, wenn sie jetzt nicht standhalten, wehren sich vebissen und mit dem Mut der Verzweiflung. Sind die Lanzen alle gebrochen und ist kein Knappe mehr da, um eine neue zu reichen, dann greifen sie zum Schwert und hauen drein, so gut sie eben können, und manch einer, dem auch das Schwert aus der Hand geschlagen oder zerbrochen ist, verteidigt sie sich mit dem Misencord*.
König Rudolf ist mitten unter den Seinen. Trotz seiner 60 Jahre scheut er nicht die Gefahr und kämpft wie ein gewöhnlicher Ritter. Mitten im Schlachtgetümmel erkennt ihn einer von seinen Gegner. Es heißt, Ottokar habe einen Mann gedungen, um den Habsburger zu töten. Der Unbekannte drängt sich durch das Gewühl der Kämpfer in Rudolfs Nähe und beginnt auf ihn einzuschlagen. Der König, ein erfahrerener Streiter, ein „miles emeritus“*, wehrt sich efolgreich, sein Pferd aber wird durch einen Lanzenstich tödlich getroffen. Kopfüber fällt er aus dem Sattel mitten hinein in den Weidenbach, von dort kann er sich aus eigener Kraft nicht mehr erheben, die schwere Rüstung drückt in nieder. Mit dem Schild deckt sich der Verunglückte, so gut er eben vermag, gegen die Hiebe des Angreifers und die Hufe der Schlachtrosse, die über ihn hinweggaloppieren, Verzweifelter hätte seine Lage nicht sein können: Sein Heer in höchster Bedrängnis, er selber in akuter Gefahr, entweder erschlagen oder zu Tode getrampelt zu werden. Wieder hängt sein Schicksal an dem sprichwörtlichen seidenen Faden, und wieder hat er auch das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen. Walter von Ramswag, ein Ritter aus dem Thurgau, sieht den König wehrlos im Bach liegen. Er kämpft sich zu ihm durch, und es gelingt ihm, ihn aus dem Kampfgetümmel zu zerren und auf ein frisches, ausgeruhtes Pferd zu setzten, mit dem er sich alsbald wieder am Kampf beteiligt. Dem Ramswager wird der König diese Heldentat nie vergessen und stets des jungen Riters in Dankbarkeit gedenken.
Rudolf mit eigenen Worten:
„uns uf hub uss dem bache, da wir nidergeschlagen lagent, da mit er uns des lebens gehalf ..“
Die Schlacht jedoch ist durch diese Helden Stück des Thurgauischen Ritters längst nicht gewonnen, Immer noch kämpfen Rudolf und seine Mannen verzweifelt gegen die feindliche Übermacht an. Doch Ottokar zögert und wirft sein drittes Treffen nicht in die Schlacht. Die Polen und Schlesier kommen den deutschen Gästen nicht zu Hilfe, die allmählich müde werden vom stundenlangen Fechten in Staub und Sonnenglut.
Und nun bricht aus den Hügeln des Hochfeldes der lange Ulrich von Kapellen hervor, den Rudolf in weiser Voraussicht, als Verstärkung bereitgestellt hat. 60 verdeckte Rosse und wohl der die vierfache Zahl an Leichtbewaffneten, eine verhältnismäßig kleine Schar nur, aber frisch und ausgeruht. Wie es ihnen Rudolf befohlen hat, stellen sie sich nicht zum frontalen Kampf, sondern fallen Ottokars Ritter in die rechte Flanke und richten unter ihnen furchtbare Verwirrung an. Die Angegriffenen sind gewohnt, mit dem Gegener Auge in Auge zu kämpfen, nicht hinterrücks überfallen zu werden. Durch die schmalen Sehschlitze ihrer unförmigen Topfhelme haben sie nur ein äußerst beschränktes Gesichtsfeld nach vorne und können so nicht erkennen, wie schwach diese letzten Reserven Rudolfs sind, die ihre Attacke, das muß man zugeben, mit unerhörtem Elan und Bravour reiten. „Wie ein Tuch mit einer Schere“ spalten sich Ottokars Reihen, die alsbald in Panik geraten ob des neuen, unvermuteten Gegners, den sie nicht sehen können, wenn er sie hinterrücks anfällt. Da hört man inmitten der Schmerzensschreie von Mensch und Kreatur eienn Ruf, der auch das Kampfgebrüll und das Geklirre der Schwerter zu übertönen vermag: „Sie fliehen, sie fliehen“ Rudolfs Gefolgsleute stoßen ihn aus, als sie sehen, daß einige der „deutschen Gäste“ ihre Schlachtrosse wenden und in RichtungNorden sprengen, gegen Jedenspeigen zu.
„Sie fliehen, sie fliehen!“ Der Ruf pflanzt sich fort über das anze Schlachtfeld, und war er anfangs vielleicht nur als Kriegslist gedacht, so ist er jetzt rauche, blutige Wirklichkeit.
Ottokars Reihen lösen sich auf, in wilder Flucht stürmen sie nach Norden, dem Lager zu, wie eine gealtige Flutwelle, die alles mit sich fortspült. Sie begegenen den polen und Schlesiern aus dem dritten Treffen, frische, ausgeruhten Truppen, auch Böhmen unter dem grimmigen Milota, ehmals Landeshauptmann der Steiermark, sollen dabeigewesen sein. Sie schließen sich den Flüchtenden an, anstatt zu kämpfen, werden wohl auch hineingerissen in diesen gealtigen Strudel von Tod und Verderben. Nordostwärts streben sie, denn im Nordwesten wissen sie die Kumanen und baut sich zudem der steile Goldberg als Hindernis auf. Schon gellt ihnen das Geschrei der Verfolger in den Ohren, Vielleicht können sie sich jenseits der March in Sicherheit bringen, der Fluß führt ja nicht allzuviel Wasser um diese Jahreszeit, Doch ihre Pferde , müde und verwundet, sind dieser gewaltigen Strapaz nicht mehr gewachsen. Sie brechen ein, werfen ihre Reiter ab, die in ihren schweren Rüstungen wie Steine im Wasser versinken. Angeblich zu Tausenden ertrinken sie, „wie die Ägypter im Roten Meer“, ein bibelfester Chronist hat diesen anschaulichen Vegleich gewagt. Die March färbt sich rot vom Blut der Gefallenen und Verwundeten.
König Ottokar ist gefallen, sein Leichnam entkleidet und geschunden von den Mördern achtlos liegen gelassen, zogen sie ihn aus bis auf das letzte Hemd. Nackt und entstellt lag de Tote auf der bloßen Erde, umringt von gaffenden Schaulustigen, verspottet und verhöhnt von denen, die einst auf Knien vor ihm gekrochen waren.
In der Morgenfrühe des nächsten Tages führte man Ottokars Leichnam vom Schottenkloster zu den Minoriten. Stumm schritt die Wiener Geistlichkeit hinter der Bahre einher, ein düsterer, schweigender Zug ohne Glockengeläut und feierliche Gesänge, denn man geleitete die sterbliche Hülle eines Gebannten. Im Kreuzgang der Minoriten wurde der Tote öffentlich zur Schau gestellt. Niemand sollte je behaupten können, er sei gar nicht tot und werde später einmal wieder kehren, so wie es das Volk von Kaiser Friedrich glaubte, dem Staufer, der im fernen Apulien Anno Domini 1250 gestorben war.
Aus heutiger Sicht betrachtet war die Schlacht bei Dürnkrut die größte kontinentale Ritterschlacht aller Zeiten.

*Misencord - langes, dolchartiges Messer abgeleitet vom lateinischen Wort „misericordia“, Erbarmen, Mitleid,
miles emeritus* - altgedienter Ritter

Entnommen der Biographie Rudolf I. von Johann Franzl

Vor dem Wiener Stephansdom bittet der junge Wenzel, Rudolf von Habsburg um den Leichnam seines Vaters Przemysel Ottokar

12. April 2008

Rudolf I. gegen Ottokar II.


Die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen. Teil 1:

Rudolf I. von Habsburg, ein erfahrener Kriegsführer, gelang es am morgen des 26. August 1278 den Böhmenkönig Ottokar den II. zur Schlacht zu stellen.



Früh bei Sonnenaufgang, werden die Kämpfer in Rudolfs Lager geweckt. Der Bischof von Basel, ein Intimus* von Rudolf I., liest die Messe und predigt in schlichten, ergreifenden Worten, um verzagte Gemüter aufzurichten. Viele empfangen die Kommunion, die im Mittelalter nur an Menschen ausgeteilt wurde, die sich in Todesgefahr befanden. Der König spendet weltlichen Trost: An einer Reihe junger Edelknappen vollzieht in dieser feierlich-ernsten Stunde das Reichsoberhaupt die Zeremonie der Schwertleite. Sie werden in den Ritterstand aufgenommen, was ihnen im Falle der Gefangennahme bessere Behandlung verheißt.
Dann ist es Zeit für die Schlachtordnung. Im ersten Treffen machen sich die Ungarn bereit, umschwärmt von ihren kumanischen Hilfstruppen. Im zweiten Treffen sieht man die Österreicher, keilförmig aufgestellt. In der Mitte des Dreiecks der alte Haslauer, der wohl schon 80 Jahre zählt, er führt das Banner „mit dem weißen Strich“, die ehrwürdige rotweißrote Fahne Österreichs. Dahinter, im dritten Treffen, mit Rudolf, weht das weisse Kreuz im roten Feld, die Sturmfahne des Reiches, mit fester Hand geführt vom Burggrafen Friedrich von Nürnberg, um den sich Steirer, Schwaben und Franken scharen. Die Kämpfer Rudolfs tragen ein Kreuz als Erkennungszeichen, rot oder weiß. Die Farbe ist nicht einheitlich. „Rom, Rom“ und „Christus, Christus“ soll das Feldgeschrei sein. Der König inspiziert noch ein letztes Mals seine Truppen um sich dann ins dritte Treffen zu begeben wo sich seine besten Kämpfer befinden.
Er sei in großer Sorge gewesen um sich und die Seinen, weiß der Chronist von Colmar, Ottokar hingegen seines Sieges sicher.
Um neun Uhr morgens eröffnet Rudolf von Habsburg den Kampf. Sein erstes Treffen reitet an. Es sind die Ungarn und Kumanen, sie haben die Ehre des Vorstreites ausbedungen, Ihr König ist nicht bei ihnen, er erschien mit seinen 18 Jahren Rudolf noch zu jung, um mitzukämpfen. Um den jungen Ungarnkönig Ladislaus versammelte sich Geistlichkeit, die betend und singend das Kampfgeschehen aus sicherer Entfernung verfolgte. Nur Bischof Heinrich von Basel reitet in prächtiger Rüstung hoch zu Roß einher, für Kleinmütige spendet er Trost, die Mutigen feuert er an, und hätte es ihm seine geistliche Würde und des Königs Sorge um den unentbehrlichen Freund nicht verwehrt, er hätte selbst zum Schwert gegriffen.
So bleibt ihm nur übrig, das alte Marienlied anzustimmen, das alle kennen und in das sie alsbald begeistert einfallen:
"Sankta Maria, Mutter und Magd, all unsere Not sei Dir geklagt.“
Inzwischen sind die Ungarn an Dürnkrut vorbei ins Kruterfeld hinabgestürmt, gefasst erwartet dort Ottokar erstes Treffen auf Ihren Angriff . Es sind die böhmischen und mährischen Ritter. Bewußt hat sie Ottokar in dieses Treffen gestellt, und die Deutschen ins zweite, er sucht eine frühe Entscheidung, sein drittes Treffen, bestehend aus polnischen und schlesischen Kontingenten, gilt als weniger Kampfkräftig. „Hospodine pomilu ny“, „Herr erbarme Dich unser“ singen die Böhmen und Mährer, eine ernste, den gregorianischen Chorälen ähnelnde Melodie, die bald übetönt wird vom wilden Gebrüll der Kumanen und dann wohl gänzlich erstirbt unter dem Pfeilhagel aus den Reflexbögen, der auf die Ritter niedergeht, ohne daß sie sich wehren können. „Praga, Praga“ ertönt nun ihr Schlachtruf, und trotz ihrer in dem Pfeilgewitter erlittenen Verluste stellen sie sichden den Ungarn zum Kampf, die anfangs arg in Bedrängnis kommen: Palatin Matthäus stürzt vom Pferd und entgeht nur knapp dem Tod. Die magyarischen Adeligen mögen schwächer gerüstet sein, ihre Waffen aber verstehen sie vortrefflich zu führen, so, als hätten sie allesamt in Frankreich fechten gelernt, wie ein Kenner dieser Kunst, der Reimchronist, anerkennend urteilt. Die Böhmen und Mährer jedenfalls sind diesen brillanten Fechtkünsten nicht gewachsen, sie wenden sich zur Flucht nach Nordwesten gegen Zistersorf zu, die Magyaren und Kumanen hinterdrein im Rausche des Sieges. Sie denken nur noch ans Beutemachen, auf dem Schlachtfeld spielen sie vorerst keine Rolle mehr.
Jetzt wirft Ottokar sein zweites Treffen in die Schlacht, die Elite, auf die er seine größte Hoffnung gründet, die „deutschen Gäste“. Auf ihren schweren Rossen, die Lanzen drohend nach vorn gerichtet, stürmen sie den Österreichern entgegen, die tapfer den Kampf mit dieser furchterregenden Übermacht aufnehmen,
Nun erst beginnt das eigentliche, die Schlacht der schwergerüsteten Ritter. Wie auf dem Turnierplatz reiten sie aufeinander zu in langer Reihe, aus heisereren Kehlen ihre Schlachtrufe brüllend, die ihnen Mut machen sollen für ihr gefahrvolles, blutiges Handwerk. Der Zusammenprall ist fürchterlich: Lanzen splittern, Pferde und Menschen stürzen, das Gewieher der erschreckten Tiere mischt sich mit den Schmerzensschreien der Verwundeten. Die Österreicher, mögen sie auch tapfer fechten, können nicht lange standhalten, zu gering ist ihre Zahl, zu groß sind ihre Verluste. Sie fliehen nicht, aber sie werden zurückgedrängt auf das dritte Treffen, das daher früher, allzu früh, in den Kampf eingreifen muß. Fest hält der Burggraf von Nürnberg, das Banner des Reiches in der Faust, denn geht es um die Entscheidung. Wankt auch Rudolfs drittes Treffen und dem Ansturm der Feinde, ist die Schlacht für ihn verloren. Erbittert muß diese Ringen gewesen sein, Deutsche schlagen auf Deutsche, Schwaben auf Bayern, Bayern auf Elsässer, Elsässer auf Thüringer. Sie schenken einander nichts, Nicht einen Augenblick verschwenden Ottokars deutsche Gäste an den Gedanken, daß sie gegen den König jenes Reiches fechten, dem sie selber angehören, sie kennen kein Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit. Dem König von Böhmen haben sie Treue geschworen, und diese Treue werden sie halten, und sie wollen siegen. Daß es das Reichsoberhaupt ist, das sie in arge Bedrängnis, sogar in Lebensgefahr bringen ist ihnen gleichgültig.



Fortsetzung folgt

Intimus* enger Freund, Vertrauter

5. April 2008

Ludwig IX. - zwischen fasten und speisen



Heute wollen wir mehr über die Tischgebräuche Ludwig des IX. erfahren. Der Karpetinger, später Saint Louis genannt, hielt streng die Fastenregeln der damaligen Zeit und zeigte große Mäßigung bei der Nahrungsaufnahme. Trotzdem erfüllte er die Pflicht als Gastgeber vorzüglich und es werden uns einige Beispiele der Gastlichkeit im 13. Jahrhundert gegeben.

Guillaume de Saint-Pathus berichtet uns:

Obwohl dem heiligen König große Fische wohl mundeten, legte er die großen, die ihm aufgetragen wurden, oft beiseite und ließ für seinen Mund kleine Fische bringen , von denen er aß. Manchmal ließ er die großen Fische, die ihm vorgesetzt wurden, in Stücke zerlegen, damit man glaubte, er habe davon gegessen und doch aß er nichts von diesen Großen noch von anderen Fischen, sondern begnügte sich mit der Suppe und hieß die Fische als Almosen ausgeben. Und oft trug es sich zu, daß er, wenn Braten und andere Gerichte mit köstlichen Saucen vor ihn hingestellt wurden, Wasser in Würze gab, um den guten Geschmack der Sauce zunichte zu machen. Und wenn derjenie, der ihm vorlegte zu ihm sagte: „Herr, ihr verderbt Euch den Geschmack“, antwortete er: „Kümmert auch nicht darum, ich mag es lieber so“
Wenn die ersten Neunaugen nach Paris kamen und dem König und den anderen bei Tisch aufgetragen wurden, aß er nicht davon, sondern ließ sie den Armen reichen oder dem gemeinen Almosendienst zukommen. So wurden diese Gerichte dergleichen herabgesetzt, daß sie nur noch an die fünf Sous wert waren, wo sie doch am Anfang vierzig Sous wert waren. Vor ihm standen einen goldener Kelch und ein Glas, und auf dem Glas war ein Maß, bis zu dem er es mit Wein füllen ließ; alsdann ließ er so viel Wasser hineingeben, daß auf Viertel Wein ungefähr drei viertel Wasser kamen. Und bald trank er auf dem Glas, oder er gab das Getränk, nach dem es derart bemessen war, in den goldenen Kelch und trank aus dem Kelch.

Im Widerstreit zwischen seinen Wunsch nach Mäßigung und dem leidenschaftlichen Streben nach herausragender Frömmigkeit und Sittlichkeit möchte Ludwig ein Meister der asketischen Ernährung sein, doch er akzeptierte mildernde Umstände, teils aus Gesundheitsgründen, aber auch um seinen Ideal als maßvoller Prud`homme gerecht zu werden und um trotz allem seinen Rang zu wahren.
Manche seiner Untertanen und seiner Zeitgenossen haben darin sogar eine Form von Heuchelei gesehen, die man ihm vorwarf, ein Scheinheiligkeit nach Art der Bettelbrüder, die ihm Ratgeber und Vorbild waren.

Es bleiben noch zwei Zeugen, die nicht Hagiographen oder Biographen sind, sondern Chronisten, in beiden Fällen ausländische Ordensgeistliche:

Der junge Franziskanerbruder Salimbene von Parma berichtet über einen Mahl als der heilige Ludwig auf dem Weg zum Kreuzzug in Sens eintraf, wo im Juni 1248 das Generalkapitel der Franziskaner tagte. Er hebt hervor, daß dem König zum Empfang ein großer Hecht geschenkt wurde. Hier ist der Hecht nur eine Gabe, und wir erfahren nicht ob Ludwig ihn verspeiste – aber wir kennen seine Vorliebe. Jedenfalls erhält die Szene von der Ankunft des bußfertigen Königs durch diese Episode einen gastronomischen Akzent. Der König wird dem Festmahl nicht entrinnen: Zu seinen Ehren und zu Ehren seiner Gefährten scheuen die guten Franziskaner, stets zur Fröhlichkeit geneigt, keinen Aufwand, um in üppigen Mengen frische Köstlichkeiten aufzutragen.

An diesem Tag aber zahlte der König alle Kosten und speiste mit den Brüdern. Und wir speisten im Refektorium; und es nahmen dabei teil die drei Brüder des Königs, der Kardinal der römischen Kurie, der Generalminister, Bruder Rigaldus, Erzbischof von Rouen, und der Provinzialminister von Frankreich, ferner alle Kustoden und Kapitelordner und alle Vertauensmänner und alle Mitglieder des Kapitels und die Gastbrüder, die wir Forensen nennen.
Wir bekamen also an jenem Tage zuerst Kirschen, dann schneeweißes Brot, und königlichen Wein in Mengen, wie es königlicher Freigebigkeit entspricht. Und nach der Sitte der Franzosen gab es viele, die die Unwilligen einluden und zum Trinken zwangen, Dann bekamen wir junge Bohnen in Milch gekocht. Fische und Krebse, Aale in einer ausgezeichneten Sauce, Torten und Quarkkäse in kleinen Weidenkörbchen; und auch die üblichen Früchte bekamen wir reichlich und geziemend, Und alles ward mit Freundlichkeit aufgetragen und emsig serviert.


Der letzte Zeuge ist der englischen Chronist und Benediktiner Mathäus von Paris. Er hat sich gut über den Paris-Aufenthalt des König von England unterrichten lassen, nachdem Heinrich der III. gegen Ende des Jahres 1254 einer Einladung des Königs von Frankreich gefolgt war.

Am selben Tag speiste der Herr König von Frankreich, wie er es versprochen hatte, mit dem Herrn König von England im besagten alten Temple, im großen Königsaal, mit der zahlreichen familia aus Vertrauten und Gefolgsleuten der beiden Könige, Und alle Räume waren voller Tischgäste. Es gab keine Türhüter oder Kassierer, weder am Haupteingang noch an sonstigen Eingängen, und die Türen standen allen offen, und es wurde ihnen ein prunkvolles Mahl beschert, wobei das einzig Abstoßende vielleicht der Überfluß an Speisen war. Nie in der Vergangenheit hatte man ein so edles, so glänzendes, so vornehm besuchtes Banket gesehen, weder zur Zeit des Assuerus, noch zur Zeit von König Artus, noch zur Zeit Karl des Großen. Die unerschöpfliche Vielfalt der war erhebend, die Fülle an Getränken köstlich, der Tischdienst eilfertig und freundlich, die Sitzordnung der Gäste gut bestellt, die Freigebigkeit an Geschenken grenzenlos … sie tafelten in folgender Ordnung: Erhaben, in der Mitte, der König von Frankreich, der König aller Könige der Welt, mit dem König von England zu seiner Rechten und zu seiner Linken dem König von Navarra … Dann setzten sich die Herzöge nach Rang und Würden, und 24 Personen saßen auf erhöhten Plätzen zwischen den Herzögen. Es waren 12 Bischöfe anwesend, von manchen ranghöher geschätzt als die Herzöge, aber sie wurden mit den Baronen vermischt. Was die Zahl der rühmlichen Ritter anbelangt, so konnte man sie nicht zählen, Es gab 18 Gräfinen, unter ihnen die Schwestern der beiden Königinnen, nämlich die Gräfin von Cornwall, die Gräfin von Provence und von Anjou, und dazu die Gräfin Beatrix, ihre Mutter, die vergleichbar mit Königinnen waren. Nach diesem prunkvollen und herrlichen Mahl, obwohl es ein Fastentag war verbrachte der König von England die Nacht im großen Palais des Herrn König von Frankreich mitten im Herzen von Paris.

Die Tischregeln für Ludwig war im Karolinus, einem Fürstenspiegel festgeschrieben, den Ägidius von Paris im Jahr 1200 Prinz Ludwig überreichte, dem ältesten Sohn und Nachfolger Phillipp Augustus und leiblichen Vater des heiligen Ludwig, empfiehlt er dem jungen Prinzen, sich Karl dem Großen zum Vorbild zu nehmen, und schreibt die Disziplin des Kaisers bei der Tafel wie folgt:

Er kannte kein raues Gefühl in der Kehle,
weder Drängen im Bauch noch Räuspern auf offenem Halse,
sondern hielt auf maßvollen Lebenswandel,
außer wenn es sich geziemt, daß die Königspfalz
in reichlichem Prunk erstrahlte.
Nicht selten war er ein guter Tischgenosse
Und ließ nie mehr als vier Speisen zu.
Sein Vorzug bei Tisch galt gebratenem Fleisch,
das er gern als Lieblingskost hatte,
und erbat das gebratene Wild am Spieß,
kaum über die Sättigung hinaus,
und vom Wein trank er bei Essen nie öfter als viermal.


Hinter diesen Versen verbirgt sich ganz offensichtlich die Vita Caroli, Einhards Leben Karls des Großen aus dem 9. Jahrhundert:

Im Speis und und Trank war er mäßig, mäßiger jedoch noch im Trank, denn Trunken heit verabscheute er an jedem Menschen aufs äußerste, erst recht denn an sich und an den Seinigen, Im Essen jedoch konnte er nicht so enthaltsam sein, vielmehr klagte er häufig, das Fasten schade seinem Körper. Höchst selten gab er Gastereien und nur bei besonderen festlichen Gelegenheiten, dann jedoch in zahlreicher Gesellschaft. Bei gewöhnlichen Essen wurde nur vier Gerichte aufgetragen außer dem Braten, den die Jäger am Bratspieß zu bringen pflegten und der ihm lieber war als jede andere Speise, Während der Tafel hörte er einen Musikanten oder einen Vorleser. Im Genuß des Weins nahm er so mäßig, daß er beim Essen selten mehr als dreimal trank. Im Sommer nahm er nach der Mahlzeit etwas Obst zu sich und trank einmal, dann legt er Kleider und Schuhe ab, wie er es bei Nacht tat, und ruhte zwei bis drei Stunden.

Wenn Ihr euer Wissen über Luwig den Heiligen vertiefen wollt, dann kann ich euch die Biographie von Jacques Le Goff "Ludwig der Heilige" Verlag Klett-Kotta, 995! Seiten, ans Herz legen. Jacques Le Goff war Präsident der Hautes Etues en Siences Sociales in Paris und gehört zu den beudeutendsten Historikern Europas in der Tradition der Annales-Schule. 1994 erhielt er den Hegel-Preis der Stadt Stuttgart.
Bei Amazon leider nicht erhältlich

31. März 2008

Breguet und die Uhr der Königin


Das Schloss Versailles ist ein kostspieliges Bijou der französischen Nation. Schon nur der Unterhalt kostet jährlich 31 Millionen Euro, weshalb für großangelegte Renovationen Finanzspritzen privater Firmen willkommen sind. Vor kurzem investierte die Vinci-Gruppe 12 Millionen Euro, um dem berühmten Spiegelsaal neuen Glanz zu verleihen. Nun will die Schweizer Uhrenfirma Breguet mehrere Millionen stiften, damit das kleine Trianon aufgefrischt werden kann.
Dieses Schlösschen mit Flachdach und griechischen Säulen ließ einst Ludwig XV. für seine Favoritin, Madame Pompadour, bauen. Sein Nachfolger Ludwig XVI. schenkte es seiner Gattin, der Königin Marie-Antoinette. Ihre arrangierte Ehe war allerdings unglücklich. «Ein unbekannter Bewunderer bestellte für sie eine Taschenuhr als Einzelstück, zweifellos die komplexeste Uhr der Welt», erzählt Nicolas G. Hayek. Dieser Unbekannte bestellte die außergewöhnliche Uhr 1783 bei Abraham-Louis Breguet. Der Neuenburger hatte sein Geschäft 1775 in Paris eröffnet und war innerhalb der Aristokratie schnell für seinen Erfindergeist und sein Können ein Begriff. Seine Feinmechaniker arbeiteten aber 43 Jahre lang an der Realisierung dieser Taschenuhr mit automatischem Aufzug, unabhängigem Sekundenzeiger, Wochentagsanzeige und einer besonderen Ankerhemmung.
Die Platinen, Brücken und alle Teile des Lauf-, Repetitions- und Kalenderwerks waren aus geschliffenem Rotgold; das Gehäuse strahlte in Gelbgold. Ein weiteres Kennzeichen dieser Uhr war ihre durchsichtige Vorder- und Rückseite aus Bergkristall. Nachdem die Uhr mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, stahl sie jemand 1983 im L. A. Mayer Museum für Islamische Kunst in Jerusalem. Inzwischen ist die Uhr wieder aufgetaucht und im Museum in Jerusalem ausgestellt.
Marie-Antoinette ruhte sich nämlich gerne unter einer hohen Eiche im Garten des Trianons aus. Der über dreihundertfünfzigjährige Baum fiel aber der Hitzewelle von 2003 zum Opfer und musste gefällt werden. Gleichzeitig feierte Breguet im Schloss Versailles den 200-jährigen Geburtstag der Erfindung des Drehgestells durch Abraham-Louis Breguet: Deshalb begann eine Art Liebesgeschichte zwischen Hayek und Versailles: Aus dem Holz der Eiche soll das Kästchen für die neue «Marie-Antoinette» geschnitzt werden, und auch das Renovationsprojekt kam so zustande. «Versailles, das ist unsere Geschichte, unser Erbe», begründet Hayek diese Investition.
Es sei legitim, sich näher dafür zu interessieren. «Breguet verkehrte am Hof. Er war der Uhrmacher der Könige und Königinnen, und Versailles ist das Symbol der Perfektion und der Kreativität. Versailles und Breguet stehen sich also sehr nahe», betont Arlette-Elsa Emch, Mitglied des Verwaltungsrates von Breguet und Leiterin des Renovationsprojektes. Wie viel Breguet in die Renovation der Tapisserien und der Tapeten, des Belvédère und des Pavillons des kleinen Trianons investiert, will weder sie noch Hayek sagen. Auch der zukünftige Preis der «neuen» Marie-Antoinette könne noch nicht beziffert werden, da ihre Fabrikation zwei bis drei Jahre dauern könne. Das 1983 in Jerusalem gestohlene Original wurde mit Einbeziehung zeitgenössischer Technologien exakt nachgebaut. Übrigens spielte Hayek mit dem Gedanken, eine große Summe als Belohnung für Informationen auszusetzen, die das Original ans Tageslicht bringen sollte.
Die Belohnung hat anscheinend Ihre Wirkung gezeigt und das Original ist nach fast 25Jahren des Verschwundensein wieder öffentlich in Israel zu bewundern. Ihr Wert wird mittlerweile auf über 10 Millionen Dollar geschätzt. Da war die Belohnung für den unbekannten, reichen Besitzer nur eine kleine Herausforderung.

Autor:
Tourbillon Magazin - Ester Elionore Haldimann, Paris

28. März 2008

Das Halsband von Marie Antoinette




Als erste deutschsprachige Website kann ich euch über die Versteigerung einer detailgetreue Nachbildung, des berühmten Halsband der Königin Marie Antoinette berichten. Die gesamte Geschichte zu diesen Collier findest du in einen älteren Post. Das Halsband wurde von Juwelieren aus 657! Zirkonen gefertigt.




Die Versteigerung erfolgt bei Ebay Frankreich: Le Collier de la Reine:


Weitere interessante Devotionalien zur Familie Louis des XVI. findet Ihr direkt vom Hersteller im Titellink.

24. März 2008

Der Geruch von Paris

Unermüdlich auf der Jagd nach übelriechenden Miasmen*, führt Jean Noel Hallè* den Kampf der Desodorierung.
Drei Episoden aus seinem Alltag sollen uns als Einführung dienen.
Beginnen wir mit dem 14. Februar 1790. Seit dem Sturm auf die Bastille sind mehr als sechs Monate vergangen; der Schrecken hat sich gelegt. An diesem Tag steigt das Thermometer auf 4 Rèaumur; es herrscht Südost-Wind; am Pont de la Tournelle erreicht die Seine eine Wasserstand von fünf Fuß. Frühmorgens hat Jean-Noel Halle sich in Begleitung seines Freundes Boncerf auf den Weg gemacht, um die Gerüche an den Flussufern auszukundschaften oder, genauer gesagt, um sie mit prüfender Nase zu erreichen, Die beiden Gelehrten sind von Sociètè Royale de Medicine mit die Aufgabe betraut worden. Sie beginnen ihre Unternehmung am Pont Neuf, schreiten das rechte Ufer bis La Rapeè ab und überqueren den Fluß schräg gegenüber des Abwässerkanals der Salpetriere, um am linken Ufer zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren, Das gewissenhaft Protokoll über den mehr als zehn Kilometer langen Fußmarsch liefert ein genaues Bild von der Vielfalt der Gerüche, In dem ganzen Text findet sich kein einziger Hinweis auf etwas Sichtbares. Eine recht unbefriedigende Lektüre für den, der malerische Beschreibungen liebt: er wird sich weder am Geschwätz der Wäscherinnen noch am lauten Treiben der Schiffsauslader diesseits und jenseits der Seine ergötzen können. Nichts als Gerüche. Eine Wegbeschreibung mit ungewöhnlichen Unterbrechungen, die den langen Strecken der von Unrat bedeckten „Anschwemmzonen“ den Vorrang gegenüber allen nicht stinkenden Uferbereiche gibt, wo die Quais oder Häuser direkt ans Wasser angrenzen.
Eine derartige Riechvermessung ist nicht ungefährlich. Man muss sich hüten vor übertriebener Kühnheit. muss die notwendige Vorsicht bewahren. An der gefürchteten Mündung des Geoblins Zuflusses geht der Begleiter von Jean-Noel gegen den Wind am Wasser entlang und watet durch den schwarzen Schlamm.
„Monsieur Boncerf, der sich an dieser Stelle stärker den aus Südosten kommenden Wind gewandt hatte und ans Ufer hinabgestiegen war, wurde von einem beißenden, alkalischen, stechenden und stinkenden Geruch überwältigt, der ihm derart auf die Atemwege schlug, dass sein Hals binnen einer halben Stunde zu schmerzen begann und seine Zunge merklich anschwoll. Unter dem Eindruck dieser schädlichen Ausdünstung warnte er, ich möge sogleich zur Straße zurückkehren; da ich oben an der östlichen Spitze des von Anschwemmungen verseuchten Uferbereichs geblieben war, der Wind aus meiner Position heraus als von Hinten kam, habe ich nichts Unangenehmes verspürt.“

Doch dies sind nur harmlose Scharmützel; die Tage der großen Schlacht erweisen sich als ungleich dramatischer. Kehren mir zu einem Ereignis zurück, das acht Jahre früher stattgefunden hat.
Am. 23. März 1782 versammeln sich die größten Kapazitäten der Hygiene und der Chemie vor dem Hotel de la Grenade in der Rue de la Parcheminerie. Die Senkgrube soll gereinigt werden. Ihre tödlichen Ausdünstungen sind bekannt. Überdies versichert due Hauswirtin, dass die Medizinstudenten eimerweise Leichenreste und den Fäkalien verborgen haben Das Ausmaß der Gefahr ist gar nicht zu ermessen, Academie Royale des Sciennes hat die Gelehrten Lavoisier, Le Roy und Fougeroux an den Ort des Geschehens entsandt, während die Chemiker Marcquer und Fourcroy sowie der Herzog von La Rochefoucauld, der Abeè Tessier und Jean-Noel Halle im Auftrag der Societe Royale de Medecine gekommen sind. Sie alle sollen die Wirksamkeit eines neuen „antimefitischen“* Mittel testen, erfunden von Sieur Janin, der zu Behaupten wagt, daß sein Essig die üblen Gerüche zerstört und die Miasmen bindet.
Es ist ein kalter Tag, nur 2 Reaumur um die Mittagszeit; der Wind kommt von Norden; im Laufe des Vormittags hat es heftig geschneit. Kurz, die meteorologischen Bedingungen erscheinen günstig. Während Janin seinen Essig versprengt, klettern Jean-Noel Halle und der Abbeè Tessier die Leitern hinauf und hinunter, um die unterschiedliche Intensität des Gestanks zu messen. Stundenlang nimmt das zwischen acht und neun Uhr morgens begonnene Experiment einen ungestörten Verlauf. Dann, gegen fünfzehn Uhr, kommt es zu einer dramatischen Wende: einer der Kloakenfeger erleidet einen Erstickungsfall und rutscht ab. Unter größten Schwierigkeiten gelingt es ihn aus der Grube zu bergen.
Die Augenzeugen drängen sich um den Todgeweihten. Ein junger Mann versucht, ihn durch Wiederbelebungsversuche zu retten, aber ohne Erfolg. Nun schaltet sich ein Fachmann ein, Monsieur Verville, Inspektor einer Gesellschaft, die den seit einigen Jahren bei Kloakenentleerung verwendeten Ventilator herstellt. Doch hören wir, wie Jean-Noel Halle das Los des unglückseligen Verville beschreibt:
„Kaum hatte er die Luft geatmet, die dem Mund des Sterbenden entströmte, schrie er „ ich bin tot!“ und fiel ohnmächtig um (…). Ich sah, wie er unter äußersten Anstrengungen um Atem rang, wie er an den Armen gehalten wurde, während er sich brüllend aufbäumte; abwechselnd hoben und senkten sich Brust und Bauch in heftigen, krampfartigen Bewegungen. Er hatte das Bewusstsein verloren; Seine Extremitäten waren kalt; der Puls wurde immer schwächer (…). Manschmal füllte sich der Mund sogar mit Schaum, die Glieder wurden steif und der Kranke schin einem wahren epileptischen Anfall ausgesetzt …“
Zum Glück kommt Monsieur Verville – der, um es noch einmal zu sagen, nur den Odem eines Sterbenden geatmet hat wieder zu sich und kann nach Hause gehen.
Ein weiterer Bericht von Monsieur Halle handelt von verschiedenen, krankheitserregenden Gerüchen, die sich in ihrer Lieblingshölle, dem Hospital entfalten.
„Es gibt einen stinkenden Geruch, ähnlich dem, der von Kleidungsstücken ausgeht, und eine Fauligen Geruch, der weniger hervortritt, aber durch den allgemeinen Ekel, den er auslöst, unangenehmer ist als der erste. Ein dritter, den man Verwesungsgeruch nennen kann, läßt sich als eine Mischung aus Saurem, Fadem und Stinkendem beschreiben, die Zersetzung und ist der widerwärtigste und all den Gerüchen, die im Hospital anzutreffen sind. Ein weiterer Geruch, der in Nase und Augen stickt, kommt von der Unsauberkeit; man könnte meinen, die Luft enthielt etwas Pulverförmiges, und wenn man sich auf die Suche macht, findet man gewiss feuchte, verstockte Wäsche, einen Haufen Unrat oder von gärenden Miasmen verseuchte Betten und Kleider. Die verschiedenen den besonderen Geruch des Brandes, den des Krebserregers und den Pesthauch, der sich bei Knochenfraß verbreitet. Doch was die Ärzte durch Erfahrung über diesen Gegenstand lernen, kann jeder erproben, wenn er nur die unterschiedlichen Gerüche in den Krankensälen vergleicht. Bei den Kindern roch es sauer und stinkend; bei den Frauen süß und faulig; von den Schlafsälen der Männer dagegen geht ein starker, aber nur stinkender und daher längst nicht so abstoßender Geruch aus.
Obwohl mehr auf Sauberkeit geachtet wird als früher, herrscht in den Krankensälen der guten Armen von Bicetre ein fader Geruch, der den zarten Personen schwach ums Herze wird.

* Miasma: Bis zu Pasteurs Entdeckungen wurden außerhalb des Körpers gebildete Ansteckungsstoffe, inbesondere giftige Ausdünstungen des Bodens, als Miasmen bezeichnet.
*antimefitisch: Mittel, die den stinkenden, verpesteten Dünsten entgegenwirkten


*Die Berichte stammen von den berühmten französichen Arzt Jean Noel Halle geb in Paris 6. 1. 1754 gest. 11. 2. 1822 ebenda

18. März 2008

Ostern


Ich wünsche allen Lesern ein frohes Osterfest.

Der Beitrag von Rudolf I. von Habsburg und Louis dem IX. als herausragende Mitglieder ihrer Sippe werden zu Ihrem Wiegenfeste geehrt. Das ist Ende April bzw Anfang Mai.

Weiters ist eine umfangreiche Maria Magdalena Geschichte in Vorbereitung.